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Politik

Mehr als nur politisches Ränkespiel?

Nordkorea hat seinen Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag erklärt. Die Nachricht kam überraschend und hat internationale Bestürzung ausgelöst. Was führt das Land im Schilde mit seinem Atomprogramm?

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Neue Brennstäbe werden in den entsiegelten Atomreaktor gebracht

Die Information, die die staatliche Nachrichtenagentur KCNA, am Freitag (10.1.2003) verbreitete, kam zu einem merkwürdigen Zeitpunkt: Am Tag zuvor hatten sich zwei nordkoreanische Vertreter auf den Weg zu einem US-Gouverneur gemacht, um über das umstrittene Atomprogramm Nordkoreas zu sprechen. Ein Ausweg aus der Krise zeichnete sich ab. Die überraschende Kehrtwende sei ein "Akt der 'legitimen Selbstverteidigung'", hieß es in Pjöngjang. Zudem beende das Land seine Bindung an das Atom-Sicherheitsabkommen mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO).

Südkorea, Japan und Russland besorgt

Auch nach dem Ausscheren aus dem Atomwaffensperrvertrag will sich Südkorea um eine diplomatische Lösung des Konflikts um das Atomprogramm des kommunistischen Nachbarn bemühen. Die Lage auf der koreanischen Halbinsel habe sich weiter verschlechtert, sagte Präsident Kim Dae Jung in Seoul. "Wir müssen unser Äußerstes für eine Lösung durch diplomatische Anstrengungen und den innerkoreanischen Dialog tun", erklärte er. Das Ziel sei eine nuklearfreie Halbinsel.

Japan rief Nordkorea inzwischen auf, seine Entscheidung zum Austritt aus dem Nichtverbreitungsvertrag sofort zurückzunehmen. Russland appellierte an die Weltgemeinschaft, mit Nordkorea neue Verhandlungen aufzunehmen. Ein Dialog mit allen interessierten Staaten über aktuelle Fragen der nationalen Sicherheit sei erforderlich, erklärte das Außenministerium in Moskau.

Kraftprobe mit der IAEA

Kim Jong Il

Kim Jong Il (Archiv-Foto)

Nordkorea scheint ernsthaft die Wiederinbetriebnahme eines Atomreaktors vorzubereiten. Bereits Mitte Dezember hatte die nordkoreanische Führung angekündigt, die Atomreaktoren wieder in Betrieb nehmen zu wollen. Sie forderte die IAEA deshalb auf, die Versiegelungen an den Nuklearanlagen zu entfernen. Andernfalls werde Nordkorea dies selbst tun. Nordkoreanische Techniker sollen nach Agenturberichten mit Reparaturarbeiten an einem 5-Megawatt-Reaktor beschäftigt sein. Dies werde als Vorbereitung für das Wiederanfahren des Reaktors interpretiert, hieß es unter Berufung auf Regierungsquellen.

Energiekrise

Offiziell heißt es, das Atomprogramm diene der Bekämpfung der Energiekrise, die durch den Stopp der US-Öllieferungen ausgelöst worden sei. Die USA hatten den Nordkoreanern im Gegenzug für deren Verzicht auf Atomenergie seit 1994 jährlich kostenlos 500.000 Tonnen Heizöl geliefert. Diese Lieferungen stellten die USA jedoch ein, als vor wenigen Wochen ein geheimes Atomprojekt der Nordkoreaner bekannt wurde.

Die Erzeugung von Elektrizität in dem Reaktor ist jedoch nach Ansicht von Experten nur ein Vorwand. Tatsächlich gehe es dem Land vermutlich eher darum, Atombomben zu bauen. "Dieser Reaktor, ist nie ans Stromnetz angeschlossen worden", berichtete Daniel A. Pinkston vom US-amerikanischen Center for Nonproliferation Studies (CNS) vor wenigen Tagen über das nordkoreanische Atom-Programm. "Und die Strommenge, die er produzieren kann ist unbedeutend." Zur Deckung des akuten Strombedarfs ist der Reaktor damit ungeeignet.

8000 Brennstäbe

Der Reaktor liegt in dem großen nordkoreanischen Nuklearkomplex Yongbyon-kun. Es ist ein Forschungsreaktor mit einer Leistung von fünf Megawatt. Nach Erkenntnissen des CNS können in dem Reaktor jährlich zwischen fünf und sechs Kilogramm Plutonium hergestellt werden, und damit genug für eine Atombombe. Noch größere Sorgen machen Politikern und Atom-Experten jedoch 8.000 abgebrannte Brennstäbe, die innerhalb eines Monats für die Herstellung von fünf Atombomben genutzt werden könnten. Sie lagern ebenfalls in Yongbyon-kun.

Daneben verfügt das Land über zwei weitere Reaktoren mit Leistungen von 200 Megawatt, beziehungsweise 50 Megawatt. Deren Bau wurde nach dem Abkommen von 1994 abgebrochen. Das CNS geht davon aus, dass diese Reaktoren in drei bis fünf Jahren zur Herstellung von bis zu fünfzig Bomben pro Jahr genutzt werden könnten.

Politisches Gezerre

Für die amerikanische Regierung kommt die Zuspitzung der Nuklear-Krise in Asien zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt, da sie versucht, die Aufmerksamkeit der Welt auf den so genannten "Schurkenstaat" Irak zu lenken. Doch einflussreiche Politiker aus dem US-Kongress warnen bereits vor der wachsenden Bedrohung aus Nordkorea. "In meinen Augen ist das derzeit eine größere Gefahr für die amerikanischen Interessen als Saddam Hussein", sagte der scheidende Chef des außenpolitischen Kongress-Ausschusses, Senator Joseph R. Biden in einem Fernseh-Interview des Senders Fox-TV. Einige Beobachter meinen, Kim Jong Il beabsichtige mit seiner neuen Atom-Initiative nichts anderes als die Aufmerksamkeit des großen Klassenfeindes USA auf sein Land zu lenken.

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