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Kultur

Mehr Arbeiten, mehr Ausgaben

Das Deutsche Studentenwerk hat am Freitag in Berlin seine neueste Sozialerhebung vorgestellt. Die Studie bildet die wirtschaftliche und soziale Lage der Studenten ab. Sie zeigt auch die Auswirkungen der Studiengebühren.

Studenten protestieren gegen die Bologna-Reformen (Foto: dpa)

Studenten protestieren gegen die Bologna-Reformen

Auf den ersten Blick sieht es im Portemonnaie der Studenten gut aus: Mit 812 Euro haben sie mehr Geld zur Verfügung als im Jahr 2007, in dem die letzte Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks vorgestellt wurde. Allerdings zeigt die Studie auch, dass viele Studenten in Deutschland mit deutlich weniger Geld auskommen müssen. Jeder Fünfte hat nur 600 Euro oder weniger pro Monat zur Verfügung.

Um ihr Leben zu finanzieren, müssen die Studenten kreativ sein. Denn sie brauchen einen Mix aus mehreren Quellen. Das meiste Geld erhalten die Studenten mit 445 Euro pro Monat von ihren Eltern – allerdings ist der Anteil der Eltern an der Studienfinanzierung das erste Mal seit 1991 gesunken: "Das zeigt uns, das die Eltern an ihrer Belastungsgrenze angekommen sind", sagt Rolf Dobischat, Präsident des Deutschen Studentenwerks.

Finanzspritze der Eltern reicht nicht aus

Studenten hören eine Vorlesung (Foto: AP)

Erst im Hörsaal Hirnarbeit leisten, danach jobben für die Miete

Mit dem Geld der Eltern allein kommen viele Studenten ohnehin nicht aus. Zwei von drei Studenten arbeiten nebenbei und verdienen damit im Schnitt 323 Euro pro Monat. Und etwas weniger als ein Drittel hat Anspruch auf das Bundesausbildungsförderungsgesetzt (BAfög) – eine staatliche Förderung, die sich vor allem an Studenten richtet, die aus ärmeren Elternhäusern stammen. Im Schnitt erhalten sie 430 Euro pro Monat – 54 Euro mehr als noch drei Jahre zuvor. Grund dafür ist des BAfög zum Wintersemester 2007/08 – die erste seit vielen Jahren: "Durch die Erhöhung haben die Studenten zwar mehr Geld in der Tasche", sagt Rolf Dobischat, "aber es sind nicht mehr BAfög-Empfänger dazu gekommen."

Ungleiche Bildungschancen

Das ist deshalb besorgniserregend, weil in Deutschland die Chance auf Bildung nach wie vor vererbt wird. Traditionell schaffen es Arbeiterkinder seltener an die Universität als Kinder aus Akademikerhaushalten. Die Gründe dafür liegen schon im dreigliedrigen Schulsystem – nach der Grundschule werden die Kinder auf die Schulformen Hauptschule, Realschule und Gymnasium verteilt. Dabei landen viele Arbeiterkinder auf der Hauptschule. Eine Selektion, die sich bis zum Hochschulabschluss fortsetzt.

Zum ersten Mal konnten in der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks die neuen Studiengänge Bachelor und Master berücksichtigt werden, die in Deutschland die traditionellen Diplom- und Magister-Abschlüsse ablösen. Seit der Reform müssen die Hochschulen viel Kritik einstecken: Massenweise ziehen Studenten und Schüler auf die Straße, um gegen die Reform zu protestieren, gerade in dieser Woche gab es neue Streiks.

Master gehen später oder gar nicht ins Ausland

Studentenproteste gegen Master und Bachelor (Foto: Sven Näbrich)

Masterstudenten gehen seltener ins Ausland

Tatsächlich zeigt die Reform ihre Wirkung – wenn auch anders als geplant. Gesunken ist etwa die Mobilität der Studierenden. In den traditionellen Studiengängen mit den Abschlüssen Magister und Diplom haben 32 Prozent der Studenten einen Auslandsaufenthalt absolviert, in den neuen Bachelor-Studiengängen sind es nur 16 Prozent. Allerdings sagen 29 Prozent der Studenten, dass sie einen Auslandsaufenthalt planen – offenbar verschieben sie den Zeitpunkt dafür aber auf die Zeit nach dem Bachelor. Und das, obwohl das Studium mit den neuen Abschlüssen eigentlich internationaler werden sollte.

Kurz bevor die Ergebnisse der Studie vorgestellt wurden, hat die Bundesregierung Neuerungen bei der Studienfinanzierung verkündet. Zum kommenden Wintersemester wird der Bafög-Satz erneut erhöht, von 648 auf 670 Euro. Außerdem sollen mehr Studenten BAfög bekommen, weil die Einkommensgrenzen gelockert wurden.

Die Erhöhung wurde gut aufgenommen. Für weniger Begeisterung sorgt aber ein nationales Stipendiensystem, das in dieser Woche ebenfalls von der Bundesregierung auf den Weg gebracht wurde. Insgesamt sollen 600 Millionen Euro in das neue Stipendienprogramm fließen. Je 150 Millionen Euro zahlen der Bund und die Länder, die restlichen 300 Millionen Euro sollen die Hochschulen von Unternehmen, Privatpersonen oder ehemaligen Studenten einwerben. Für Bundesbildungsministerin Annette Schavan sind BAfög und Stipendien zusammen "die Kernelemente einer modernen Studienfinanzierung, die sich gegenseitig ergänzen".

Stipendien nur für Reiche?

Studentenvertreter befürchten aber, dass mit den Stipendien vor allem die Studenten gefördert werden, die ohnehin privilegiert sind. Denn die Vergabe der Stipendien erfolgt nach Leistung, also etwa nach guten Noten. Und das sind oft die, die von ihren Eltern viel Geld bekommen – also gar nicht unbedingt auf das Geld angewiesen sind. Einige Hochschulvertreter nannten das Modell "von vorne bis hinten purer Schwachsinn", die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sprach von "einem kleinen Taschengeld für eine Extra-Elite". Und die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeber hält es für "überzogen", dass Unternehmen 300 Millionen Euro beisteuern sollen.

Autorin: Britta Mersch

Redaktion: Sabine Oelze

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