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Asien

Mehr als 15.000 Tote und Vermisste in Japan

Japan kommt nicht zur Ruhe: Nach dem verheerenden Erdbeben werden immer noch Tausende Menschen vermisst. Derweil versuchen Helfer verzweifelt, einen Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima zu verhindern.

Eine ältere Japanerin trauert (Foto: AP)

In Japan ist die Zahl der Toten und Vermissten nach dem Erdbeben vom vergangenen Freitag auf mehr als 15.000 angestiegen. Offiziell seien bislang 5692 Tote registriert, wie der Fernsehsender NHK am Donnerstag (17.03.2011) unter Berufung auf die Polizei berichtete. 9506 Menschen würden weiterhin vermisst. Ein Großteil der Vermissten wird noch in den Trümmerbergen der vom Tsunami überschwemmten Siedlungen im Nordosten Japans vermutet. Die Rettungskräfte haben die Hoffnung praktisch aufgegeben, noch Überlebende zu finden.

"Wie ein Himmelfahrtskommando im Krieg"

Mit Hubschraubern und Wasserwerfern versuchten Helfer derweil, im weitgehend zerstörten Atomkraftwerk Fukushima 1 einen Super-GAU abzuwenden. Zunächst schütteten Militärhubschrauber Wasser auf die beschädigten Reaktoren 3 und 4, was die Strahlung jedoch kaum reduzierte. Später wurden auch Wasserwerfer der Armee eingesetzt. Zugleich ist die Betreiberfirma Tepco bemüht, das Kraftwerk wieder an die Stromversorgung anzuschließen, um die Kühlsysteme in Gang setzen zu können. Dazu verlegen Arbeiter ein neues Starkstromkabel.

Blick auf den beschädigten Reaktorblock 4 des Atomkraftwerks Fukushima (Foto: AP)

Der schwer beschädigte Reaktorblock 4 des Atomkraftwerks Fukushima I

Die Arbeit auf dem Reaktorgelände ist Experten zufolge extrem gefährlich. Die Techniker seien dort Strahlendosen ausgesetzt, die mindestens ihr Krebsrisiko deutlich erhöhten. "Ich weiß nicht, wie ich es anders sagen soll: Das ist wie ein Himmelfahrtskommando im Krieg", sagt Professor Keiichi Nakagawa aus der Radiologieabteilung der Tokioter Universitätsklinik.

Bislang ereigneten sich seit dem Erdbeben der Stärke 9,0 vom vergangenen Freitag vier Wasserstoffexplosionen und zwei Brände in vier der sechs Reaktoren von Fukushima 1. Wenn die Kühlsysteme nicht wieder in Gang gebracht werden, droht eine komplette Kernschmelze, durch die lebensbedrohlich viel Radioaktivität freigesetzt würde. Das Kraftwerk liegt rund 250 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio.

"Die Lage ist sehr ernst, aber stabil"

Eine junge Frau mit ihrem Kind auf dem Rücken vor einem Trümmerberg in der Stadt Ofunato (Foto: AP)

Zerstörung total und doch Hoffnung auf die Zukunft

Wegen des drohenden Austritts großer Mengen an Radioaktivität aus dem Kraftwerk riefen immer mehr Staaten ihre Landsleute auf, Tokio und den Nordosten Japans zu verlassen. Die französische Luftwaffe flog hunderte Staatsbürger nach Südkorea aus. Die USA mieteten ganze Flugzeuge für ihre Bürger an, der Markt für Flugtickets war so gut wie leergefegt.

Aufgrund der Entwicklungen in Fukushima 1 wird die deutsche Botschaft in Japan vorübergehend von Tokio nach Osaka verlegt. Von der Stadt im Südwesten der Hauptinsel Honshu werde die Beratung und Betreuung deutscher Staatsbürger fortgeführt, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Auch die Korrespondenten fast aller großen deutschen Medien haben die japanische Hauptstadt in Richtung Osaka verlassen.

Auch wenn es angesichts der verheerenden Situation in Japan fast dem Tropfen auf den heißen Stein gleichkommt: Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) wusste am Donnerstagabend immerhin zu berichten, dass sich die Situation im havarierten AKW Fukushima in den vergangenen 24 Stunden "nicht signifikant verschlechtert" habe. Sie sei, so sagte es Graham Andrew, ein Mitarbeiter von IAEA-Chef Yukiya Amano, "sehr ernst, aber relativ stabil".

Autor: Stephan Stickelmann (afp, dapd, dpa, rtr)

Redaktion: Dirk Eckert

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