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Bildung

Mehr als Mörtel und Steine: der Maurer-Beruf

Maurer müssen mehr können als Steine aufeinander zu schichten. Der Beruf hat sich gewandelt, ist heute hoch spezialisiert und gleichzeitig vielfältig. Und in Zeiten des Fachkräftemangels sind die Berufsaussichten gut.

Die Tage auf dem Bau beginnen früh. Doch das hat Maurer-Azubi Marlon Blandow noch nie gestört. Um halb sieben am Morgen trifft sich seine Kolonne, und ab geht es auf die Baustelle. Gerade ziehen sie für eine Firma ein Lagerhaus hoch. Marlons Aufgabe heute: Körbe binden. Er lässt die Maurerkelle also zunächst links liegen, schnappt sich Draht und Zange und knüpft aus Eisenstangen einen sogenannten Korb. Der wird später in einer Säule stecken, die mit Beton ausgegossen wird. "Erst das Eisen macht die Säule stabil", weiß Marlon.

Marlon Blandow bindet einen sogenannten Korb (Foto: DW/Ramona Schlee)

Ein Maurer-Azubi lernt mehr als nur Mörtel zu mischen

Seit zwei Jahren lernt der 25-Jährige das Maurerhandwerk. "Ich komme fast schon aus einer Maurerfamilie", erzählt er. "Mein Opa ist Maurer, mein Onkel ist Maurer. Da war für mich schnell klar, dass auch ich auf den Bau will." Nur eine Bewerbung musste er schreiben, dann hatte er seine Lehrstelle in einem Bauunternehmen, das Häuser schlüsselfertig verkauft. Darauf hat Marlon bei der Wahl seines Lehrbetriebes geachtet. Denn in solch einem Unternehmen lernt er alles, was ein Maurer können muss. Die Aufgabenpalette für Azubis ist entsprechend breit gefächert.

Mehr als Steine aufeinanderschichten

"Viele glauben, es sei einfach, eine Wand zu mauern. Ich dachte das auch. Aber bei meinen ersten Versuchen waren die Wände schief", erinnert sich Marlon. Heute kennt er die Tricks und Kniffe. Und er weiß, wie man eine Decke betoniert, wie man eine Verblendung mauert, was man bei Innen- und Außenwänden beachten muss. Er kennt die verschiedenen Baumaterialien und hat gelernt, wie er den Mörtel mischen muss.

Damit sie das alles beherrschen, müssen die Azubis die

theoretischen Grundlagen ihres Fachs

lernen, sagt Marlons Chef Lutz Hollmann. Deswegen hatte er gerade im ersten Lehrjahr gar nicht so viel von seinem Lehrling. Der war nämlich fast die ganze Zeit in der Berufsschule. Im zweiten und dann im dritten Lehrjahr kann Marlon jedoch immer mehr im Betrieb zupacken. Und das tut er auch, freut sich Hollmann. "Marlon sieht die Arbeit. Das zeichnet ihn aus."

Teamgeist, Zuverlässigkeit und technisches Verständnis

Werkzeugeimer auf der Baustelle, auf der Marlon Blandow arbeitet (Foto: DW/Ramona Schlee)

Knapp 4000 Maurer-Azubis waren laut Statistischem Bundesamt auf deutschen Baustellen im Einsatz

Der Bauunternehmer achtet bei seinen Lehrlingen weniger auf die Schulnoten. Ihm ist wichtig, dass er sich auf die Azubis verlassen kann und dass sie ins Team passen. Einen Krawallmacher könne er nicht gebrauchen, denn die Kolonnen müssen jeden Tag zusammen auf dem Bau arbeiten. Da muss Frieden herrschen. Außerdem brauchen die Bewerber ein gewisses technisches Verständnis. "Sie müssen sich vorstellen können, wie das Haus einmal aussehen soll", sagt Hollmann.

In der Ausbildung besuchen die Maurer-Azubis außerdem überbetriebliche Lehrgänge, in denen sich die verschiedenen Handwerkerberufe gegenseitig in die Karten schauen. Fliesenleger, Dachdecker, Zimmermänner, Maurer: Jeder lernt vom anderen. Hollmann findet das gut, denn so sieht der Maurerlehrling seine Aufgaben auf der Baustelle noch einmal mit anderen Augen, und die eigene Arbeit werde dadurch besser. "Früher haben Maurer auch schon mal selber Fliesen gelegt oder einen Fußboden gegossen. Das machen sie heute kaum noch. Aber es ist trotzdem gut, wenn sie wissen, wie das funktioniert", findet Hollmann.

Wenig Frauen auf dem Bau

Auf Maurerinnen trifft Marlon auf dem Bau nur selten. Unter den knapp 4000 Maurer-Azubis waren im Jahr 2012 laut Statistischem Bundesamt gerade einmal zwei Dutzend Frauen. Dafür geht es am Bau nicht selten mehrsprachig zu, denn fünf Prozent der angehenden Maurer kommen für die Ausbildung aus dem Ausland. Schon seit einigen Jahren findet auch im Maurer-Handwerk verstärkt ein Austausch mit dem Ausland statt, zum Beispiel über das neue Programm

Erasmus+

, das den Austausch von Lehrlingen aller Sparten organisiert und finanziert. Für deutsche Maurer-Azubis sei Italien besonders interessant, sagt Berthold Hübers vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn. "Dort lernen sie das denkmalschützende Arbeiten mit den antiken Gebäuden, die man in Deutschland eher selten findet."

Maurerlehre als Sprungbrett?

Bauunternehmer Lutz Hollmann (links) und Auszubildender Marlon Blandow auf der Baustelle (Foto: DW/Ramona Schlee)

Bauunternehmer Lutz Hoffmann möchte seinen Azubi nach der Lehre gerne als Gesellen übernehmen

Marlon macht die Arbeit auf dem Bau Spaß. "Ich mag es, nach Feierabend zu sehen, was ich geschafft habe", sagt er. Trotzdem sieht er sich in zehn Jahren nicht mehr als Maurergeselle. Er kann sich vorstellen, entweder den Meister zu machen oder ein Studium zum Bauingenieur oder Architekten aufzunehmen. Denn irgendwann will er selber mal Häuser und Baustellen planen. Das fehlt ihm als Maurer. Lutz Hollmann zieht bei dieser Ansage sorgenvoll die Augenbrauen hoch. Er würde Marlon nach dessen Ausbildung gerne als Maurergesellen halten. Denn schon jetzt sei es schwer, gute Maurer zu finden, sagt der Unternehmer. Die Berufsaussichten seien mit Blick auf den

Fachkräftemangel

sehr gut, prophezeit Hollmann.

Schon jetzt lassen sich die Unternehmen einen Maurer etwas kosten, sagt Lutz Hollmann. "Ein Geselle bekommt in Niedersachsen bei einem Stundenlohn von gut 17 Euro knapp 3000 Euro im Monat Brutto" rechnet er vor. Das ist tariflich festgelegt. Auch die Azubis verdienen nicht schlecht. Marlon bekommt im zweiten Lehrjahr gut 800 Euro pro Monat. Seine Berufswahl hat er noch nie bereut. "Ich bleibe der Baubranche treu, weil ich sie spannend finde", sagt er und greift grinsend doch noch zur Maurerkelle. "Da muss noch eine gerade Wand gebaut werden."

Serie: Ausbildungsberufe

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