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Europa/Zentralasien

Medyanik und Akadyrow aus der Ukraine

Ein Land im Ausnahmezustand - welche Rolle spielen Journalisten in dem aktuellen Konflikt? Teilnehmer eines DW Akademie-Trainings schildern die Herausforderungen für ukrainische Journalisten.

Konstantin Medyanik aus Charkiw und Zair Akadyrow aus Simferopol haben im April 2014 an einem DW Akademie-Training über Wahlberichterstattung teilgenommen. Während des fünftägigen Workshops in Kiew wurden insgesamt 28 Journalisten aus allen Teilen der Ukraine darin trainiert, die Präsidentschaftswahlen ausgewogen und kritisch zu begleiten. Konstantin Medyanik, 25 Jahre, arbeitet für die Nachrichtenagentur "Aktualna Prawda". Zair Akadyrow, 31, ist Krimtatare und arbeitet als freiberuflicher Journalist für verschiedene Print- und Onlinemedien. Seit Ausbruch der Unruhen hat sich ihre Arbeitssituation stark verändert, wie sie im Interview mit der DW Akademie erzählen.

Konstantin Medyanik freier Journalist aus Charkiw Ukraine (Foto: privat).

Konstantin Medyanik aus Charkiw

Wie schätzen Sie die derzeitige Situation der Medien in der Ukraine ein?
Konstantin Medyanik: Bis 2015 sollten alle großen Medienunternehmen fest in der Hand von Janukowitsch und seinen Gefolgsleuten - der "Familie" - sein. Doch die Maidan-Proteste haben einiges geändert. Gefragt ist nun eine faire Berichterstattung und keine korrupten Medien. Trotz russischer Propaganda haben sich ukrainische Journalisten bemüht, objektiv über die Maidan-Geschehnisse zu berichten. Fakt bleibt jedoch, dass die ukrainischen Massenmedien nur dann unabhängig arbeiten können, solange sie finanziell unabhängig sind. Offenbar trifft das aber nur für sehr wenige ukrainische Medien zu. Was die Situation in Charkiw angeht, so ist Journalismus eine "brotlose Kunst". Der Werbemarkt ist nicht groß und die Massenmedien gehören lokalen Oligarchen. Aus meiner Sicht wäre es wichtig, wenn hier Onlinemedien entwickelt und in sie investiert werden würde. Sie könnten zu einer wichtigen Informationsquelle für die Region werden.

Zair Akadyrow freier Journalist aus der Krim Ukraine (Foto: privat)

Zair Akadyrow aus Simferopol

Zair Akadyrow: Ich finde nicht, dass die aktuellen Ereignisse positive Auswirkungen auf die Massenmedien gehabt haben. Viele gute Journalisten bleiben ohne Arbeit, da die großen Medienunternehmen mit ihren redaktionellen Vorgaben weiterhin die Berichterstattung beeinflussen. Insbesondere auf der Krim hat sich in den vergangenen Monaten die Situation der unabhängigen Medien stark verschlechtert. So können die ukrainischen Fernsehsender nicht mehr ausstrahlen und wurden durch russische ersetzt. Die Lokalredaktionen der populären überregionalen ukrainischen Zeitungen "Komsomolskaja Prawda" und "Vesti" wurden ebenfalls geschlossen. Es bleiben einige wenige Internetplattformen, welche die Krim-Bevölkerung mit ausgewogener Berichterstattung versorgen.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen für ukrainische Journalisten?
Medyanik: Die Sicherheit - Journalisten werden täglich von verschiedenen Gruppierungen angegriffen. Im Donezk-Gebiet wurden sogar einige Journalisten als Geiseln genommen.
Akadyrow: Das Lebensrisiko ist in der Tat in den vergangenen Monaten stark gestiegen - insbesondere im Osten der Ukraine. Außerdem sind die Beschäftigungsverhältnisse oftmals sehr prekär: Das Gehalt bekommt man in Briefumschlägen, einen Kündigungsschutz gibt es nicht.

Teilnehmer des Workshops Wahlberichterstattung in Kiew (Foto: DW Akademie/Mathias Bölinger).

Teilnehmer des Workshops über Wahlberichterstattung

Was konnten Sie aus dem Workshop der DW Akademie über Wahlberichterstattung mitnehmen?
Medyanik: Insbesondere im Bereich von Datenjournalismus habe ich viel Nützliches gelernt, beispielsweise wie ich Infografik erstelle. Das hilft mir bei der Wahlberichterstattung.
Akadyrow: Mir waren in erster Linie die Gespräche mit den Trainern der DW Akademie sehr wichtig, die mir Antworten auf eine ganze Reihe von Fragen geben konnten. Dabei fand ich es besonders spannend, wie europäische Medienansätze und Erfahrungswerte in der Ukraine umgesetzt werden können.

Während des Workshops sind Journalisten aus dem ganzen Land zusammengekommen. Was konnten Sie voneinander lernen?
Medyanik: Durch die Gespräche mit meinen Kollegen konnte ich mehr über die Lage in den verschiedenen Regionen der Ukraine erfahren. Und viele interessante Kontakte knüpfen.
Akadyrow: Ich habe den Austausch mit den Kollegen auch sehr genossen. Für unseren Beruf ist das sehr wichtig, So konnten wir Informationen über die Ereignisse in den Regionen aus erster Hand bekommen.

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