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Flüchtlingskrise

Mehr als 2000 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer gerettet

Sie wollten in 19 Schlauchbooten und Holzschiffen von Libyen aus nach Italien gelangen. Bei dem Rettungseinsatz privater Hilfsorganisationen und der italienischen Küstenwache spielten sich dramatische Szenen ab.

Libyen Mittelmeer - Flüchtlinge von Schlauchboot gerettet (Reuters/D. Zammit Lupi)

Die Rettungsaktion fand rund 30 Kilometer vor der libyschen Küste statt

Insgesamt 2074 Menschen seien durch pausenlose Einsätze rund 30 Kilometer von der libyschen Küste entfernt in Sicherheit gebracht worden, teilte die italienische Küstenwache mit. Von einem der Boote habe ein junger Flüchtling nur noch tot geborgen werden können. Die Küstenwache beschrieb die Rettungseinsätze als "sehr schwierig".

Libyen Mittelmeer - Flüchtlinge von Schlauchboot gerettet (Reuters/D. Zammit Lupi)

Helfer sprangen ins Wasser, um die über Bord gegangenen Flüchtlinge zu retten

Auf Bildern des Reuters-Fotografen Darrin Zammit Lupi ist zu sehen, wie einige Flüchtlinge bei den Rettungsaktionen aus den Booten ins Wasser fielen und verzweifelt zu schwimmen versuchten. "In den 19 Jahren, in denen ich schon über Flucht berichte, habe ich noch nie so etwas miterlebt", sagte Lupi. Er war an Bord der Phoenix, einem Schiff der Hilfsorganisation Migrant Offshore Aid Station (MOAS), die an der Rettungsaktion beteiligt war.

Friedhof Mittelmeer

Mehr als die Hälfte der Geretteten - 1145 Menschen - wurde von zwei Rettungsbooten der Organisation Ärzte ohne Grenzen aufgenommen. Drei weitere Schiffe von Hilfsorganisationen sowie die Küstenwache nahmen ebenfalls Flüchtlinge auf. "Das Meer bleibt weiterhin ein Friedhof", schrieb Ärzte ohne Grenzen auf Twitter.

Die europäische Grenzschutzagentur Frontex hatte kürzlich den Einsatz der Rettungsschiffe privater Organisationen vor der libyschen Küste kritisiert, weil dadurch Menschen zur Flucht über das Mittelmeer ermuntert werden könnten. Diese Schiffe brächten Flüchtlinge "wie Taxis" nach Europa, kritisierte Frontex.

Ärzte ohne Grenzen wies diese Kritik klar zurück. In einer Twitter-Botschaft hieß es: "Wie viele Flüchtlinge wären heute losgefahren, wenn es uns hier nicht gäbe, Frontex? Wahrscheinlich genauso viele. Wie viele wären gestorben? Viel mehr."

Libyen Mittelmeer - Flüchtlinge von Schlauchboot gerettet (Reuters/D. Zammit Lupi)

Immer wieder geraten die völlig überfüllten Schlauchboote in Seenot

Vor allem Flüchtlinge aus Afrika, aber auch aus dem Nahen Osten, treten von Libyen aus die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer ins rund 300 Kilometer entfernte Italien an. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR fuhren in den ersten drei Monaten dieses Jahres bereits mehr als 24.000 Menschen von Libyen nach Italien. Im Vorjahreszeitraum waren es demnach lediglich 18.000. Mehr als 650 Menschen sind laut der Internationalen Organisation für Migration in diesem Jahr bei der Überfahrt ertrunken - oder sie gelten als vermisst.

Immer wieder kommt es zu Vorfällen

Erst am Donnerstag hatte es Berichte über ein gesunkenes Boot vor der libyschen Küste gegeben. Ein Sprecher der Küstenwache sagte, dass 97 Menschen vermisst würden und "wahrscheinlich tot" seien. 23 Menschen konnten aus dem Meer gerettet werden.

Nach Einschätzung internationaler Organisationen befinden sich derzeit zwischen 800.000 und einer Million Menschen in Libyen, die in die EU gelangen wollen. Die meisten von ihnen stammen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

rk/wa (rtr, afp, dpa)

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