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Aktuell Europa

Mehr als 3600 Tote in der Ostukraine

Die Vereinten Nationen ziehen eine erschreckende Bilanz: mehr als 3600 Tote und fast 8800 Verletzte hat der Konflikt zwischen Separatisten und ukrainischer Führung bereits gefordert. Und die Gefechte gehen weiter.

Gut einen Monat ist es her, dass sich die Konfliktparteien auf eine Waffenruhe geeinigt hatten. Doch allein in diesem Zeitraum starben im Osten der Ukraine nach Angaben des Menschenrechts-Büros der Vereinten Nationen (UN) mindestens 331 Menschen. Denn die Kämpfe zwischen der ukrainischen Armee und den prorussischen Rebellen dauern an. Gefechte werden insbesondere aus Donezk und Luhansk gemeldet.

331 Tote während des Waffenstillstands

So wurden nach Angaben der Donezker Stadtverwaltung in der Nacht zum Mittwoch drei Zivilisten getötet, vier weitere Menschen wurden verletzt. Der Sicherheitsrat in Kiew sprach zusätzlich von drei getöteten Soldaten und zwölf weiteren Armeeangehörige, die in der Ostukraine verletzt wurden. Vor allem bei Gefechten um strategisch wichtige Punkte wie den Flughafen Donezk sterben fast jeden Tag Menschen. Der Flughafen ist weiter hart umkämpft. Ukrainische Truppen wehrten nach eigenen Angaben einen Angriff der Separatisten ab.

Die Armee hatte versucht, die Rebellenhochburg Donezk zurückzuerobern, wurde aber im August von den Separatisten zurückgeschlagen. Kiew behauptet, sie hätten dabei Unterstützung von russischen Soldaten erhalten. Russland weist jede Schuld an der Eskalation von sich.

OSZE: Die Situation verschlechtert sich

Trotz der wiederholt aufflammenden Kämpfe bewertet Moskau die Entwicklung im Unruhegebiet positiv. "Niemand hat damit gerechnet, dass die Waffenruhe von der ersten Minute an umgesetzt würde", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. Die Zusammenstöße zwischen den Konfliktparteien würden laut Beobachtern abnehmen. Lawrow forderte die Führung in Kiew zu einem "nationalen Dialog" über eine Beilegung der tiefen Krise auf.

Der Tower des Fulghafen in Donezk (Foto: rtr)

Hart umkämpft: Der Fughafen in Donezk

Eine ganz andere Sicht auf die Lage hat dagegen die Organisation für Sicherheit und Zusammenheit in Europa (OSZE) in Kiew. Sie sprach von einer zunehmend verschärften Lage in der Ostukraine. "Die Situation verschlechtert sich täglich", sagte ihr Sprecher Michael Bociurkiw. Die OSZE ist aktuell mit 200 Beobachtern im Konfliktgebiet vertreten. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko bat die OSZE, ihre Mitarbeiter in der Ostukraine auf etwa 1500 aufzustocken, um die immer wieder zerbrechende Waffenruhe zu überwachen. Auch der Einsatz von Drohnen ist im Gespräch.

UN fordern Aufklärung von Menschenrechtsverstößen

Eine Verstärkung der OSZE-Beobachtermission stößt derzeit allerdings auf die Ablehnung der Separatisten. Sie befürchten, dass Erkenntnisse der OSZE-Beobachter dem ukrainischen Militär einen strategischen Vorteil verschaffen könnten, sagte Separatistenführer Miroslaw Rudenko in Donezk.

Nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros sind insgesamt mehr als fünf Millionen Zivilisten von dem Ukraine-Konflikt betroffen. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Prinz Said Raad al-Hussein, forderte die Konfliktparteien auf, die Waffenruhe "ernsthaft zu respektieren und aufrechtzuerhalten". Alle Angriffe auf Zivilisten und die zivile Infrastruktur müssten ein für alle Mal gestoppt werden. Der UN-Hochkommissar forderte außerdem, alle Menschenrechtsverletzungen rückhaltlos zu verfolgen, insbesondere Meldungen über den Beschuss von Zivilisten, Morde, mutmaßliche sexuelle Gewalt sowie die Misshandlung von Gefangenen müssten untersucht werden.

cw/sc (dpa, rtr, afp, epd)