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Afrika

Mehr als ein Krimi vom Kap

Krimis vom Kap sind angesagt: Nach Robert Smith ("Blutiges Erwachen") und Deon Meyer ("Dreizehn Stunden") hat auch Andrew Brown wieder einen Thriller vorgelegt, der in Kapstadt spielt.

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Afrikanische Gefängnisse: Eine fremde Welt für Richard Calloway

Richard Calloway ist ein nettes Nichts. Eine Nichtexistenz, die von materiellen Gütern und sozialer Akzeptanz gerahmt und gestützt wird. Eine Daseinsform, die nach Auflösung, Dekonstruktion und Neuerfindung lechzt. Und die schließlich nur eines relativ schwachen Anstoßes braucht, um erst ins Wanken und dann in den Zusammenbruch zu geraten.

Guter Wille, schwacher Charakter

Der südafrikanische Autor Andrew Brown

Der südafrikanische Autor Andrew Brown

Richard Calloway ist Anwalt, Strafverteidiger in einer renommierten Kanzlei, verheiratet mit einer perfekten Gastgeberin und ein Mann mit Prinzipien. Er will eigentlich nicht fremdgehen, er will eigentlich ein guter Familienvater sein, er will eigentlich niemanden verteidigen, der so ein widerlicher, skrupelloser Verbrecher ist wie sein Klient Stefan Svritsky.

Dass er seinen Prinzipien untreu wird kompensiert er mit Statussymbolen, deren sedierende Wirkung schon nach kurzer Zeit verpufft. Bis er die Nigerianerin Abayomi kennenlernt. Er beginnt eine Affäre mit der Masseuse, an ihrer Seite lernt er das andere Südafrika, das der Flüchtlinge, der Polizeigewalt und des Menschenhandels kennen. Er beginnt etwas mit ihr, dass er für eine Beziehung hält. Doch ihr sexuelles Entgegenkommen ist ein Geschäft und Calloway ist unfähig zu erkennen, dass er nur eine Figur im Überlebenskampf ist, den Andere führen.

Alles verloren, Würde gefunden

Buchcover Würde von Andrew Brown

Das neue Buch von Andrew Brown: Würde

Am Ende verliert Calloway alles. Auch die Achtung vor sich selbst. Und doch steckt in diesem Zusammenbruch die Chance seines Lebens. Seine Existenz muss schmelzen, um den Kern freizulegen und im Gegensatz zu anderen Verlierern in dieser Geschichte bleibt ihm der Weg für einen Neuanfang offen. Und schließlich gewinnt Calloway auch etwas: seine Würde.

Andrew Brown hat nach "Schlaf ein, mein Kind" wieder einen hochklassigen Thriller geschrieben. Er ist literarischer, weniger aktionsgeladen als der Vorgänger und er führt den Leser in eine Welt, die weder romantisch verklärt ist noch auf die Tränendrüse drückt. Brown zeigt, was Menschen zu tun bereit sind, die existenzielle Kämpfe führen müssen. Hier wird sein Roman über die Grenzen Südafrikas hinaus gültig, er ist afrikanisch, er ist osteuropäisch, asiatisch, südamerikanisch in seiner sezierenden Genauigkeit, wenn es darum geht, den Menschen in seiner Größe und Winzigkeit offen zu legen. Absolut lesenswert - auch nach der WM.

Autor: Dirk Bathe

Redaktion: Christine Harjes

"Würde" ist erschienen im btb Verlag und kostet 19 Euro 95.

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