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Wirtschaft

Mehr Chancen als Risiken: Der Mittelstand und die Globalisierung

Der deutsche Mittelstand ist international überdurchschnittlich stark engagiert. Die Globalisierung bietet große Chancen, doch sie erhöht auch den Druck auf die Unternehmer. Die Bundesregierung will helfen.

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Familienunternehmen in Deutschland Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell

Mein Haus: Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell

Ob Faber-Castell mit seinen Schreibgeräten und Stiften oder die Spielzeughersteller Big und Playmobil: Es gibt sie, deutsche Mittelständler, die innovativ und technologisch führend sind, ihre Kunden und deren Bedürfnisse kennen, der Konkurrenz immer einen Schritt voraus sind und auf dem Weltmarkt die Nase vorn haben. Doch das gilt bei weitem nicht für alle Mittelständler. "Wir haben den Eindruck, dass das größenabhängig ist: Je kleiner desto ängstlicher und je größer desto konsequenter auch auf den Märkten der Welt zuhause", sagt Hartmut Schauerte, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Rückgrat der Wirtschaft

Der Mittelstand wird oft als Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet und das nicht zu Unrecht. Immerhin sind 70 Prozent aller deutschen Arbeitnehmer bei kleinen und mittleren Unternehmen beschäftigt. Mittelständler, das sind Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis 50 Millionen Euro und weniger als 500 Mitarbeitern. Die meisten Betriebe sind allerdings deutlich kleiner: Rund 80 Prozent von den insgesamt 3,5 Millionen kleinen und mittleren deutschen Unternehmen (KMU) beschäftigen weniger als 10 Mitarbeiter.

Für sie ist die Globalisierung eine echte Herausforderung. Einer Studie der KfW-Bankengruppe zufolge sind deutsche Mittelständler im europäischen Vergleich aber bereits überdurchschnittlich stark international engagiert. Jeder vierte Mittelständler exportiert seine Waren bereits ins Ausland und das wirkt sich auch auf den Umsatz aus, wie KfW-Vorstandssprecher Hans Reich deutlich macht: "Nach unseren Schätzungen erzielt ein deutsches KMU durchschnittlich 17 Prozent seines Umsatzes im Ausland", sagt Reich. "Für die EU-15 wurde diese Exportquote im Jahr 2002 hingegen auf lediglich 12 Prozent geschätzt."

Steigende Auslandsinvestitionen

Zwei Drittel seiner Exporte liefert der deutsche Mittelstand in die EU, die damit wichtigster Absatzmarkt ist. Doch nicht nur die Exportquote ist höher als gedacht, auch die direkten Auslandsinvestitionen sind in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Durchschnittlich 2,5 Millionen Euro investieren mittelständische Unternehmen derzeit im Ausland, in erster Linie, um neue Absatzmärkte zu erschließen, erklärt Reich. Der Umbruch in Mittel- und Osteuropa habe diesen Trend deutlich beschleunigt. "Insbesondere für die mittelständische Zulieferindustrie wurde die Errichtung eigener Produktionsstätten in der Nähe der Endprodukthersteller zur Überlebensfrage. Konsequenz: Sie mussten ihren Großkunden ins Ausland folgen."

Tatsächlich sind die Länder Mittel- und Osteuropas nach den Kernländern der EU die wichtigste Zielregion für Direktinvestitionen. Knapp dreißig Prozent aller mittelständischen Auslandsinvestitionen gehen in diese Region, das ist das Zehnfache dessen, was die gesamte deutsche Wirtschaft in Mittel- und Osteuropa investiert. "Mittel- und Osteuropa ist für die deutsche Wirtschaft - ich überzeichne das jetzt einmal - Fluch und Segen zugleich", sagt Reich. So würden zwar Arbeitsplätze dorthin verlagert, aber die Unternehmen bekämen billigere Vorprodukte. "Zweitens schaffen wir dort Einkommen, das dann auch Nachfrage nach deutschen Produkten erzeugen wird. Und wir integrieren Mittel- und Osteuropa sehr viel stärker in das deutsche Wirtschaftsgeschehen, als das irgendein anderes europäisches Land nur kann und tut."

Clusterbildung als Strategie

In der Hoffnung, qualifizierte Arbeitsplätze in Deutschland zu halten, will die Bundesregierung auslandsorientierte Mittelständler in Zukunft deutlicher fördern. Bürgschaften, wie beispielsweise Hermes-Deckungen, spielen eine immer größere Rolle. Das Jahresbudget für Bundesgarantien wurde auf 2,5 Milliarden Euro erhöht. Hoffnung setzt der Parlamentarische Staatssekretär Schauerte auch in die so genannte Clusterbildung. Kleine Unternehmen werden ermuntert, ihren Auslandsauftritt und auch den Vertrieb gemeinsam zu organisieren. Auch die Messeförderung des Bundes wird weiter ausgebaut. "Wir werden 265 Messen und Ausstellungen im Ausland finanziell unterstützen", sagt Schauerte. "Ich glaube, dass wir bei dem Thema Weltmeister sind. Wir legen großen Wert darauf, dass dabei insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen beteiligt werden."

Angesichtes der Tatsache, dass sich die Globalisierung in unverändertem Tempo fortsetzen wird, geht KfW-Chef Reich davon aus, dass immer mehr deutsche Mittelständler Geschäfte im Ausland machen werden. Wenn es dem Mittelstand weiterhin gelinge, seine Konkurrenzfähigkeit durch stärkere Spezialisierung und durch Investitionen in innovative Produkte auszubauen, dann sei er in einer sehr guten Position, um von der Globalisierung zu profitieren.

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