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Politik

Mehr Geld für Selbsthilfe gegen den Hunger

Mit 20 Milliarden Dollar wollen die Industriestaaten den Entwicklungsländern helfen. Die größten Opfer der Krise sollen damit mehr Nahrungsmittel produzieren können. Aber: Das Geld reicht nicht, rügen Entwicklungshelfer.

Hungernde Kinder mit Reisschüssel (Foto: AP)

Durch die Wirtschaftskrise gibt es mehr als eine Milliarde hungernde Menschen

Die globale Wirtschaftskrise hat ihre grausamsten Konsequenzen in der Dritten Welt. Nach Angaben der Vereinten Nationen hat die Zahl der von Hunger und extremer Armut betroffenen Menschen in den Entwicklungsländern dramatisch zugenommen. Derzeit sind mehr als eine Milliarde Menschen von Hunger und extremer Armut betroffen, 100 Millionen mehr als vor dem Ausbruch der weltweiten Rezession.

Gruppenfoto der G8- und G5-Regierungschefs (Foto: dpa)

Sie zogen bei der Milliardenhilfe an einem Strang: Die Staatschefs der G8- und G5-Staaten in L'Aquila

Um diese Zahl nicht weiter ansteigen zu lassen, sondern zu verringern, wollen die auf dem Weltwirtschaftsgipfel im italienischen L'Aquila vertretenen Industriestaaten und Schwellenländer in den kommenden drei Jahren insgesamt 20 Milliarden Dollar für die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion in den Entwicklungsländern zur Verfügung stellen. Dabei steuern die USA und Japan jeweils zwischen drei und vier Milliarden Dollar sowie die Mitgliedsländer der Europäischen Union eine Milliarde Dollar an zusätzlicher Entwicklungshilfe bei. Bei der anderen Hälfte der Gesamtsumme handelt es sich um bereits beschlossene Entwicklungsgelder, die mit dem Ziel einer höheren Nahrungsmittelproduktion umgeschichtet werden.

Kritik von Entwicklungsorganisationen

Internationale Entwicklungsorganisationen rügten die Aktion als ungenügend, zumal in den vergangenen Jahren die Entwicklungshilfe für den landwirtschaftlichen Bereich gekürzt worden sei. Allein die afrikanischen Staaten südlich der Sahara benötigten in den kommenden drei Jahren 25 Milliarden Dollar, hieß es in einer am Donnerstag (09.07.2009) in L'Aquila verbreiteten Erklärung.

Ingenieur mit Einheimischen beim Brunnenbau im Niger (Foto: dpa)

Anleitung zur Selbsthilfe wie hier beim Brunnenbau im Niger

In dieser Erklärung wird auf einen Bericht der Weltbank verwiesen. Diese befürchtet, dass als Konsequenz der Wirtschaftskrise Jahr für Jahr zwischen 200.000 und 400.000 Kinder mehr als derzeit dem Hungertod zum Opfer fallen. Im südlichen Afrika seien zwei Drittel der Menschen von einfachster Landwirtschaft abhängig. Ihnen müsse schnellstens und großzügig mit Saatgut, Dünger und einer besseren Infrastruktur geholfen werden. Denn will man die Armut in den Entwicklungsländern bekämpfen, gelte eine Faustregel, so Nichtregierungsorganisationen in einer Erklärung: das Wachstum der Landwirtschaft bringt doppelt so viel, wie die Förderung anderer Wirtschaftssektoren.

Nur dringliche Katastrophenfälle

Im Zuge der auf dem Weltwirtschaftsgipfel beschlossenen Initiative wollen die großen Industriestaaten ihre Nahrungsmittelhilfe auf dringliche Katastrophenfälle beschränken und dafür der Masse der Bevölkerung in den Entwicklungsländern dabei helfen, sich selbst besser als bislang mit Nahrungsmitteln versorgen zu können. Wie das genau geschehen soll, dazu sollen die Regierungen der Entwicklungsländer selbst Strategien entwickeln. Für die Umsetzung bieten die Industriestaaten dann verstärkte finanzielle und technische Hilfe an.

Die Teilnehmer des Weltwirtschaftsgipfels appellieren an die Geberländer von Entwicklungshilfe, ihre Zusagen auch tatsächlich zu erfüllen. Vor allem müsse die Tendenz zu sinkender Entwicklungshilfe gerade im Agrarbereich rückgängig gemacht werden. Dieser Appell zielt nicht zuletzt auf die vor fünf Jahren auf einem Weltwirtschaftsgipfel angekündigte Verdopplung der staatlichen Entwicklungshilfe um 50 auf 100 Milliarden Dollar pro Jahr.

Protektionistische Beschränkungen

Die Teilnehmerländer des Weltwirtschaftsgipfels haben diese Ankündigung erst zu einem Drittel erfüllt und sind im Durchschnitt von der Erhöhung der Entwicklungshilfe auf 0,51 Prozent ihres jeweiligen Bruttoinlandsprodukts bis zum Jahr 2010 noch deutlich entfernt. In L'Aquila haben sie sich nun verpflichtet, ihre Investitionen in die Landwirtschaft der Dritten Welt kurz-, mittel- und langfristig so zu erhöhen, dass davon die ärmsten Menschen den größten Nutzen haben. Dazu gehöre auch, protektionistische Beschränkungen des Marktzugangs in den Industriestaaten ebenso abzubauen wie spekulativ bedingte Preisausschläge beim Handel mit Lebensmitteln.

Autor: Karl Zawadzky zzt. in L'Aquila

Redaktion: Gerd Winkelmann

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