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Gesellschaft

Mehr Freizeit, weniger Arbeit: die "Generation Y"

Sie wollen einen Job, der Spaß macht, ein angemessenes Gehalt und dazu noch genug Freizeit. Die 20- bis 30-Jährigen verändern mit ihren Vorstellungen vom Leben die Arbeitswelt. Sie sind die "Generation Y".

"68er", "Baby-Boomer", "Generation Golf" - seit den 1990er Jahren haben Forscher und Autoren bestimmte Geburtenjahrgänge immer wieder unter einem Generationenbegriff zusammengefasst. Die 68er stehen für sexuelle Revolution und Studentenproteste, die Baby-Boomer für die Jahre, in denen viele Kinder auf die Welt kamen - beides sind schon lange bekannte und häufig verwendete Bezeichnungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die heute 40- bis 50-Jährigen heißen nach einem Auto von Volkswagen: Generation Golf. Ihre Jugendjahre gelten als unpolitisch und hedonistisch.

Wer in den 90er Jahren jung war, gehört zur "Generation X" - benannt nach einem Roman, dessen konsumkritische Protagonisten Sinnbild für die junge Generation sein sollten. Auch die heute 20- bis 30-Jährigen haben einen Namen bekommen: Sie sind die "Generation Y".

Dr. Prof. Jutta Rump (Foto: Jutta Rump)

Jutta Rump: Hauptsache, die Arbeit ist nachhaltig und sinnvoll

"Die 'Generation Y' unterscheidet sich dabei besonders von den vorherigen Jahrgängen", sagt Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen. Während beispielsweise die Baby-Boomer, die heute 50- bis 60-Jährigen, Wert auf geordnete Strukturen, Hierarchien und Sicherheit am Arbeitsplatz legten, könne die Generation Y auf genau diese Aspekte verzichten - Hauptsache, die Arbeit sei nachhaltig, sinnvoll, mache Freude und passe ins Lebenskonzept. Das können vor allem Bewerber in Branchen mit Fachkräftemangel einfordern. Junge Menschen ohne Schulabschluss oder mit geringen Qualifikationen haben diese Möglichkeiten kaum.

Ein Fachkräfte-Phänomen

Viele Mitglieder der "Generation Y" sind gut ausgebildet und strömen jetzt auf den Arbeitsmarkt. Laut einem Bericht des Bundesministeriums für Bildung hat sich die Zahl der Studienanfänger seit 1993 fast verdoppelt. Durch den demografischen Wandel nimmt die Zahl der jungen Menschen jedoch ab. Ein Vorteil für die Bewerber, denn dadurch ist die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt kleiner und sie können mehr von ihren potenziellen Arbeitgebern fordern. Selbstbewusst formulieren sie ihre Wünsche schon im Bewerbungsgespräch.

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So lebt und denkt die Generation Y

Sie lehnen Karriere um jeden Preis ab. Dagegen spielt Zeit für Freunde und Familie eine wichtige Rolle. Diesen Trend gibt es in ganz Europa. Das Berliner Beratungsinstitut Trendence befragte 320.000 Hochschulabsolventen nach ihren Prioritäten. Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise wollten die Jungakademiker im Schnitt weniger Zeit bei der Arbeit verbringen. Der Job solle vor allem die persönliche Entwicklung fördern, so das Ergebnis.

Hohe Leistungsbereitschaft

Damit dies gewährleistet ist, verlangt die "Generation Y" Selbstverwirklichung im Berufs- und Privatleben, stellt auch die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) fest. Sie macht den Firmen aber auch Mut. Wenn die Rahmenbedingungen gegeben seien, leiste diese Generation viel - faul ist sie also nicht.

Alexander Schneider, bei der Deutschen Post DHL zuständig für die Berufsausbildung, weiß, wie große Konzerne und kleine Firmen der "Generation Y" entgegenkommen können: "Große Unternehmen haben Möglichkeiten, Angebote wie Kinderbetreuung oder Fitnesstraining anzubieten." Wichtig sei jedoch auch die familiäre und persönliche Atmosphäre in einem Unternehmen. Und dies könnten auch kleinere Firmen leisten.

Ein Mann legt seinen Kopf vor einem Computer ab (Foto: Peter Atkins)

Die "Generation Y" will nicht bis zum Burn-out arbeiten

Gegen Erschöpfung durch Arbeitsdruck

Allerdings sind die Mitglieder der "Generation Y" auch sehr unterschiedlich. "Natürlich kann in Zeiten von zunehmender Individualisierung schon lange nicht mehr von einer einheitlichen Generation gesprochen werden", sagt Jutta Rump. "Aber Unternehmen brauchen Generationencluster, um ihre Zielgruppen spezifischer ansprechen zu können." Der kleinste gemeinsame Nenner einer Generation werde so zum Anhaltspunkt für Personalpolitik.

Was viele der heute 20- bis 30-Jährigen eint: Sie haben bei ihren Eltern erlebt, dass zu viel Arbeit auch krank machen kann. Zunehmende Erschöpfung durch den Arbeitsalltag, oft als Burn-out betitelt, ist für sie ein abschreckendes Beispiel für eine mangelnde Work-Life-Balance. So bezeichnet man das Verhältnis von Arbeit und Freizeit. "Eigentlich ist der Begriff Work-Life-Balance für diese Generation schon falsch, denn darin steht das Wort für Arbeit an erster Stelle - genau das wollen sie nicht", sagt Generationenexperte Ralf Overbeck.

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