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Kultur

Mehr bieten als Schlösser und Sauerkraut

Gerade ging ein zweijähriger Kulturaustausch mit Russland zu Ende, jetzt schweift der Blick nach Japan. Dank des Deutschland-Jahres in Japan sollen sich besonders junge Japaner für deutschen Zeitgeist interessieren.

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Sauerkraut und Knödel: In Japan oft Sinnbild für deutsche Kultur

"Wir wollen erreichen, dass die Japaner die Deutschen mal genauer unter die Lupe nehmen", sagte Andreas Göbel, Sprecher der japanischen Botschaft in Berlin. Er bezieht sich auf die Veranstaltungen des Deutschland-Jahres in Japan, das am 4.4.2005 beginnt und bis zum Frühling 2006 dauern wird.

In Sachen zeitgenössische deutsche Kultur haben die Japaner Nachholbedarf. Ältere Menschen zeichnen ein sentimentales Bild von Deutschland als Heimatland der Schlösser, des Sauerkrauts und des Mercedes. Jüngere Jahrgänge dagegen wüssten - wenn überhaupt - so gut wie nichts über Deutschland, sagte Harald Conrad, Direktor des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokio.

Zielgruppe Jugendliche

Durch den Kulturaustausch soll das Interesse Jugendlicher an Deutschland geweckt werden - wie schon beim deutsch-russischen Kulturaustausch 2003/2004 versucht. "Wir wollten, dass sich die Menschen für Deutschland interessieren", resümiert Cord Meier-Klodt, Sprecher der deutschen Botschaft in Moskau. Deshalb fanden Rockkonzerte und andere jugendgerechte Veranstaltungen statt: Eine Fotoausstellung mit dem Thema "Love Parade" sollte vor allem Jugendliche aus ländlichen Gegenden ködern.

Bundeskanzler Schröder in Tokio

Kanzler Schröder bekam im Dezember 2004 Einblicke in die japanische Kultur

Ähnlich soll es in Tokio und anderen japanischen Städten ablaufen. Anhand von Fußball, Musik und Mode wird den Japanern Einblick in deutschen Lebensstil gewährt.

Wirtschaft steht bereit

Ein Austausch soll Menschen zusammenbringen. Aber es geht auch um Geld und das Auftreten der teilnehmenden Unternehmen. Für sie gilt es, die Geschäftsbeziehungen zum weltweit drittgrößten Wirtschaftsraum auszubauen.

"Eine Verbesserung des deutschen Gesamtbilds wird für die Firmen, die hier arbeiten, positive Effekte haben", hofft Conrad. Die meisten deutschen Unternehmen in Japan seien im Finanzsektor tätig und blieben der japanischen Öffentlichkeit daher weitgehend verborgen.

Italienische und französische Firmen machten es erfolgreich vor: Sie werteten ihr Image in Japan auf, indem sie frühere Austauschprogramme finanziell unterstützten.

Doch manche Leute lehnen gerade wegen des Einflusses der Unternehmen einen Kulturaustausch zugunsten anderer Formen des internationalen Dialogs ab.

Japanische Fussballfans bei der WM 2002

Fußball als Mittel zur Völkerverständigung bei der WM 2002

"Ich verstehe, dass die Regierungen beschränkte Möglichkeiten haben, um die internationalen Beziehungen zu verbessern, aber nur eine Reihe nationaler Veranstaltungen scheint nicht Erfolg versprechend", sagt Andreas Johannes Wiesand vom deutschen Zentrum für Kulturforschung. "Wir müssten den Austausch mehr auf ein europäisches Level heben."

Zuviel des Guten?

Neben Japan wird Deutschland sich 2005 mit Norwegen, Polen und dem asiatisch-pazifischen Raum kulturell austauschen. Die Europäische Union betreibt mit Japan 2005 ein Jahr lang ebenfalls einen Kulturaustausch. Damit das ganze Ausgetausche das öffentliche Interesse nicht im Keim erstickt, will das deutsche Außenministerium mit den verschiedenen Programmen unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.

Angesichts der knappen finanziellen Ressourcen und der gemeinsamen Ziele für eine Region sollten die europäischen Politiker stärker zusammenarbeiten, fordert Peter Theiner, Bereichsleiter der Abteilung Völkerverständigung bei der Robert-Bosch-Stiftung. "Ich glaube, es kann gar nicht zuviel Austausch geben." Bilaterale Beziehungen entwickelten sich besser, wenn sie Teil einer größeren, multilateralen Anstrengung seien.

Die Arbeit geht weiter

Mit dem Ende eines Austauschs endet nicht die Arbeit der Diplomaten, die das zeitgenössische Deutschland in der Welt präsentieren. So will die deutsche Botschaft in Moskau Kultur- und Informationszentren bauen. Und auch die Teilnehmer am japanischen Programm hoffen, dass ihre Arbeit langfristig Früchte trägt.

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