1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Meerwasser soll wachsenden Durst stillen

Wachsende Bevölkerungszahlen in Europa und steigende Temperaturen setzen den ohnehin überbeanspruchten Wasserressourcen zu. Entsalzungsanlagen werden vermehrt als Lösung gesehen.

default

Entsalzungsanlagen finden in Europa immer mehr Zuspruch

Londons Wetter lässt einen zuerst an graue, bedeckte Tage denken, die von regelmäßigen Niederschlägen, selten aber von Sonnenschein unterbrochen werden. Aber trotz der reichlichen Feuchtigkeit, die ein Tag in England mit sich bringt, beginnt die britische Metropole auszutrocknen. Angesichts der wachsenden Einwohnerzahl und steigender Temperaturen zeichnet sich eine Wasserknappheit ab.

Um dem künftigen Bedarf zu entsprechen, investiert das deutsche in London ansässige Wasserversorgungsunternehmen Thames Water 300 Millionen Euro, um die erste Entsalzungsanlage der Stadt zu bauen. Das Werk wird Brackwasser aus dem Fluss in Trinkwasser umwandeln.

Herausforderungen für die Wasserwirtschaft

Laut Thames Water ist die Nachfrage nach Wasser in London in den letzten zwei Jahrzehnten um 15 Prozent gestiegen und das Wachstum wird nicht aufhören. Prognosen zufolge wird die Einwohnerzahl der Stadt bis 2016 um 800.000 wachsen. Gleichzeitig führen wachsender Wohlstand und ein Trend zu Single-Haushalten in der Stadt zu erhöhtem Wasserverbrauch, während höhere Temperaturen zu weniger Niederschlag führen.

"Dies sind die großen Herausforderungen, die wir anpacken müssen", sagt Nick Tennant, Sprecher des Werks im Gespräch mit DW-WORLD. "Mittelfristig brauchen wir diese Entsalzungsanlage, um Lastspitzen bewältigen zu können, vor allem im Sommer und in Trockenperioden."

Thames Waters neue Anlage, die im Sommer 2008 in Betrieb genommen werden soll, wird täglich 150 Millionen Liter entsalzen und Wasser für fast 900.000 Menschen bereitstellen können. Sie wird auf dem Prinzip der Umkehrosmose basieren, bei der Wasser durch eine Membran geleitet wird, um Salz und andere Unreinheiten zu entfernen.

Wachsende Beliebtheit, fallende Preise

Entsalzungsanlage auf Mallorca

Entsalzungsanlage versorgen heute schon Golfplätze am Mittelmeer

Der Entsalzungsmarkt wächst und soll Ausgaben von 95 Milliarden Dollar (77 Milliarden Euro) vom 2005 bis 2015 generieren, vorwiegend im Nahen Osten. Entsalzungsanlagen werden in wasserarmen Regionen immer beliebter, weil sie ökologisch gesehen weniger aufdringlich sind als der Bau von Pipelines über Hunderte von Kilometern über das Land. Die Umleitung von Wasser aus Flüssen und anderen Gewässern kann einen Einfluss auf sensible Ökosysteme haben.

Noch vor zehn Jahren hätte entsalztes Wasser viel mehr als etwa geklärtes Flusswasser gekostet. Aber die Entsalzungstechnologie ist besser geworden, während die Kosten für die Klärung von Oberflächenwasser gestiegen sind. Der Trend setzt sich fort - der Preis für die Umwandlung von Salz- in Süßwasser fällt jedes Jahr um etwa vier Prozent.

Dennoch ist entsalztes Wasser immer noch teurer als herkömmlich geklärtes Wasser. Deswegen ist die Methode keine Option für ärmere Länder. Umweltschützerverbände warnen davor, Entsalzungsanlagen als Ideallösung für den heutigen und zukünftigen Wasserbedarf weltweit zu sehen. Ihr Bau ist teuer und ihr Betrieb schluckt viel Energie.

"Notwendig für die Zukunft"

Nick Tennant von Thames Water meint, wassersparende Maßnahmen seien nicht genug, um den künftigen Bedarf zu erfüllen. Was die Vorwürfe von Verschwendung und Unwirtschaftlichkeit betrifft, entgegnet er, dass das Wasserversorgungsunternehmen dabei sei, die offenkundig undichten unterirdischen Rohrsysteme zu erneuern, von denen ein Drittel noch aus dem viktorianischen Zeitalter stamme.

Für immer mehr Regionen werden Entsalzungsanlagen immer wichtiger werden. An Spaniens Ostküste werden die neuen Anlagen Wasser bereitstellen für touristische Bauvorhaben in Milliardenhöhe, die vor allem aus neuen großen Golfplätzen bestehen. Dieses neue Florida in Spanien, wie es die Marketingabeilung nennt, ist eine sehr durstige Gründung.

Die Redaktion empfiehlt