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Aktuell Asien

Mehr als hundert Tote bei Zugunglück in Nordindien

Die Bahn ist in Indien das beliebteste Fernverkehrsmittel, das Netz wird als "Lebensader der Nation" bezeichnet. Doch jährlich sterben Hunderte bei Zugunfällen. In der Nacht ist ein Fernzug schwer verunglückt.

Bei dem Zugunglück im Norden Indiens sind nach offiziellen Angaben mindestens 119 Menschen gestorben. Ungefähr 150 Passagiere wurden verletzt, 72 von ihnen schwer, bestätigte Daljeet Chaudhary, ein Generaldirektor der Polizei. Kurz nach 3 Uhr Ortszeit entgleiste ein Fernzug im Bundesstaat Uttar Pradesh etwa 60 Kilometer südwestlich von der Stadt Kanpur, einem wichtigen Drehkreuz im Schienenverkehr. Die meisten Passagiere schliefen zu der Zeit. Mindestens 14 Waggons sprangen von den Schienen. Drei davon wurden bei dem Unfall völlig zerstört.

Rettungsarbeiten dauern an

"Wir können uns nur langsam in die zerstörten Waggons vorarbeiten", sagte Bahnsprecher Anil Saxena. "Es könnten noch Überlebende in den Wagen sein. Wir müssen durch die Metallwände schneiden, um sie zu erreichen." Laut seiner Schätzung befanden sich zum Unfallzeitpunkt zwischen 100 und 150 Menschen in den besonders schwer beschädigten Wagen.

Mithilfe von Kränen werden die Waggons angehoben. Einige der Wagen sind allerdings stark gekippt, sodass die Gefahr besteht, dass sie umkippen und sich überschlagen und sich eingeschlossene Menschen verletzen.

Ein Kran hebt einen Waggon an (Foto: Reuters)

Die Polizei hat die Unglücksstelle für Rettungs- und Aufräumarbeiten abgesperrt

Der Patna-Indore-Express verunglückte etwa auf der Hälfte seiner mehr als 1400 Kilometer langen Strecke durch Nordindien, für die er laut Fahrplan 27 Stunden Reisezeit braucht. Der Zug war 23 Waggons lang und transportierte zum Zeitpunkt des Unfalls rund 2500 Passagiere. Die Unfallursache war laut Bahnsprecher Saxena noch nicht bekannt. Aus dem Bahnministerium hieß es jedoch, dass baufällige Schienen den Zug zum Entgleisen gebracht haben könnten.

Politiker versprechen Hilfsgelder

Bahnminister Suresh Prabhu kündete eine umfassende Untersuchung des Unfalls an. "Wir werden so hart wie möglich gegen diejenigen vorgehen, die für den Unfall verantwortlich sein könnten", schrieb er auf Twitter. "Alle mögliche Hilfe wurde mobilisiert." Das Ministerium teilte mit, Prabhu sei auf dem Weg zur Unfallstelle. Indiens Premierminister Narendra Modi sprach den Betroffenen sein Beileid aus und kündigte finanzielle Hilfen für die Angehörigen der Gestorbenen und für die Schwerverletzten an.

Schienen aus der Kolonialzeit

Die indische Bahn befördert pro Tag etwa 23 Millionen Passagiere in etwa 12.000 Zügen. Das mehr als 90.000 Kilometer lange Schienennetz wird oft als "Lebensader der Nation" bezeichnet, da Inder aller Kasten und Klassen es benutzen. Allerdings
sind die Züge meist Monate im Voraus ausgebucht und die günstigsten Klassen sind chronisch überfüllt - was die Opferzahlen bei Unfällen steigen lässt.

Das Netz wurde von den britischen Kolonialherren gebaut, um Handelsgüter wie Baumwolle zu den Häfen zu schaffen. Seit der Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 wurden kaum neue Gleise verlegt, da die Bahn damit beschäftigt ist, das vorhandene Netz zu erhalten. Jährlich müssen nach Angaben des Bahnministeriums rund 4500 Kilometer Schienen erneuert werden.

Immer wieder kommt es bei der indischen Bahn zu Unfällen mit vielen Toten. Im Mai 2010 wurden 146 Passagiere getötet, als der Kalkutta-Mumbai-Passagierzug entgleiste und von einem direkt dahinter fahrenden Güterzug gerammt wurde.

ust/hf (dpa, rtr, afp, ap, epd)

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