Meghan Markle wird Anglikanerin: Was sie über die ″katholisch-evangelische″ Kirche wissen sollte | Kultur | DW | 30.04.2018
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Kultur

Meghan Markle wird Anglikanerin: Was sie über die "katholisch-evangelische" Kirche wissen sollte

Die Anglikanische Gemeinschaft ist die drittgrößte Kirche weltweit. Prominentester "Neuzugang" ist Meghan Markle, die künftige Frau von Prinz Harry. Doch was genau sind die Markenzeichen der anglikanischen Kirche?

England fiebert einer königlichen Hochzeit entgegen. Heute heiratat Prinz Harry, der Enkel von Königin Elisabeth II., die US-Schauspielerin Meghan Markle. Am 6. März ließ sich Markle englischen Medien zufolge taufen und konfirmieren. Sie ist nun Mitglied der Kirche von England, also derAnglikanischen Gemeinschaft. Deren geistliches Oberhaupt Justin Welby, der Erzbischof von Canterbury, soll die Zeremonie vorgenommen haben.

Meghan Markle wuchs in einem protestantischen Elternhaus auf, besuchte jedoch eine katholische High School in Los Angeles. Die Schauspielerin bezeichnete sich selbst als protestantisch. So viel bekannt ist, wurde sie jedoch nie getauft. Ihr Vater gehört der US-Episkopalkirche an, die zur Anglikanischen Gemeinschaft gehört.

Königin Elisabeth II. mit Krone. Großbritannien Königin Elizabeth II. eröffnet das britische Parlamentsjahr mit der traditionellen Thronrede (Reuters/A. Grant)

Königin Elisabeth II. ist auch weltliches Oberhaupt der Kirche von England

Die Church of England ist die erste anglikanische Kirche - ihr weltliches Oberhaupt ist Queen Elisabeth II., also die Großmutter des Bräutigams. Dass Meghan Markle vor der Hochzeit dieser Konfession beitrat, war keineswegs verpflichtend. Sie nahm wohl aus Respekt vor der Queen den anglikanischen Glauben an.

Kirche der Reformation

Die Geschichte der Anglikaner begann im Spätmittelalter mit der Church of England. Sie ist die Mutterkirche der weltweiten Anglikanischen Gemeinschaft. "Sie ist auch eine Kirche der Reformation", sagt Reverend Christopher Easthill. "Vom Selbstverständnis her sagen wir, dass wir katholisch und reformiert sind. Katholisch, weil wir bei unserer Reformation sehr viel von der Struktur und der Liturgie der katholischen Kirche beibehalten haben." Reformiert seien die Anglikaner, weil sie in der Theologie vieles von den kontinentaleuropäischen Reformern übernommen hätten.

Rev. Easthill leitet "The Anglican/Episcopal Church of St. Augustine of Canterbury". Diese Gemeinde ist in Wiesbaden zuhause und hat rund 250 zumeist englischsprachige Mitglieder. Theologisch seien bei den Anglikanern weltweit von konservativ-anglokatholisch über liberal bis hin zu streng evangelikal verschiedene Richtungen vertreten.

Politik als Pate der Kirchengründung

"Bei der Gründung der Church of England hat die Politik eine große Rolle gespielt", sagt der Pfarrer. Zwischen König Heinrich VIII. (1491-1547) und dem Papst in Rom gab es seit 1529 Streit um die Rechtmäßigkeit der königlichen Ehen. Daraufhin sagten sich die englischen Bischöfe zwei Jahre später von Rom los. Sie erklärten, dass sie nicht länger im Papst, sondern in Heinrich das Oberhaupt der englischen Kirche sähen.

Heinrich VIII., Gemälde (Philip Mould Ltd.)

Heinrich VIII. - Kirchengründer nach Clinch mit dem Papst

Das war der Beginn der englischen Reformation. 1534 erließ das englischen Parlament schließlich ein Gesetz, das König Heinrich VIII. zum (weltlichen) Oberhaupt der Kirche in England machte. In dieser Tradition steht das englische Königshaus bis heute.

Allerdings sei Heinrich VIII. zu Beginn der Trennung noch "stramm katholisch" gewesen, unterstreicht Rev. Easthill. So habe er eine entschiedene Schrift gegen den deutschen Reformator Martin Luther und dessen Lehre verfasst. Daraufhin sei ihm vom Papst trotz der Trennung von Rom der Titel "Verteidiger des Glaubens" verliehen worden.

Leitfaden für das Glaubensleben

Ein eigenes Bekenntnis im Sinne einer Verfassung, das den Glauben inhaltlich definiert, hat die Church of England und damit auch die weltweite Anglikanische Gemeinschaft bis heute nicht entwickelt. Grundlage der Lehre ist allerdings seit 1549 das Book of Common Prayer (Buch des gemeinsamen Gebets). Diese Agende der Anglikanischen Kirche hat 39 Artikel, in denen Gebete, Sakramente, kirchliche Handlungen und Dienste festgeschrieben sind.

Großbritannien Canterbury, Kathedrale von Südosten (picture-alliance/akg-images/A. F. Kersting)

Kathedrale von Canterbury - Hauptkirche der Anglikaner

"Über das Book of Common Prayer und über die Liturgie hat man versucht, die Bevölkerung allmählich für die neue Kirche zu gewinnen", erzählt Rev. Easthill. Besonders die Tageszeitengebete – Morning Prayer und Evening Prayer – hätten die Menschen stark geprägt. "Es war der Versuch, die Menschen durch das immer gleiche Beten, die gleiche Form, den Gottesdienst zu feiern, auf den neuen Glauben für das Königreich einzuschwören. Und das ist auch gut gelungen."

Anglikaner auf dem gesamten Globus

Heute zählen zur Anglikanische Gemeinschaft weltweit rund 80 Millionen Gläubige. Damit nimmt sie Platz drei nach der römisch-katholischen Kirche (1,2 Milliarden) und der orthodoxen Kirchengemeinschaft (ca. 280 Millionen) ein. Die Kirche von England hat nach seriösen Schätzungen zwischen 20 und 22 Millionen Mitglieder. Statistische Erhebungen gibt es nicht.

The Anglican/Episcopal Church of St. Augustine of CanterburyWiesbaden Anglikanische Gemeinschaft (Elisabeth Pickersgrill)

Rev. Easthille in seiner englisch-amerikanischen Gemeinde in Wiesbaden

Am stärksten verbreitet ist die anglikanische Kirche selbstredend in den englischsprachigen Gebieten und den Ländern des Commonwealth. Einzelne Gemeinden, wie die von Rev. Christopher Easthill in Wiesbaden, gibt es in zahlreichen Ländern.

Während die Zahl ihrer Mitglieder in den Ländern der südlichen Erdhalbkugel stark steigt, ist der Trend in den westlichen Industrieländern umgekehrt. Immer mehr Menschen kehren der anglikanischen Kirche den Rücken. Immerhin hat sie mit Meghan Markle seit dem 6. März nun ein prominentes Mitglied mehr – die künftige Frau des Prinzen Harry von Wales.

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