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Nahost

Mehr als nur "Erste Hilfe"

Strom gibt es nur sporadisch, das Wasser ist zum Trinken meist ungeeignet, die Krankenhäuser sind geplündert: Nach dem Ende der Kriegshandlungen im Irak warten viele Aufgaben auf die internationalen Hilfsorganisationen.

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Lebensmittel, Wasser und Medikamente werden gebraucht

Während die Verhandlungen über eine mögliche Übergangsregierung und ausländische Investitionen zum Wiederaufbau schon begonnen haben, fehlt es an vielen Orten im Irak am Allernötigsten. Darauf weisen zahlreiche Hilfsorganisationen hin. Am dringendsten werden Trinkwasser und Nahrungsmittel, Medikamente und medizinisches Gerät gebraucht. Die Organisationen mussten ihre Arbeit jedoch immer wieder unterbrechen, oder sie warten mit ihren Hilfsgütern weiter an den Grenzen zum Irak auf eine Klärung der Sicherheitslage.

Die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins sans Frontières - MSF) kümmert sich vor Ort fast ausschließlich um die medizinische Notversorgung. Diese Aufgabe ist durchaus auch längerfristig zu sehen. Doch mit "Entwicklungshilfe und dem Wiederaufbau haben wir nichts zu tun", sagt Kattrin Lempp von der deutschen MSF-Sektion. Sie zieht hier einen Vergleich zum derzeitigen Einsatz ihrer Organisation in Afghanistan, wo "die humanitären Bedürfnisse noch lange nicht befriedigt" sind.

Investitionen in bestehende Strukturen

Auch das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) leistet weiterhin vor allem Nothilfe im Irak. Dazu gehört die medizinische Versorgung mit Ärzten, Medikamenten, Ausrüstung und Geräten. Das IKRK kümmert sich zudem um die Trinkwasserbeschaffung und Abwasserreinigung. Nach dem Golfkrieg 1991 war der Wiederaufbau zentrales Aufgabengebiet der Organisation. Doch im Konfliktfall geht es nur um lebenrettende Maßnahmen und Notfallhilfe. "Da ist es unter Umständen wichtiger, Wasser zu liefern, als die Wasserversorgung wieder aufzubauen", so IKRK-Sprecher Florian Westphal im Gespräch mit DW-WORLD.

Die Stromversorgung ist für das IKRK nur eine Aufgabe, sofern sie mit der Wasserversorgung zusammenhängt, sagt Westphal. Auch muss der Zustand der Wasserinfrastruktur erst noch untersucht werden. Mit Ärzten, Ingenieuren und der zukünftigen Verwaltung vor Ort soll schließlich längerfristig zusammengearbeitet werden. Wichtig ist dann, "was das Land selbst gemacht hat", so Westphal. "Das IKRK kann nicht den Platz einer Behörde einnehmen."

Ein Beispiel für längerfristige Hilfe kann so auch sein, Teile einer existierenden Struktur zu finanzieren - etwa die Gehälter von Krankenhauspersonal. Erster Partner vor Ort ist das islamische Rote Kreuz, der Rote Halbmond. Hierfür wird die Internationale Föderation des Roten Kreuzes auch bald wieder in Ausbildungspogramme und Ausrüstung investieren.

Absehbare Schäden

Auch Greenpeace überlegt zur Zeit, wie die Organisation im Irak zu einer Verbesserung der Lebensumstände beitragen kann. Noch sei nichts spruchreif. Aber auch Andreas Bernstorff von der Umweltschutzorganisation sieht als drängendstes Problem den Bereich Hygiene.

Verschmutzungen durch Ruß und Smog der Ölbrände nicht so dramatisch wie 1991, sie haben eine "andere Dimension und betreffen eine andere Gegend", so Bernstorff. Langzeituntersuchungen der Schlachtfelder auf Belastungen durch giftige Sprengstoffe und Uran-Munition sowie deren Auswirkungen auf Umwelt und Bevölkerung konnten bislang nicht durchgeführt werden. Hier seien jedoch eher die wissenschaftlichen Kapazitäten der Umweltorganisation der Vereinten Nationen, des United Nations Environment Programme (UNEP), gefordert. Greenpeace mache "nur Stichproben und gibt Hinweise", so Bernstorff.

Unterschiedliche Positionen

In der Frage, ob die Arbeit der Hilfsorganisationen von den Vereinten Nationen (UN) oder den Alliierten koordiniert werden soll, beziehen die Organisationen etwas unterschiedliche Positionen. Während das IKRK auf die Genfer Konventionen verweist, nach denen es auch Aufgabe der Invasionstruppen ist, humanitäre Hilfe zu leisten, sieht Ärzte ohne Grenzen das etwas anders: "Hilfe kann und darf nur von zivilen Institutionen - in diesem Fall der UN - koordiniert werden. Und nicht von militärischer Seite - schon gar nicht von einer der Kriegsparteien", sagt Lempp von MSF.

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