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Wirtschaft

Mega-Pleite am Himmel

Die größte Pleite der Luftfahrtbranche ist perfekt. Am Montag (9.12.2002) stellte die US-Fluggesellschaft United Airlines Insolvenzantrag. Davon betroffen ist auch der United-Partner Lufthansa.

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Kaum ein Hoffnungsschimmer am Horizont für United Airlines

Nach dem Kollaps der europäischen Airlines Sabena und Swissair hat es nun den US-Riesen United Airlines erwischt. Seit Monaten schon kämpfte die zweitgrößte amerikanische Fluggesellschaft ums Überleben. Ständig verhandelte United Airlines mit den Gewerkschaften über Lohnkürzungen und mit der Regierung über Finanzhilfen. Dann kam die Hiobsbotschaft aus Washington. Die US-Regierung lehnte am Mittwoch (4. Dezember 2002) staatliche Kreditgarantien für die angeschlagene Airline ab. Das von United vorgelegte Sanierungskonzept sei unrealistisch und die beantragten 1,8 Milliarden Dollar Kreditgarantien stellten ein zu großes Risiko für die Steuerzahler dar, erklärte die zur Unterstützung der US-Fluggesellschaften gegründete Behörde ATSB.

Umstruktierung oder endgültiger Kollaps

Damit hing das Überleben der traditionsreichen Airline mit Sitz in Chicago am seidenen Faden. "Das wird ganz eng für United", beschrieb Robert Halver von Vontobel Asset Management bereits vor wenigen Tagen im Gespräch mit DW-WORLD die Situation der Fluggesellschaft. Für ihn und andere Experten zeichneten sich zwei Szenarien ab. "Entweder United Airlines bekommt Gläubigerschutz und wird refinanziert und umstrukturiert, oder die Gesellschaft geht in Konkurs", sagt Hans Huff, Luftfahrt-Analyst der Bankgesellschaft Berlin im Interview mit DW-WORLD.

Ein Insolvenzantrag unter Kapitel elf des US-Konkursrechts schützt das Unternehmen vor Klagen seiner Gläubiger während es versucht, seine Finanzen in Ordnung zu bringen und sich umzustrukturieren. Ein Konkursverfahren ist allerdings keine Garantie fürs Überleben einer Gesellschaft. US-Fluggesellschaften wie Continental und America
West haben es überstanden, Pan Am und Midway nicht. Für Passagiere von United und den Star Alliance-Partnern wird der Insolvenzantrag vorerst folgenlos bleiben. Alle Flüge der Gesellschaft werden bis auf weiteres fortgeführt, die Tickets bleiben gültig.

Folgen für Star Alliance

Als wichtigster Partner von United im gemeinsamen Luftfahrtbündnis Star Alliance ist auch die deutsche Lufthansa von der Pleite betroffen. "Die Allianz könnte etwas aus den Fugen geraten", betonte Halver. "Im Fall einer Pleite müssten Lufthansa und Star Alliance sich nach einem neuen US-Partner umsehen." Denn durch einen Ausfall von United entstünde für das international erfolgreichste Luftfahrtbündnis ein großer weißer Fleck auf der Weltkarte.

Zwar dürfte es für die in Europa sehr gut aufgestellte Lufthansa nicht schwer sein, einen Ersatz-Partner zu finden, aber ein schwerer Schlag für die Allianz wäre das komplette Aus von United in jedem Fall. Zudem würde ein Konkurs von United Lufthansa nach Einschätzung von Airline-Analyst Huff im kommenden Jahr bis zu 80 Millionen Dollar kosten.

Weniger US-Verbindungen

Doch selbst wenn United gerettet würde, hätte das Konsequenzen für die deutsche Fluggesellschaft. Denn das Streckennetz der US-Linie würde bei einer Umstrukturierung drastisch zusammen gestrichen werden. "Allerdings wären die für die Lufthansa wichtigsten Verbindungen in den USA davon am wenigsten betroffen, weil sie noch zu den profitabelsten gehören", erläutert Huff.

Ob United nun tatsächlich Pleite geht oder nicht doch noch umstrukturiert und gerettet wird, ist selbst für Experten schwer zu beantworten. "Herr Bush kann die zweitgrößte Fluggesellschaft nicht einfach so Pleite gehen lassen, weil das in einem großen Land wie den USA auch gesamtwirtschaftliche Folgen hätte", glaubt Vontobel-Analyst Halver und ergänzt: "Die US-Regierung hat zwar Staatsgarantien abgelehnt, aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten wie Teilbürgschaften, um United zu helfen." Zudem hält es Airline-Experte Huff für möglich, dass sich auch die Lufthansa an der Rettung von United in Form von abgesicherten Kredite in Höhe von 200 Millionen Dollar beteiligen könnte.

Ausleseprozess geht weiter

Ungeachtet des Ausgangs der aktuellen United-Krise geht die Luftfahrtbranche insgesamt schweren Zeiten entgegen. Denn der Ausleseprozess der Airlines, der sich mit dem Einbruch der Passagierzahlen infolge des 11. Septembers beschleunigt hat, ist noch lange nicht abgeschlossen. Weitere Pleiten dürften daher nur eine Frage der Zeit sein.

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