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Fußball

Mehr als nur Ronaldo gegen Lewandowski

Alles blickt vor dem EM-Viertelfinale zwischen Portugal und Polen auf das Duell der Stürmerstars Cristiano Ronaldo und Robert Lewandowski. Dabei könnten ganz andere Faktoren dieses Spiel entscheiden.

Polen oder Portugal? Auf eine Nation wartet das Halbfinale, auf die andere die Heimreise. Beide Teams konnten bei dieser UEFA EURO 2016 noch nicht überzeugen - und stehen dennoch im Viertelfinale. An diesem Donnerstag in Marseille (30.06.2016, ab 21 Uhr im DW-Liveticker) zeigt sich, wer das bessere Spielsystem bieten kann. Wir beantworten die wichtigsten Fragen vor der Partie.

Wer ist Favorit?

Schwer zu sagen. Die Wettbüros, denen man seit ihrer schlechten Brexit-Prognose dieser Tage vielleicht nicht unbedingt trauen muss, sehen Portugal vorne. Wer auf einen Sieg der Iberer wettet erhält für einen Euro rund 2,25 Euro zurück, wer auf Polen den gleichen Betrag setzt bekommt rund 3,70 Euro ausgezahlt. In der Tat sprechen vor dem ersten Viertelfinale ein paar Argumente für die Portugiesen. Mit Ronaldo, Eder, Nani oder Moutinho hat die Mannschaft von Trainer Ferndando Santos die besseren Individualisten in den Reihen. Spielerisch wie offensiv wirkt das portugiesische Spiel variantenreicher und dem polnischen Defensiv-System etwas überlegen. Aber Portugal hat bisher alles andere überzeugt. Mit drei mageren Unentschieden mogelten sie sich ins Achtelfinale. Und dort hatten sie dann gegen Kroatien viel Glück - aber eben auch eine gute Abwehr.

Wer ist besser: Ronaldo oder Lewandowski?

Sagen wir es so: Den Anspruch, der beste Stürmer der Welt zu sein, haben beide. Sicher ist dieses Selbstverständnis bei Cristiano Ronaldo stärker ausgeprägt. Der Weltfußballer der Jahre 2008, 2013 und 2014 ist so vielseitig wie kaum ein anderer Offensivspieler: Hervorragende Schusstechnik, hohes Sprinttempo, gute Durchsetzungsfähigkeit, großer Torinstinkt und - wenn er will - auch starke Defensivfähigkeiten, wie gegen Kroatien zu sehen war. Allerdings arbeitete Ronaldo im Achtelfinale so viel nach hinten, dass er offensiv kaum auftauchte. Mit bisher zwei Toren und zwei Vorlagen, vor allem im entscheidenden Gruppenspiel gegen Ungarn, ist er dennoch der Dreh und Angelpunkt des portugiesischen Spiels. Das kann man von Robert Lewandowski bisher nicht behaupten. Kein Tor, keine Torvorlage und auch sonst keine guten Werte. Der polnische Starangreifer - eigentlich ein begnadeter Torjäger, Spielmacher und Flügelspieler in Personalunion - wirkt überspielt und war zuletzt leicht auszurechnen. Weil das polnische Spiel aber auf ihn und seine Torgefahr zugeschnitten ist, fehlt es den Polen an Offensivstärke. "Ich muss geduldig sein. Vielleicht werde ich noch der Held", hofft Lewandowski. Unter dem Strich spricht die aktuelle Form aber für Ronaldo.

Lewandowski jubelt mit seinem Team (Foto: Reuters)

Endlich hat er getroffen, allerdings nur im Elfmeterschießen: Robert Lewandowski (Nummer 9).

Wie gehen die Teams in dieses Duell?

Lewandowskis Flaute konnte von seinen Kollegen kaum kompensiert werden. Arkadiusz Milik und Jakub Blaszczykowski schossen die bisher nur drei magere Törchen für Polen. Dies hat zum einen mit der fehlenden Torgefahr der handelnden Akteure zu tun, zum anderen aber auch mit der Ausrichtung. Polens Trainer Adam Nawalka lässt bei der EURO sehr defensiv spielen und ist auf die "0" fixiert. Diese "0" zu halten, gelang ihm immerhin gegen Weltmeister Deutschland. Die starke Abwehr um Blaszczykowski ließ erst ein Gegentor zu - ein Wert, den sie auch im Achtelfinale gegen die Schweiz hielten und mit dem man sich bei einem solchen Turnier für höhere Aufgaben empfehlen kann. Portugal wird dagegen die Rolle des Spielmachers automatisch annehmen. Die ebenso erfahrene wie lauffreudige Offensive der Portugiesen will die tiefstehende Defensivformation der Polen knacken und von Beginn an gegen diese weiß-rote Wand anrennen. Hier liegt Polens Chance: Wenn Lewandowskis Motor endlich anspringt, ist er der ideale Mann für ein schnelles und erfolgreiches Konterspiel.

Was sagen die Trainer?

Beide sprechen zwar gerne vom Kollektiv, kommen aber dann doch immer wieder auf ihre beiden Stars zurück. So gibt sich Polens Coach Adam Nawalka betont gelassen, wenn Lewandowskis derzeitige Abschlussschwäche zur Sprache kommt. "Robert Lewandowski ist für mich die beste Nummer 9 der Welt. Er wird hier doppelt oder dreifach gedeckt. Aber er ist körperlich gut vorbereitet." Die entstehenden Freiräume soll dann Milik nutzen. Auch auf der anderen Seite will er sich nicht nur auf einen konzentrieren: "Kein Spiel wurde je nur von einem Spieler entschieden. Wir dürfen nicht nur auf Ronaldo schauen", fordert Nawalka. "Cristiano ist ein Siegertyp", entgegnet sein Gegenüber Fernando Santos trocken und hofft, dass "CR7" wie schon gegen Ungarn die Portugiesen im Turnier hält. "Jeder spricht über ihn - und das hat einen Grund: Weil er ein fantastischer Spieler ist." Hinter andere Spieler setzt er - ob aus taktischen Gründen sei dahingestellt - ein Fragezeichen: "Wir haben einige Spieler, die nicht zu 100 Prozent fit sind. Wir werden sehen, ob sie bereit sind, zu spielen."

Ricardo Quaresma macht das entscheidende Tor gegen Kroatien (Foto: Reuters)

Dank ihm steht Portugal im Viertelfinale: Ricardo Quaresma macht das entscheidende Tor gegen Kroatien

Was erwartet den Sieger?

Wahrscheinlich Belgien. Im zweiten Viertelfinale am Freitagabend (01.07.2016, 21 Uhr MESZ im DW-Liveticker) sind die hochgehandelten Belgier klarer Favorit gegen die tapferen, aber längst nicht so spielstarken Waliser. Egal ob Portugal oder Polen - gegen Belgien in der aktuellen Verfassung sind beide Teams eher Außenseiter.

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