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Asien

Mehr Arbeitsschutz für Textilarbeiter gefordert

Die Arbeitsbedingungen für Textilmitarbeiter in Kamboscha bleiben nach wie vor sehr schlecht. Überstunden, Kinderarbeit und Einschüchterungsversuche bleiben auf der Tagesordnung, kritisiert Human Rights Watch.

Textilarbeiterin in Kambodscha (AFP)

Textilarbeiterin in Kambodscha

"Wir mussten 80 Kleidungsstücke in der Stunde schaffen", berichtet Kunthea (Name von der Redaktion geändert), "jetzt stieg zwar der Mindestlohn, aber auch die Anforderungen. Wir müssen jetzt 90 in der Stunde schaffen. Wir sind wie Sklaven. Keine Arbeitnehmer."

Kunthea ist eine der 340 Textilarbeiter, die die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) im April 2014 interviewt hat. In dem Bericht, der am Donnnerstag (12.03.2015) erschienen ist, bezeichnet HRW die Umsetzung der Arbeitsgesetze in dem südasiatischen Land als "unzufriedenstellend". Die Markenhersteller aus dem Westen hätten zudem "bei Überwachung und Aufsicht versagt".

(Arcihv) Textilarbeiter fordern mehr Gesundheitsschutz. (Foto: AFP)

(Arcihv) Textilarbeiter fordern mehr Gesundheitsschutz

In den 73 Fabriken in der Hauptstadt Phnom Penh und den umliegenden Provinzen, seien den Arbeitnehmern nur illegale Kurzzeitverträge angeboten worden. Eine weit verbreitete Praxis. So könnten die Arbeitgeber etwa schwangeren Frauen Leistungen während des gesetzlich vereinbarten Mutterschutzs verweigern. Kleinere Fabriken, die den größeren, auf den Export spezialisierten Firmen zuliefern, beschäftigen Mitarbeiter nur nach Bedarf. Die Arbeitnehmer haben es sehr schwer, sich für ihre Rechte einzusetzen, da sie sonst den Job verlieren", schlussfolgert die Menschenrechtsorganisation.

Schlüsselbranche

Die Textilindustrie macht in Kambodscha mit einer jährlichen Wertschöpfung von fünf Milliarden Dollar fast ein Drittel des gesamten Bruttoinlandsprodukts aus. Nach einer Statistik der lokalen Behörde sind mehr als 700.000 Menschen in 1.200 Fabriken beschäftigt, davon 90 Prozent Frauen. "Zählt man alle Arbeitsplätze im weiteren Umfeld der Branche wie Spediteure, Hafenarbeiter oder Bauarbeiter zusammen", so Zachary Abza, unabhängiger Südasien-Experte, "sind mehrere Millionen Menschen von der Textilindustrie abhängig." Kambodscha hat insgesamt 16 Millionen Einwohner.

Mit der Erhöhung des Mindestlohns müssen die Arbeiter auch mehr in der Stunde leisten. (Foto: AFP)

Mit der Erhöhung des Mindestlohns müssen die Arbeiter auch mehr in der Stunde leisten

Mit einem neuen Gesetz hatte die Regierung Anfang 2014 den Mindestlohn von 80 auf 128 Dollar im Monat erhöht. Allerdings hatten die Gewerkschaften 140 Dollar gefordert. Die Gewerkschaften hätten bisher nur über Gehaltserhöhungen verhandelt, erläutert Gregory Poling vom amerikanischen Center for Strategic and International Studies (CSIS). Er müsse nun befürchtet werden, dass die Arbeitgeber aufgrund der Tariferhöhung die Kosten woanders einsparen und sich die Arbeitsbedingungen verschlechtern könnten.

Menschenunwürdige Bedingungen

HRW berichtet, dass die Textilarbeiter keine Zeit hätten, um die Toilette aufzusuchen, zu essen und zu trinken oder eine Pause zu machen. Es gebe außerdem erzwungene Überstunden. Die Autoren der HRW-Studie gehen davon aus, dass dies auf die Tariferhöhung zurückzuführen sei.

(Arvchiv) Streiks werden von der Polizei brutal beendet. (Foto: AFP)

(Arvchiv) Streiks werden von der Polizei brutal beendet

Gegenüber den westlichen Auftraggebern werden ebenfalls schwere Vorwürfe erhoben. Es sei ihnen nicht gelungen, so die Autoren, gegen die "illegale" Kurzzeitverträge in der Zulieferindustrie vorzugehen. "Die Textilkonzerne können und sollen mehr tun, um die Umsetzung der vertraglichen Regeln mit den Zulieferern in Bezug auf Arbeitsschutz sicherzustellen", fordert Aruna Kashyap von der Human Rights Watch.

Sie glaubt, dass es eine effektvie Methode sein könnte, die Fabriken, in denen der Arbeits- und Gesundheitsschutz unzureichend ist, mit Namen und Adresse zu veröffentlichen. Außerdem sollen die westlichen Konzerne verstärkt die Zulieferunternehmen kontrollieren, sagt Kashyap.

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