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Wirtschaft

Mega-Börsengang in China

Die Agricultural Bank of China ist als letzte der vier großen Staatsbanken der Volksrepublik in Schanghai an die Börse gegangen. Es ist einer der größten Börsengänge aller Zeiten.

Börse Shanghai (Foto: AP)

Die Agricultural Bank of China geht an die Börse - erst in Shanghai, dann in Hongkong

Menschen stehen vor einem Stand der Industrial and Commercial Bank of China in Hongkong (Foto: AP)

Ein Run wie auf die Aktien der Industrial and Commercial Bank of China wird diesmal nicht erwartet

Die Agricultural Bank of China hat bei ihrem Börsendebüt am Donnerstag (15.07.2010) rund 19,3 Milliarden US-Dollar eingenommen. Damit bleibt der Börsengang hinter dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2006 zurück, als die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) 21,9 Milliarden Dollar erlöste. Wenn allerdings die Mehrzuteilungsoptionen von 15 Prozent noch eingelöst werden, könnte die Agricultural Bank auch diese Marke noch übertreffen.

Doch ob der Börsengang nun als der größte oder der zweitgrößte in die Geschichte eingeht, ist für Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, nicht von Bedeutung: "Es ist immer noch eine wahnsinnig große Summe. Und es ist als Erfolg zu werten, dass man das in diesen schwierigen Zeiten schafft, eine Bank an die Börse zu führen. Ich glaube, das würden man in Europa oder den USA im Moment nicht schaffen."

Reform der Staatsbanken vollendet

Eine Filiale der Bank of China in Fuzhou (Foto: dpa)

Die Bank of China hat sich 2006 für die Finanzmärkte geöffnet

Mit diesem Börsengang wird auch ein Schlussstrich unter die Reform der chinesischen Staatsbanken gezogen. Die Zentralregierung pumpte Milliarden in die Banken, um sie von den Lasten der faulen Kredite zu befreien. Die Agricultural Bank galt als die schwächste der vier Banken und wurde deshalb als letzte aufs Börsenparkett gehievt.

Mit staatlicher Unterstützung wurde der Anteil fauler Kredite bei der Agricultural Bank von 24 Prozent im Jahr 2007 auf unter drei Prozent 2009 gesenkt. Die Bank besitzt über 23.000 Filialen, mehr als jede andere Bank auf der Welt. 320 Millionen Menschen zählen zu ihren Kunden, mehr als die USA an Einwohnern haben.

Diese Kunden befinden sich, wie der Name der Bank bereits verrät, größtenteils in ländlichen Gebieten. Der chinesische Staat will so die Entwicklung ländlicher Regionen fördern. Die Agricultural Bank ist angehalten, den Kreditzins an Bauern niedrig zu gestalten. Das offenbart wieder einmal das alte Dilemma der chinesischen Staatsbanken: Kommerzieller und effizienter sollen sie werden; gleichzeitig müssen sie sich an die politischen Vorgaben halten.

Börsengang mit großer Symbolik

Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (Foto: dpa)

Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken

Dass trotz aller Widrigkeiten an den Finanzmärkten an dem Mega-Börsengang nicht gerüttelt wurde, werten viele Beobachter als Zeichen der Entschlossenheit der Pekinger Regierung, der Welt damit ein Signal zu setzen. Bankenpräsident Andreas Schmitz sieht darin ein Zeichen, dass die chinesische Wirtschaft sich in einer sehr guten Entwicklung befinde, dass sie sich auch weiter den Finanzmärkten öffne. "Und dass sie es schafft, auch in ihre Banken Kapital zu bringen, auch von dritter Seite, nicht nur vom chinesischen Staat, und sie damit auch attraktiv macht."

Allerdings fiel der Börsenstart schwächer aus als erwartet. Nach Börsenschluss in Schanghai am Donnerstag lag die Aktie nur 0,75 Prozent über dem Ausgabepreis. Analysten hatten mit Aufschlägen
zwischen fünf und 15 Prozent gerechnet.

Wirtschaft boomt, Kurse fallen

Bauarbeiter in Shanghai (Foto: AP)

Der Bausektor trägt maßgeblich zum chinesischen Boom bei

Während die Wirtschaft im Reich der Mitte boomt und im ersten Quartal 2010 zweistellig gewachsen ist, weist die chinesische Börse eine schlechte Performance auf. Um mehr als ein Fünftel ist der Shanghai Composite-Index seit Jahresanfang eingebrochen. Wie passt das überhaupt zusammen? "Das passt insofern zusammen, dass man natürlich immer einen Zyklus sieht", sagt Andreas Schmitz. Börsen nähmen eine wirtschaftliche Entwicklung mindestens ein halbes Jahr oder ein Jahr voraus, so dass die Entwicklung des ersten Quartals sich in den Börsenzahlen des ersten Quartals 2009 hätten wiederfinden müssen. "Ich glaube, das ist gesund, auch nach den doch heftigen positiven Kursbewegungen der letzten Jahre würde ich das nicht überbewerten", so Schmitz weiter.

Tatsächlich folgt der Bärenmarkt in China einer starken Rallye, die 2009 fast zu einer Verdoppelung des Shanghai-Composite-Index geführt hatte. Das ist aber nur ein geringer Trost für die Unternehmen, die für dieses Jahr einen Börsenstart geplant haben. Während die Agricultural Bank ihren Plan auch mit Unterstützung der Regierung durchzog, sagen andere ihren Börsengang ab. Das jüngste Beispiel: Xinjiang Goldwind, der zweitgrößte Windturbinenhersteller in China. Damit ist innerhalb von zwei Monaten für fünf chinesische Unternehmen der Börsentraum vorerst geplatzt.

Autorin: Zhang Danhong
Redaktion: Andreas Becker

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