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Kultur

Mehr Einsatz für eine gerechtere Gesellschaft

Papst Franziskus steht für Bescheidenheit und Nähe zum Menschen. Seine Botschaft wurde auch beim Katholikentag in Regensburg aufgenommen, wo soziale Verantwortung auf vielfache Weise zum Thema wurde.

Zum 99. Deutschen Katholikentag haben viele ihre Stimme erhoben, geistliche Würdenträger, Vertreter kirchlicher Laiengruppen und zahlreiche Politiker. Bei vielem, was sie vertreten, scheint Papst Franziskus richtungsweisend zu sein.

Mit Christus Brücken bauen" lautet das diesjährige Motto des Katholikentages. Daran knüpfte Franziskus an und rief in einem nach Regensburg gerichteten Grußwort die Besucher auf, Brückenbauer für den Frieden zu werden. Wichtig sei es dabei, "die Sorgen der Ränder - seien es die der Gesellschaft, seien es die der Religion oder der menschlichen Beziehungen - nicht außer Acht zu lassen".

Regensburgs Bischoff Rudolf Voderholzer auf dem Katholikentag in Regensburg 29.05.2014

Bischof Voderholzer: Geht zu Kranken, Gemobbten und Flüchtlingen

Auch in Regensburg wurde zu mehr Aufmerksamkeit, Mitgefühl und sozialem Engagement aufgerufen, mit jeweils unterschiedlichen Akzenten: In der Messe zum Fest Christi Himmelfahrt "appellierte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer an die Gläubigen, nicht zu viele kirchliche Sitzungen halten, sondern zu Kranken, Gemobbten und Flüchtlingen zu gehen. Auch in Schulen, Universitäten, Medien, demokratischen Parteien und in der Industrie seien kompetente Christen gefordert, so Voderholzer. In der Wirtschaft müssten Christen sich dafür einsetzen, dass "die Kluft zwischen Arm und Reich zumindest gemildert werden kann". Auch Bamberger Erzbischof Ludwig Schick rief zum sozialen Einsatz auf. In der katholischen Kirche in Deutschland müssten Laien mehr Verantwortung in der Seelsorge, im Beruf und beim gesellschaftlichen Engagement übernehmen, sagte Schick.

Bundespräsident Gauck auf dem Katholikentag in Regensburg

Gauck: Der Papst brauche die Stimme seines Gottesvolkes

Bundespräsident Joachim Gauck ging noch einen Schritt weiter und kritisierte in seiner Rede auf dem Katholikentag eine "grassierende Gleichgültigkeit". Viele Menschen dächten, dass sich Demokratie, Freiheit oder Glück ohne eigenes Zutun "einfach ereignen", so das Staatsoberhaupt. Gauck ermunterte die katholischen Christen, sich in die Debatte über die Zukunft ihrer Kirche einzubringen. Nirgendwo stehe geschrieben, dass der heilige Geist nur in Bischöfen weile, sagte der Bundespräsident während einer Podiumsdiskussion in Regensburg. Papst Franziskus brauche "die starke Stimme seines Gottesvolkes."

Der Münchener Kardinal und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Marx knüpfte selbstkritisch an den Wunsch von Papst Franziskus nach einer "armen Kirche für die Armen" an. Dieser Wunsch ist seiner Meinung nach eine "heilsame Provokation für eine verbürgerlichte Kirche". Zugleich verteidigte der Kardinal auf dem Katholikentag das Anliegen einer soliden Vermögensvorsorge der Kirche. Gesellschaftskritisch zeigte sich Reinhard Marx mit seinem Zweifel am derzeit praktizierten Kapitalismus. "Wir brauchen eine Wirtschafts- und Gesellschaftsform, die um den Menschen herum aufgebaut ist und nicht um das Kapital", sagte der Erzbischof. Ihm bereite Sorge, dass die Erträge aus Kapital diejenigen aus Arbeit überstiegen. Ähnlich äußerte sich der CDU-Politiker Heiner Geißler. Er forderte von der katholischen Kirche mehr Engagement für soziale Gerechtigkeit. Gemäß dem Motto des Regensburger Katholikentags solle sie Brücken bauen zu den Milliarden Menschen, die unter der Ungerechtigkeit des kapitalistischen Wirtschaftssystems leiden, sagte er in einem Zeitungsinterview.

Katholikentag in Regensburg Jugendliche auf dem Rollstuhl-Parcours

Andere verstehen: Kinder lernen die Perspektive von Behinderten auf einem Rollstuhl-Parcours

Die Bedeutung sozialer Verantwortung für Menschen am Rande der Gesellschaft unterstrich auch eine in Regensburg vorgestellte Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit. Jeder fünfte Jugendliche in Deutschland lebt laut dem "Monitor Jugendarmut" in Armut oder ist von Armut bedroht. Die Autoren der Studie fordern eine gesetzliche Verankerung der Ausbildungsgarantie, mehr Hilfen bei der Ausbildung von Jugendlichen und eine Verbesserung der Grundsicherung für junge Menschen.

gb/sd (dpa,kna,epd)