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Kultur

Mehr Frauen braucht der Film

An Nachwuchs mangelt es nicht, trotzdem ist die Filmbranche weitgehend eine Männer-Domäne. Das Internationale Frauenfilmfestival soll das ändern, sagt Silke J. Räbiger, die das Programm gestaltet.

Silke J. Räbiger war schon bei einem der ersten deutschen Frauenfilmfestivals 1987 in Dortmund mit dabei. Seit dem hat sich viel verändert: Frauenfilmfestivals sind professioneller geworden, weniger feministisch und auch Männer dürfen sich die Filme ansehen. Mittlerweile ist Räbiger die künstlerische Leiterin des größten Festivals dieser Art in Deutschland, dem Internationalen Frauenfilmfestival, das zurzeit in Köln stattfindet.

Deutsche Welle: Frau Räbiger, ist die Film-Branche eine Macho-Branche?

Silke J. Räbiger: Ja, sie ist in vielen Teilen sehr männlich dominiert. Wir haben sehr viele Frauen im Bereich Drehbuch. Das liegt vielleicht auch daran, dass das eine Tätigkeit ist, die man auch von Zuhause und mit freier Zeitgestaltung erledigen kann. Aber wir haben zum Beispiel wenige Frauen im Bereich der Bildgestaltung, so gut wie gar keine Frauen im Bereich Beleuchtung. Beim Ton gibt es auch wenige Frauen und mittlerweile sogar im Bereich Editing. Im Schnitt ebenfalls, seitdem die digitale Technologie Einzug gehalten hat. Das war früher eine weibliche Domäne, aber seit der elektronische Schnitt wieder auf dem Vormarsch ist, gibt es einfach mehr Männer dort.

Silke Räbiger, Leiterin des internationalen Frauenfilmfestivals Köln / Dortmund (Foto: Guido Schiefer)

Silke Räbiger, künstlerische Leitung des Internationalen Frauenfilmfestivals 2012

Warum ist es Ihnen wichtig, dass die Frauen dort aufholen?

Es fehlt etwas – künstlerisch fehlt etwas, wenn sozusagen die Hälfte der Menschheit ihr Bild von der Welt im Kino nicht zeigen kann.

Worin unterscheiden sich denn Filme von Männern und Frauen?

Ich denke, dass Frauen sehr viel öfter Frauen als Protagonistinnen in ihren Filmen haben. Was nicht heißt, dass Männer Frauen nicht wunderbar in Szene setzen oder die Perspektive von Frauen inszenieren können. Aber es ist in der Tat so, dass Frauen sehr viel öfter Protagonistinnen haben.

Es ist ja auch so ein beliebtes Spiel: Man guckt sich die Berlinale an, man guckt sich die Oscar-Preisverleihung an und dann zählt man durch: In wie vielen Filmen haben wie viele Frauen mehr als drei Sätze miteinander gewechselt, in denen es nicht nur um Männer oder Kinder oder Küche ging – das ist verschwindend gering.

Szene aus dem Film Mommy Is Coming aus der Festival-Rubrik begehrt! filmlust queer. Foto: 2012 Jürgen Brüning Filmproduktion / Emilie Jouvet

Szene aus dem Film "Mommy Is Coming" aus der Festival-Rubrik "begehrt! filmlust queer".

Es kommt da aber noch eine andere Dimension rein. Ich würde nicht nur den Unterschied machen zwischen Frauen und Männern – es geht nicht immer nur um das biologische Geschlecht, sondern es geht natürlich auch immer um gesellschaftliche Rollenzuschreibungen. Also Filme aus dem queer-feministischen Bereich oder aus dem LGBT-Bereich (Lesbian, Gay, Bisexual und Trans, Anm. d. Redaktion) sind einfach noch zu selten hier auf der Leinwand zu sehen. Sie haben eine ganz eigene Filmsprache, eine ganz eigene Konnotationen, eigene Bilder. Das alles fällt im Mainstream und im gängigen Kino einfach weg. Wir versuchen das in das Festival rein zu holen, zu zeigen und immer wieder zur Diskussion zu stellen.

Seit dem ersten Frauenfilmfestival 1984 in Köln hat sich gesellschaftlich viel verändert, aber noch immer gibt es das Internationale Frauenfilmfestival - es wird also Ihrer Meinung nach immer noch gebraucht?

Ja leider – sehr zu unserem Bedauern. Als wir irgendwann einmal anfingen, haben wir immer gedacht, es könnte ein Auslaufmodell werden, das ist es ja nun leider nicht. Es hat sich, das ist dann schon bitter, zu sehen, nicht wirklich etwas geändert. Man kann nicht sagen, es hat sich gesellschaftlich gar nichts geändert – wir haben unter anderem sehr viel mehr weibliche Studierende an den Hochschulen in den unterschiedlichsten Bereichen, aber wir finden sie dann einfach im Berufsleben nicht wieder.

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