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Amerika

Mehr als 900 Tote durch die Cholera

Die Cholera-Seuche in Haiti droht, außer Kontrolle zu geraten. Immer mehr Menschen sterben an der Durchfallerkrankung. Die Weltgemeinschaft ist aufgerufen, Solidarität mit dem Karibikstaat zu üben.

Menschen tragen einen Sarg. Die Zahl der Cholera-Tote in Haiti steigt täglich (Foto: AP)

Die Situation in Haiti spitzt sich weiter zu. Die Cholera-Epidemie breitet sich rasant aus. Nach Angaben der lokalen Behörden ist die Zahl der Toten bereits auf 917 gestiegen. Rund 14.700 Menschen werden mit Symptomen der Seuche in Krankenhäusern behandelt.

"Beispiellose humanitäre Tragödie"

Erkrankte warten für Behandlung vor dem St. Nicolas Krankenhaus (Foto: AP)

Es drohe eine beispiellose humanitäre Tragödie, warnen Experten

Viele Hilfsorganisationen sind seit dem Erdbeben im Januar in Haiti tätig und versuchen nun mit Aufklärungsarbeiten und medizinischer Verpflegung, die Verbreitung der Seuche zu stoppen. Doch der Ausmaß der grassierenden Epidemie überfordere sie, wie die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" berichtete. "Wir sehen siebenmal so viele Fälle wie wir drei Tage zuvor insgesamt hatten", so ein Sprecher.

In den Armenvierteln leben die Menschen unter katastrophalen Bedingungen, ohne sauberes Wasser und hygienische Standards. Das Rote Kreuz äußerte sich besorgt über ein mögliches großflächiges Übergreifen der Cholera auf die Obdachlosenlager. Wenn das geschehe, drohe eine "beispiellose humanitäre Tragödie", warnte Jean-Pierre Guiteau, Direktor des Roten Kreuzes von Haiti.

Internationaler Aufruf zur Hilfe

Hunde wühlen in Müllhaufen in den Armenvierteln von Haiti (Foto: AP)

In den Armenvierteln ist die Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung besonders hoch

Die Vereinten Nationen riefen die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, 164 Millionen US-Dollar (umgerechnet 120 Millionen Euro) Hilfe bereitzustellen, um die Epidemie zu bekämpfen. Sonst drohe, der verarmte Karibikstaat von der Seuche "überrollt" zu werden.

Auch Papst Benedikt XVI. rief zur Hilfe für Haiti auf. "Ich appelliere an die internationale Staatengemeinschaft, den betroffenen Menschen großzügig beizustehen", forderte der Papst beim Sonntagsgebet. Bundesaußenminister Guido Westerwelle schloss sich dem Appell an und rief ebenfalls zu internationaler Solidarität mit Haiti auf. Vergangene Woche stellte das Außenministerium 200.000 Euro Soforthilfe für das Land bereit. Damit habe man für humanitäre Nothilfe in Haiti insgesamt im laufenden Jahr schon 5,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Präsidenten- und Parlamentswahlen stehen an

Zwei Wochen vor den Präsidenten- und Parlamentswahlen in Haiti legt die Opposition in den Umfragen deutlich zu. Ursache für den Trend ist offenbar die grassierende Epidemie. "Die Cholera beunruhigt die Leute", sagte der Politik-Experte und Journalist Jean Rommel Pierre. Die Epidemie werde der Staatsführung angelastet und untergrabe die Chancen des Regierungskandidaten Célestin. Favoritin für die Nachfolge von Präsident René Préval ist die oppositionelle Kandidatin Mirlande Manigat, wie am Wochenende veröffentliche Umfragen ergaben.

Autorin: Rayna Breuer (dpa, epd, ap)
Redaktion: Marko Langer

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