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Bildung

Mehr als nur Sprachunterricht

Sprachen lernen via Skype? Ein Sozialunternehmer macht’s möglich. Mit seiner Internet-Plattform Glovico können sich Muttersprachler in Entwicklungsländern etwas dazu verdienen. Ein Konzept mit wachsendem Erfolg.

Ulrike Trüstedt beim Glovico-Unterricht mit Julio Gomez (Foto: DW/von Canstein)

Ulrike Trüstedt lernt mit Glavico Spanisch

Es ist fünf Uhr nachmittags in München, die Kulturschaffende Ulrike Trüstedt sitzt in ihrer Küche vor ihrem Laptop und schaut auf den Bildschirm. Endlich ertönt die vertraute Fanfare: ein Anruf über Skype. "Ulrike, qué tal estás?" fragt eine spanische Männerstimme aus dem Lautsprecher. Es gehe ihr gut, antwortet sie - jedes Wort einzeln absetzend.

In Caracas ist es erst 10 Uhr morgens. Julio Gomez sitzt an seinem Schreibtisch und arbeitet. Er unterrichtet Ulrike im fernen München, versucht sie zu verstehen, wenn sie ihm die bayerische Maibaum-Tradition erklärt. Er fragt nach und korrigiert sie; er schickt ihr Links von Websites, auf denen sie später in Ruhe noch einmal nachlesen kann, was er ihr gerade zum Beispiel an Grammatik erklärt hat.

Julio Gomez arbeitet für Glovico, ein Fairtrade-Unternehmen, das Sprachunterricht via Skype ermöglicht. Die Plattform regelt auch den Bezahlvorgang. Wer hier Kunde wird, tut Gutes, denn die Online-Sprachenschule arbeitet mit Lehrern aus Entwicklungs- und Schwellenländern direkt vor Ort.

Weltweit aktives Sozialunternehmen

Glovico-Gründer Tobias Lorenz (Foto: privat)

Glovico-Gründer Tobias Lorenz

Auf die Idee zu diesem Unternehmen kam der Hamburger Tobias Lorenz vor drei Jahren. Damals forschte er für seine Doktorarbeit in Eritrea und befasste sich mit Sozialunternehmern, also Firmen, die nicht nur Gewinn abwerfen, sondern auch soziale Besserungen umsetzen wollen. "Dass Kleinunternehmer aufgrund der politischen Rahmenbedingungen in Afrika trotz großartiger Ideen und guter Businesspläne oft keine Finanzierung finden, das hat mich einfach erschüttert", sagt Lorenz. Daraufhin beschloss er, selbst ein Sozialunternehmen zu gründen, das begabten und umtriebigen Menschen aus Schwellenländern eine Verdienstmöglichkeit eröffnet.

Seine Idee ist ganz einfach: Er ermöglicht diesen Menschen über den Onlineservice Skype, ihre Sprachkenntnisse an zahlungskräftige Kunden in der entwickelten Welt zu vermitteln. Das Konzept scheint zu greifen: Inzwischen wächst das Unternehmen um 15 bis 20 Prozent pro Monat. Bis zum Ende des Jahres soll das Stunden-Volumen von derzeit 700 auf 3000 steigen. "Die größte Nachfrage findet Glovico bei Studenten und jungen Berufstätigen," berichtet Lorenz. Etwa gleich groß sei das Interesse bei älteren Menschen.

Eine gutes Geschäft für beide Seiten

Für Ulrike Trüstedt erwies sich Glovico als ideale Lösung: durch den Einzelunterricht fühlt sie sich wieder gefordert, sie bereitet sich intensiv vor, legt sich zurecht, was sie Julio wie erzählen will. Bis zur nächsten Skype-Session arbeitet sie das Gelernte nach. Der Luxus, mit einem Privatlehrer zu lernen, würde sie in München zwischen 30 und 50 Euro kosten, plus Lehrmaterial. Bei Glovico kostet sie das ganze acht Euro, drei davon erhält das Unternehmen als Kommission, der Rest geht an Julio Gomez. "Fünf Euro sind nicht wirklich viel," sagt Gomez, "aber lieber habe ich ein kleines Zusatzeinkommen, als gar nichts." Überdies, sagt er, stehe es ihm auch frei, seinen Tarif jederzeit zu erhöhen.

Julio Gomez während einer Skype-Schaltung auf einem Computer (Foto: DW/von Canstein)

Leitung nach Caracas: Skype-Session mit Julio Gomez

Inzwischen spricht Glovico auch gezielt Großkonzerne und Nichtregierungsorganisationen an, die ihre Mitarbeiter auf Auslandseinsätze vorbereiten. Mit Glovico lernen diese Mitarbeiter dann nicht nur gleich den Akzent, der in dem jeweiligen Land gesprochen wird - sie haben überdies schon im Voraus einen Ansprechpartner, der ihnen später bei der Eingewöhnung vor Ort behilflich sein kann. Julio Gomez ist mit einigen seiner Schüler schon wirklich befreundet, sagt er. Ein Schüler-Ehepaar kommt regelmäßig nach Venezuela, und Gomez berät sie schon bei der Planung ihrer Reisen, welche Hotels etwas taugen oder welche Ecken des Landes für sie einfach zu gefährlich sind.

Mehr als ein Sprachlehrer

Solche Informationen sind Gold wert - insbesondere in Regionen, in denen keine Weltsprache gesprochen wird. Tobias Lorenz sieht hier auch eine besondere Nische für seine Sprachenschule: "Unser Herz schlägt eher bei den kleineren Sprachen wie etwa Tagalog von den Philippinen, Wolow aus dem Senegal, Suaheli aus Kenia. Da sehen wir uns als ganz einzigartige Möglichkeit, die Sprachen zu lernen."