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Wissen & Umwelt

Mehr als nur Leder und Luft - Fußbälle sind heute High-Tech-Produkte

Der offizielle Spielball der EURO2016 nennt sich "Beau Jeu". In dem Ball, der von adidas entwickelt wurde, steckt allerhand Forschung drin. Aber was macht einen guten Fußball überhaupt aus?

Fussball 2016 (Foto: picture-alliance/dpa/sport Moments/SepaMedia)

Der EM-Ball besteht nicht mehr aus 32 Fünf- und Sechsecken sondern nur noch aus sechs identischen "Panels".

Fußball sieht eigentlich aus wie ein recht einfaches Spiel: Eine Wiese, zwei Tore, 22 Spieler und ein Ball. Aber im Profifußball wird nichts dem Zufall überlassen - es geht bei Sieg oder Niederlage um Millionen Euro. Da möchte niemand riskieren, dass etwa ein eigentlich gutplatzierter Torschuss misslingt und dann jemand die Schuld auf den fehlerhaften Ball schiebt.

Also reicht es längst nicht mehr aus - wie früher - eine Hülle aus ledernen fünf und sechseckigen Waben zusammenzunähen und diesen mit einer aufblasbaren Gummiblase zu füllen.

Der offizielle EM-Ball ist aus Kunststoff. Ganz innen ist nach wie vor eine Gummiblase. Diese besteht aus Butylkautschuk, einem synthetischen Kunststoff, der zum Beispiel auch in Fahrradreifen zum Einsatz kommt, und sich durch Robustheit und Elastizität auszeichnet.

Die äußere Kunststoffhülle ist mit einem speziellen Schaum hinterlegt, um eine Dämpfung zu erreichen und beim Spielen ein besseres Ballgefühl zu bekommen.

Roland Rommler, Ballexperte bei Adidas (Foto: Adidas)

Roland Rommler entwickelt und testet moderne Fußbälle

Wenige Waben - bessere Geometrie

Besonders ist aber vor allem die Oberflächenstruktur des "Beau Jeu": Klassische Fußbälle bestehen üblicherweise aus zwölf Fünfecken und zwanzig Sechsecken, von Fachleuten auch als "Panels" bezeichnet. Für seinen neuesten Fußball verwendet adidas aber nur noch sechs Panels mit absolut identischer Form und Geometrie. Diese werden auch nicht vernäht, sondern mit einem Spezialverfahren namens Thermal Bonding heiß verklebt. So erreichen die Ingenieure neben Haltbarkeit auch ein Höchstmaß an Symmetrie.

Die geringere Zahl von Waben verringert dazu das Risiko, dass bei der Herstellung etwas schief geht. Weniger Naht- oder Klebestellen bedeuten auch: Es gibt mehr Präzision in der Geometrie und sogar eine bessere Aerodynamik.

Wasserdichtigkeit schützt vor Kopfverletzungen

Die Gefahr ist geringer, dass der Ball sich verformt, und es gibt weniger Stellen, wo beim Spiel in strömendem Regen Wasser eindringen kann. Übrigens ist das auch ein Grund für die Verwendung von Kunststoff: Leder würde sich vollsaugen, der Ball könnte gefährlich schwer werden und - etwa beim Kopfball - Gehirnerschütterungen verursachen.

Gemäß dem Standard der Welt-Fußballorganisation FIFA darf ein Ball nicht mehr als zehn Prozent seines Eigengewichts an Wasser aufnehmen. Die neueste Generation an Bällen nimmt aber wegen der Verklebung praktisch gar kein Wasser mehr auf.

Auf das Gefühl kommt es an

Auch der Luftdruck im Ball muss stimmen. "Der Ball darf auf keinen Fall zu hart sein, um einen sauberen, strammen Schuss zu platzieren", sagt Roland Rommler. Der Ballexperte war bei adidas an der Entwicklung des "Beau Jeu" beteiligt. Zwar pumpen nicht alle Fußballvereine ihre Bälle gleich stark auf, aber Rommler empfielt einen Druck von 0,8 bar. Ist der Druck aber auch mal höher, hält der Ball es trotzdem aus.

Einen guten Fußball kann der Liebhaber aber nicht nur nach rein technischen Kriterien bewerten. Nichts geht über das Ballgefühl beim Spiel. Deshalb wird jeder neue Fußball ausgiebig getestet. "Wir führen unzählige Tests mit Spielern aller Leistungsklassen durch", sagt der Ballexperte. "Erst wenn bei den Spielern, die an den Balltests beteiligt sind, vollste Zufriedenheit in Sachen Ballgefühl herrscht, geht ein Ball in Produktion."

RobiLeg beim Balltest bei Adidas

Das Roboterbein schießt die Bälle immer präzise mit 50 km/h

Roboter liefern reproduzierbare Testergebnisse

Der Fußball muss sich dann auch im Langzeitversuch bewähren. Die FIFA fordert einen so genannten "Shooter-Test", bei dem ein Ball 2000 Mal mit 50 Stundenkilometern gegen eine Stahlplatte geschossen werden muss. Nur wenn er dies ohne nennenswerte Verformungen übersteht, wird er zugelassen. "Wir bei adidas schießen den Ball, um ganz sicher zu gehen, sogar 3500 Mal", sagt Rommler.

Damit die Schüsse dann auch standardisiert und die Tests reproduzierbar sind, setzt adidas Roboter ein. "Das 'Robi-Leg' in unseren Testlabors ist ein Roboterfuß, der in der Lage ist, jeden erdenklichen Schuss beliebig oft und ohne jede Abweichung zu wiederholen", erklärt Rommler. Auch das dynamische Flugverhalten des Balles, also etwa die Wirkung der Eigendrehung, lässt sich so objektiv messen und immer weiter verfeinern.

Der Schuh muss auf den Fuß passen - nicht auf den Ball

Übrigens: Den passenden Schuh für das jeweils neue Ballmodell gibt es nicht. Bei der Schuhentwicklung setzt Adidas auf die Eigenschaften und Aufgaben der einzelnen Spieler.

So nutzen besonders agile Spieler wie Stürmer, die viel rennen müssen, meist ein anderes Modell als etwa die Spielmacher, sagt Rommler. Das wären dann diejenigen, die im Mittelfeld weniger schnell laufen, dafür aber umso präzisere Pässe zuliefern müssen. Und ganz besondere Spieler, wie Lionel Messi, haben sogar ein eigenes Schuhmodell auf dem Markt.

Die meisten Fußballer werden aber ihren Schuh am ehesten danach auswählen, ob er gut passt und bequem ist - und weniger nach der Position auf dem Spielfeld.