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Bildung

Mehr Frauen für die Wissenschaft!

Immer mehr Frauen studieren in Deutschland. Doch eine steile wissenschaftliche Karriere als Professorin machen nur wenige. Förderprogramme sollen das ändern. Und erste Erfolge geben den Projekten Recht.

Um in der Wissenschaft Karriere zu machen, braucht es mehr als Zielstrebigkeit, Fleiß und Kompetenz: Man muss das, was man kann, auch zeigen. Und das scheint insbesondere Frauen schwer zu fallen. Jura-Professorin Astrid Wallrabenstein hat dies im Laufe ihrer Uni-Karriere häufig beobachtet. "Je weiter es im Studium vorangeht, desto unterschiedlicher wird das Auftreten von Männern und Frauen", sagt sie.

Die heute 42-jährige Professorin, die schon lange selbst Seminare und Vorlesungen hält, glaubt, dass sich Männer und Frauen zu Beginn des Studiums noch ähnlicher sind. Dass sie sich gleich oft melden, gleich viel mitdiskutieren, sich gleich gut oder schlecht präsentieren. Doch das ändert sich aus Sicht der Juristin mit der Zeit. Während die Männer ihr Wissen und ihre Kompetenzen konsequent zeigen, halten sich viele Frauen bescheiden zurück.

Bilderbuchkarriere bis hin zur Professur

Astrid Wallrabenstein, Jura-Professorin an der Goethe-Universität in Frankfurt (Foto: Goethe-Universität Frankfurt)

Professorin Astrid Wallrabenstein

Astrid Wallrabenstein dagegen hat ihr Licht nicht unter den Scheffel gestellt - und eine Bilderbuchkarriere gemacht. Nach dem Jura-Studium folgten Staatsexamen und Promotion, dann die wissenschaftliche Mitarbeit und Habilitation an der Uni Gießen. Schließlich bekam sie die Professur an der Goethe-Universität Frankfurt am Main - mit Zwischenstopp an der Uni Bielefeld.

Auf ihrem Karrierewege wurde Wallrabenstein von "ProProfessur" unterstützt, einem Programm, das Wissenschaftlerinnen hin zur Professur begleitet. Ihr habe das Projekt sehr dabei geholfen zu überdenken, was mit dem Job der Professorin eigentlich alles verbunden sei, erzählt die Juristin. "Zum Beispiel, wenn es um mein Auftreten bei den Berufungsverfahren geht." In Bewerbungstrainings hat sie gelernt, freundlich, aber selbstbewusst und überzeugend zu sein. Auch ihr Auftreten im Kollegenkreis und ihre Führungsqualitäten wurden im Programm thematisiert. "Ich weiß jetzt, wie ich mit all den Anforderungen, die da auf mich zukommen, umgehen kann."

Zu viele Frauen gehen der Wissenschaft verloren

Studentinnen an der Goethe-Universität in Frankfurt (Foto: Goethe-Universität Frankfurt)

Im deutschen Wissenschaftsbetrieb brauchen Frauen Unterstützung

Noch heute profitiert die 42-Jährige von ihren Erfahrungen mit "ProProfessur". Wenn sie eine Tagung organisiert, lädt sie bewusst Fachfrauen ein, statt das Wort allein den männlichen Experten zu überlassen. "ProProfessur" wird an den fünf Universitäten im Bundesland Hessen angeboten. Das sei auch nötig, meint Astrid Franzke, die das Programm an der Goethe-Universität Frankfurt leitet. Denn im deutschen Wissenschaftsbetrieb brauchen Frauen Unterstützung. "Auf dem Weg hin zu den Spitzenpositionen gehen noch zu viele sehr hoch qualifizierte Frauen dem Wissenschaftsbetrieb verloren."

Grund dafür ist nach Ansicht Franzkes nicht nur das Verhalten der Frauen, die ihre Karriere zu wenig vorantreiben. Es ist auch das Wissenschaftssystem selbst. "Es ist ein Arbeitsfeld, in dem man 150 Prozent präsent sein muss, flexibel, mobil in alle Richtungen", beobachtet Franzke. Insofern sei es wichtig, dass den Frauen Unterstützung in Form von Netzwerken angeboten werde. "Noch immer werden Wissenschaftlerinnen auf ihrem Karriereweg nicht so gefördert wie ihre männlichen Mitbewerber", kritisiert die Projektleiterin.

Nicht von den "Jungs-Netzwerken" einschüchtern lassen

Genau das wollen Frauenförderprogramme an deutschen Universitäten ändern. An der Goethe-Uni in Frankfurt setzt sich das Gleichstellungsbüro schon lange dafür ein, den Frauenanteil zu erhöhen. Neben kleineren Projekten wie "ProProfessur" gibt es auch solche, die mit finanziellen Mitteln hochqualifizierte Frauen in die Professur holen, wie das "Professorinnenprogramm" des Bundesbildungsministeriums.

Seit seinem Start im Jahr 2008 flossen 150 Millionen Euro in das Programm, um damit bis zu 140 Stellen für Spitzenforscherinnen zu schaffen und die Gleichstellung an den Hochschulen voranzubringen.

Audio anhören 06:16

"Die Gleichstellungsstrukturen in den Hochschulen sind durch das Professorinnen-Programm verbessert worden"

Das Programm habe dazu beigetragen, dass sich der Frauenanteil bei den Professorenstellen in den vergangenen zwölf Jahren deutschlandweit von zehn auf 20 Prozent erhöht hat, sagt Projektleiterin Christina Hadulla-Kuhlmann.

Die gezielte Frauenförderung im deutschen Wissenschaftsbetrieb findet Astrid Wallrabenstein notwendig und richtig. Doch den Wissenschaftlerinnen, die ihrem Karriereweg folgen wollen, rät sie vor allem, sich nicht von den sogenannten "Jungs-Netzwerken" einschüchtern zu lassen. "Frauen sollten unbedingt ihr eigenes Netzwerk gründen und sich gegenseitig unterstützen", meint die Jura-Professorin.

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