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Anti-IS-Einsatz in Syrien und im Irak

Mehr als 100 Zivilisten bei Angriff auf IS-Miliz getötet

Luftangriffe der internationalen Anti-IS-Koalition fordern immer mehr zivile Opfer. Neue Berichte gehen allein von 106 Toten bei zwei Luftschlägen auf den von der Terrormiliz kontrollierten syrischen Ort Majadan aus.

In Al-Majadan hat es offenbar vor allem die Familien von Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" getroffen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die sich auf ein Netzwerk von Informanten im Kriegsgebiet stützt, geht davon aus, dass fast die Hälfte der 106 Todesopfer Kinder sind. Die Raketen hätten mehrere Häuser in der seit 2014 von den Extremisten kontrollierten Ortschaft getroffen.

Zufluchtsort auch für IS-Kämpfer aus dem Irak

Einer der beiden Luftschläge hat laut den Angaben einem Verwaltungsgebäude gegolten. Dabei seien mindestens zehn IS-Kämpfer getötet worden, die meisten von ihnen Syrer und Marokkaner, aber auch viele Zivilisten, die vor den Bomben in das Gebäude geflüchtet seien. In Al-Majadin, nahe der irakischen Grenze, suchten in den vergangenen Monaten zahlreiche IS-Kämpfer aus dem Irak und aus der syrischen Stadt al-Rakka Zuflucht.

Eine von den USA geführte internationale Koalition fliegt seit September 2014 Luftangriffe gegen den IS in Syrien und im Irak. Sie unterstützt derzeit auch die Offensive einer von Kurden angeführten Allianz auf die nordsyrische IS-Hochburg Al-Rakka. Die Angreifer sind bis auf wenige Kilometer an die Stadt herangerückt.

Mehr als 1500 Zivilisten Opfer des Anti-IS-Kampfs 

Bereits vor den jüngsten Luftangriffen der Allianz hatten Aktivisten gemeldet, die Zahl getöteter Zivilisten bei Luftangriffen der Anti-IS-Allianz steige dramatisch an. Allein in Syrien seien dabei zwischen dem 23. April und 23. Mai 225 Zivilisten umgekommen, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Internetseite Airwars.org, für die ein in London ansässiger Zusammenschluss von Journalisten und Wissenschaftlern verantwortlich zeichnet, berichtet, noch nie seien seit Beginn der Luftangriffe so viele Zivilisten binnen zwei Monaten getötet worden wie im März und April dieses Jahres. Airwars-Direktor Chris Woods erklärte, die Daten seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump hätten einen "klaren Trend" nach oben ergeben. Vor allem in Syrien scheine der Schutz von Zivilisten reduziert worden zu sein. Das US-Militär hat dagegen immer wieder erklärt, die Einsatzregeln unter Trump nicht geändert zu haben.

Seit 2014 starben laut Schätzungen der syrischen Beobachtungstelle mehr als 1500 Zivilisten, darunter weit über 400 Kinder, bei Luftangriffen der Anti-IS-Koalition auf IS-Ziele. Erst am Donnerstag hatte das Pentagon eingeräumt, dass bei einem Angriff der Anti-IS-Koalition am 17. März auf ein Gebäude im nordirakischen Mossul unbeabsichtigt mehr als 100 Zivilisten ums Leben gekommen sind.

UN fordern besseren Schutz der Zivilbevölkerung

Die Vereinten Nationen haben eindringlich zu einem besseren Schutz von Zivilisten bei Luftangriffen gegen den IS aufgerufen. "Alle Staaten", die derartige Einsätze flögen, müssten "viel sorgfältiger darauf achten, zwischen legitimen militärischen Zielen und Zivilisten zu unterscheiden", teilte UN-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad Al Hussein in Genf mit.

Die Bevölkerung werde in dem Konflikt inzwischen von beiden Seiten attackiert, kritisierte Al Hussein. Dieselben Menschen, die unter wahllosem Beschuss und Massenhinrichtungen des IS litten, fielen auch den "eskalierenden Angriffen aus der Luft" zum Opfer. Es sei oftmals schwierig, die Verantwortlichen für Bombardements mit zivilen Opfern zu identifizieren, bemängelte Al Husseins Sprecher. Außerdem fehlten oft verlässliche Informationen.

qu/pg (dpa, afp, APE)