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Wirtschaft

Mehr als nur ein Streit unter Fachleuten

Eins steht fest: Der deutschen Wirtschaft geht es schlecht. Ob der Zustand als Rezession zu bezeichnen ist, darüber haben die Experten unterschiedliche Ansichten.

In den USA und zunehmend auch in Europa wird eine Rezession definiert als ein "Rückgang des saisonbereinigten realen Bruttoinlandsprodukts in mindestens zwei aufeinander folgenden Quartalen". Das dritte Quartal in diesem Jahr ist für die Frage einer Rezession in Deutschland deshalb von besonderer Wichtigkeit, weil die Experten für das letzte Vierteljahr auf jeden Fall mit einem Rückgang der wirtschaftlichen Leistung rechnen. Dazu tragen besonders auch die zuletzt stark rückläufigen Auftragsrückgänge in der Industrie bei.

Experten unter sich

Die sechs führenden Forschungsinstitute hatten kürzlich vorgeschlagen, für die Beurteilung, ob eine Rezession vorliegt, zusätzlich die Auslastung der gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten zu berücksichtigen. Im Herbstgutachten schrieben sie: "Wenn nach einer Boomphase mit überdurchschnittlicher Kapazitätsauslastung das reale Bruttoinlandsprodukt in zwei aufeinander folgenden Quartalen sinkt, der Auslastungsgrad jedoch oberhalb des Normalniveaus bleibt, sollte man nicht von einer Rezession sprechen. Eine Rezession liegt erst dann vor, wenn bei rückläufiger Produktion der Auslastungsgrad unter das durchschnittliche langjährige Niveau fällt." Die Lage in Deutschland sei derzeit nicht mit den Rezessions-Jahren 1974/75, 1980/82 und 1992/93 vergleichbar. "Ein Indiz hierfür ist auch, dass damals die Arbeitslosigkeit jeweils dramatisch gestiegen war, während sie im laufenden Jahr vergleichsweise nur wenig zugenommen hat", schrieben die Institute.

Nach ihrer Ansicht lässt sich die hier gewählte Definition für die Weltwirtschaft insgesamt nicht sinnvoll anwenden, "denn das zusammengefasste reale Bruttoinlandsprodukt der Welt ist in den vergangenen drei Jahrzehnten immer gestiegen". Der Internationale Währungsfonds spreche von einer Weltrezession, wenn das globale reale Bruttoinlandsprodukt in einem Jahr um weniger als 2,5 Prozent zunehme. "Dies war beispielsweise in den Jahren 1975, 1982 und 1991/92 der Fall." Nach der Prognose der Institute wird diese Marke auch im laufenden Jahr unterschritten, so dass 2001 als Rezessionsjahr für die Weltwirtschaft gelten werde. (im)

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