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Kultur

Mehr als nur Röhren

Wenn die Leute nicht zur Kunst kommen, muss die Kunst eben zu den Leuten gehen - mit "Kunst im öffentlichen Raum". Vorreiter, Vorbild und Vordenker finden sich in London. Zum Beispiel im U-Bahn-Schacht.

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U-Bahn-Plan? Nein, Simon Pattersons "The Great Bear"


Die Londoner U-Bahn ist mehr als nur Transportmittel. Seit die "Tube", zu deutsch "Röhre", im Jahr 1863 eröffnet wurde, zog sie immer wieder kreative Geister an: U-Bahn-Stationen wurden und werden als Schauplatz für Filme genutzt, als Kulissen für Theaterstücke, als Galerie, als Anschlagbrett für Dichtung oder als Motiv für Kunstwerke selbst.

Schon 1908 wurde die Idee geboren, die Werbeflächen im Untergrund auch für die Kunst nutzbar zu machen. Damals wurden zum ersten Mal Plakatentwürfe für die "Tube" an Künstler und Designer in Auftrag gegeben. Viele davon sind heute noch im Londoner Verkehrsmuseum zu sehen.

Plattform für Kunst

Cindy Sherman

Cindy Sherman, Selbstporträt, 2003

In dieser Tradition steht auch die 1999 ins Leben gerufenen "Platform For Art". Platform heißt im Englischen sowohl Bahnsteig als auch 'Plattform' im übertragenen Sinne. Ein stillgelegter U-Bahnsteig an der Station Gloucester Road dient seitdem als Galerie für Skulpturen und Fotografie. Bis zum 8. September 2003 sind dort zehn großformatige Fotos der amerikanischen Konzept-Künstlerin Cindy Sherman ausgestellt. Parallel zeigt die Serpentine Gallery im Hyde Park eine Ausstellung der Künstlerin - und hofft auf "Synergieeffekte": Wer die Plakate in der U-Bahn gesehen hat, der lässt sich vielleicht zu einem Besuch in der Galerie inspirieren ...

Cindy Sherman

Cindy Sherman, Selbstporträt, 2003

Plattform für Poesie

Eine ähnliche Funktion hat die seit 1986 erfolgreiche Aktion "Poems on the Underground". An U-Bahn-Stationen und in den Waggons sind klassische englische Gedichte plakatiert. Auf der Fahrt oder beim Warten auf die nächste Bahn können Reisende, die sich vielleicht nie mit Shakespeare oder T.S. Eliot beschäftigt haben, auf den Geschmack kommen. Dass die Rechnung aufgeht, zeigt der Erfolg, den die Serie in Buchform erlebte: Die rund 300 Gedichte umfassende zehnte Auflage der "Poems on the Underground" verkaufte sich etwa 275.000 Mal.

Plattform für Filme

Das Potenzial der unterirdischen Welt wird auch von Filmemachern immer wieder genutzt. In den Streifen "Superman IV", "Mission Impossible" oder dem Tanz-Drama "Billy Elliot" begab sich die Filmfabrik Hollywood in die Gänge der "Tube" unter den Straßen von London. Aldwych, eine von rund 40 stillgelegten Stationen der "Tube", hat schon mehrfach die Künstler-Fantasien beflügelt.

1907 eröffnet und 1994 wieder geschlossen, diente sie gleich mehrfach als Motiv: Sie wurde als Kulisse für Filme wie "Patriot Games" genutzt, als Hintergrund für Werbespots oder für das Computerspiel "Tomb Raider 3". Für den James-Bond-Film "Die Another Day" wurde die Haltestelle als Modell nachgebaut.

U-Bahn-Plan bei Saatchi

Auch als eigenständiges Motiv hat die U-Bahn Künstler auf den Plan gerufen. 1995 legte etwa der Brite Simon Patterson mit "The Great Bear" seine eigenwillige Version des weltweit bekannten Londoner U-Bahn-Plans vor, dessen ursprüngliche Gestalt auf einen Entwurf von Harry Beck aus dem Jahr 1931 zurückgeht. Die Lithographie von Patterson befindet sich heute in der Saatchi Gallery – einer der weltweit bedeutensten Trendsetter für moderne Kunst. Für "The Great Bear" hat der Künstler anstelle der Haltestellen Namen von Berühmtheiten eingesetzt: Seine eigenwillige Auswahl verewigt Schauspieler, bildende Künstler, Philosophen, Entdecker, Planeten - und Fußballer. (dpa/sams)

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