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Afghanistan

Mehr als 140 Tote bei Überfall auf Militärbasis in Afghanistan

Nach dem bewaffneten Angriff auf einen Armeestützpunkt im Norden Afghanistans haben die Behörden die Zahl der Toten auf mindestens 140 erhöht. Auch die Zahl der Verletzten wurde nach oben korrigiert.

Sie tarnten sich mit Militäruniformen und attackierten einen Armeestützpunkt im relativ sicheren Norden Afghanistans: Radikalislamische Talibankämpfer haben einen Armeestützpunkt in der Provinz Balch gestürmt und mindestens 140 Soldaten getötet. Mindestens 160 weitere wurden nach offiziellen Angaben verletzt. Die etwa zehn Angreifer hätten sich als Soldaten verkleidet, sagte ein Sprecher. Alle Extremisten bis auf einen, der festgenommen wurde, seien nach stundenlangen Feuergefechten erschossen worden. Ein Mediziner bestätigte der Deutschen Welle auf Anfrage, dass er 135 Leichen und mehr als 155 Verwundete im Krankenhaus der Militäranlage gesehen habe. Viele davon seien in einem kritischen Zustand. 

Die Militärbasis Schahin liegt in der Nähe der Provinzhauptstadt Masar-i-Scharif. Erst am Abend war sie wieder unter Kontrolle der Regierungstruppen. Der Sprecher erklärte, die Verkleidung der Angreifer mit Uniformen habe es erschwert, sie von den anderen Soldaten zu unterscheiden. Deshalb habe das Feuergefecht so lange gedauert. Die Zahl der Toten könne sich noch erhöhen, da Sicherheitskräfte das Gelände noch absuchten, sagte er weiter.

Die Taliban waren nach Angaben des Regionalabgeordneten Sabihullah Kakar mit drei Militärfahrzeugen vorgefahren und hatten am Eingangstor eine Rakete gezündet, um sich Zugang zu verschaffen. Ihr erstes Ziel sei eine Moschee gewesen, in der sich Militärangehörige zum Freitagsgebet versammelt hätten. Ein Sprecher des US-Militärs sprach von einem "bedeutsamen" Schlag der Taliban.

Taliban reklamieren Angriff für sich

Der Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid teilte auf Twitter mit, mehr als 100 Soldaten seien getötet worden. Die Taliban-Kämpfer hätten eine Explosion ausgelöst, durch die sich Selbstmordattentäter mit Gewehren Zugang zu dem Stützpunkt verschafft hätten. "Unsere Kämpfer haben der afghanischen Armee schwere Verluste zugefügt", sagte er. 

Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte den "hinterhältigen Angriff" auf das Armeelager. Viele Opfer seien offenbar beim Freitagsgebet überrascht worden, teilte das Ministerium in Berlin mit. "Dieser Angriff wird an unserer Entschlossenheit, die Unterstützung für Afghanistan fortzusetzen, nichts ändern." 

Balch gehörte bislang zu den eher sicheren Provinzen Afghanistans. Dort ist die Kommandozentrale für den gesamten Norden des Landes. Die Bundeswehr hatte im Rahmen der NATO-Mission in Masar-i-Scharif ihr Feldlager. Seitdem die NATO den Kampf gegen die Taliban der einheimischen Armee überlassen hat, sind die internationalen Truppen nur noch zur Beratung und Ausbildung vor Ort. Von einst mehr als 5000 deutschen Soldaten sind nur noch rund 950 übrig, die meisten davon in Masar-i-Scharif.

Der Angriff vom Freitag war der zweite dieser Art auf eine Militäreinrichtung in den zurückliegenden Monaten. Für die erste Attacke auf ein Militärkrankenhaus in Kabul Anfang März hatte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" verantwortlich erklärt. Damals kamen 49 Menschen ums Leben, 76 wurden verletzt.

Video ansehen 00:27

US-Bombe tötet mindestens 90 IS-Kämpfer

Keine ausländischen Opfer

Deutsche oder andere ausländische Soldaten kamen nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam bei dem Angriff auf das Camp Schahin nicht zu Schaden. "Nach unserer Erkenntnis sind keine Deutschen betroffen. Auch andere Soldaten der multinationalen Truppe sind nicht zu Schaden gekommen", sagte ein Bundeswehr-Sprecher. Im Camp Schahin sind im Rahmen des NATO-Einsatzes "Resolute Support" rund 70 ausländische Militärberater tätig, darunter auch deutsche Soldaten. Auf einem NATO-Stützpunkt am anderen Ende der Stadt sind etwa 1600 Soldaten aus 20 Nationen stationiert, darunter 700 Deutsche.

Die Taliban hatten im November bereits einen schweren Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Scharif verübt. Damals fuhr ein Selbstmordattentäter mit einem mit Sprengstoff beladenen Lastwagen in die Außenmauer des Komplexes, die durch die Wucht der Explosion zerstört wurde. Durch den Anschlag wurden mehrere Afghanen getötet und mehr als 120 verletzt. Die Mitarbeiter des Konsulats blieben unversehrt.

kle/sti/mak (dpa, rtr, ape, afpe)

 

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