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Politik

Megawati oder der Ex-General?

In einer Stichwahl haben die Indonesier erstmals in der Geschichte des Landes direkt über ihren künftigen Präsidenten abgestimmt. Noch gibt es kein Ergebnis. DW-WORLD stellt den Kandidaten und die Kandidatin vor.

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Endspurt im indonesischen Präsidentschafts-Wahlkampf

Zur Wahl am 20.9.2004 standen die derzeitige Amtsinhaberin Megawati Sukarnoputri und ihr früherer Sicherheitschef, Ex-General Susilo Bambang Yudhoyono.

Yudhoyono hatte schon in der ersten Runde der Wahl im Juli 2004 die meisten Stimmen gewonnen, die absolute Mehrheit aber verfehlt, weshalb die Stichwahl erforderlich wurde. Zwar räumen die Meinungsforscher dem ehemaligen General die größten Chancen ein, doch sind Überraschungen nicht auszuschließen. Schon im ersten Wahlgang hatte Präsidentin Megawati weit mehr Stimmen errungen, als man ihr zugetraut hatte. Beide Kandidaten gelten als gemäßigte Politiker muslimischen Glaubens, die im bevölkerungsreichsten islamischen Land der Welt für eine friedliche Koexistenz aller Religionen eintreten.

Wahlberechtigt waren rund 155 Millionen registrierte Wähler. Das offizielle Ergebnis wird erst in etwa zehn Tagen erwartet. Erste Ergebnisse wurden noch am Montag oder Dienstag erwartet. Mehr als 140.000 Polizisten waren im Einsatz, um einen ruhigen Verlauf zu garantieren.

Symbol des Widerstands

Die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri, Jakarta

Die Präsidentin: Megawati Sukarnoputri

Im Jahre 1947 wurde Megawati in eine der mächtigsten indonesischen Familien hineingeboren. Nach dem zweiten Weltkrieg führte ihr Vater Sukarno das Land in die Unabhängigkeit und wurde der erste Präsident der Republik Indonesien. Als dessen Tochter symbolisierte sie später in den Augen vieler Indonesier den Aufbruch in eine neue Zeit nach den 32 Jahren der Militärdiktatur unter Präsident Suharto.

Megawati schloss sich 1987 - nach langem Zögern - der Opposition gegen das autoritäre Regime an. Durch ihren bekannten Namen wurde sie bald zu einem Symbol des zivilen Widerstands. In den ersten freien Parlamentswahlen des Landes nach Suhartos Abgang im Mai 1998 gewann Megawatis Partei die meisten Stimmen. Die Nationalversammlung, das parlamentarische Oberhaus, die den Präsidenten bis zur Änderung des Wahlgesetzes 2004 wählte, verweigerte ihr jedoch das Amt zu Gunsten Abdurrahman Wahids. Megawati wurde deshalb zunächst nur dessen Vizepräsidentin.

Nachdem Wahid aufgrund eines Amtsenthebungsverfahren wegen Inkompetenz und Korruption im Juli 2001 den Präsidentensessel räumen musste, übernahm Megawati schließlich den Platz an der Staatsspitze. Heute hat die Präsidentin die zügellose Korruption, steigende Arbeitslosigkeit und die wachsende Bedrohung durch islamistische militante Gruppen noch immer nicht unter Kontrolle. Gerade bei den "kleinen Leuten" Indonesiens hat sie dadurch an Gunst verloren.

Vielleicht ist es aber auch ihr fehlendes Charisma, das die Menschen so enttäuscht hat. Anstatt mit starker Hand Reformen im Land durchzusetzen, delegiert sie viele Aufgaben an Minister ihres Kabinetts. Dem internationalen und innenpolitischen Druck nach den Bombenanschlägen auf Bali im Jahr 2002 schien sie nicht gewachsen. Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen im Juli 2004 landete sie vielleicht auch deshalb nur auf dem zweiten Platz hinter Yudhoyono.

Der "denkende General"

General Susilo Bambang Yudhoyono

Der Herausforderer: Susilo Bambang Yudhoyono

Präsidentschaftskandidat Susilo Bambang Yudhoyono, besser bekannt unter seinem Kürzel "SBY", hat das Image eines integren Mannes mit großen kommunikativen Fähigkeiten. Nach den Anschlägen auf Bali profilierte er sich als starker Mann in Krisenzeiten. Seitdem zählt er zu den wenigen indonesischen Politikern, die den Krieg gegen den Terrorismus ernst zu nehmen scheinen. Der in den Medien als der "denkende General" bekannte Yudhoyono begann seine Karriere während der Zeit des Militärregimes. Trotz seiner Vergangenheit wurden jedoch keine Vorwürfe gegen ihn erhoben. Seine Anhänger sagen, dass er nicht zum inneren Kreis jener militärischen Befehlshaber gehörte, die während der Diktatur für Gewaltausschreitungen und Menschenrechtsverletzungen verantwortlich waren.

Im Jahr 2000 verließ er die Armee, um als Minister die Regierung Abdurrahman Wahid zu unterstützen. Präsidentin Megawati ernannte ihn dann zum Minister für innere Sicherheit. Nach einem öffentlichen Disput mit ihr verlies Yudhoyono aber seinen Posten. Diese Entscheidung zahlt sich nun aus. Obwohl er als Mitglied der mittlerweile sehr unpopulären Regierung tätig war, sehen ihn jetzt viele Indonesier als Opfer derselben. Yudhoyono genießt seitdem den Ruf eines Mannes mit Prinzipien. Dies könnte für einen Wahlsieg ausschlaggebend sein.

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