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Fokus Osteuropa

Mediziner-Streit um Ursachen der Verstümmelungen eines russischen Soldaten

Im Militärgericht in Tscheljabinsk dauert der Prozess wegen eines misshandelten Rekruten einer Panzerschule an. Moskauer Ärzte meinen, die schweren Körperverletzungen seien auch auf ärztliche Kunstfehler zurückzuführen.

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Andrej Sytschow ist heute Invalide.

Das Interesse für ein Ereignis, das Anfang des Jahres die russische Gesellschaft erschüttert hatte, geht langsam zurück. Es handelt sich um die Tragödie des Rekruten Andrej Sytschow, dem wegen schwerer Misshandlungen in der Armee Beine und Genitalien amputiert werden mussten. Nun aber gibt es Meldungen, wonach einige der schweren Verstümmelungen des Soldaten auf Fehler der behandelnden Ärzte zurückzuführen sein sollen. Ärzte aus dem Moskauer Krankenhaus Burdenko, die vor Gericht wegen der Kameradenmisshandlungen in der Panzerschule Tscheljabinsk aussagten, bezeichneten die Behandlungsmethoden ihrer Kollegen aus Tscheljabinsk als unprofessionell. Doch die Ärzte aus Tscheljabinsk, die Andrej Sytschow behandelten, sind von ihrer Unschuld überzeugt. Sie nannten die Moskauer Ärzte "Beamte mit Schulterklappen", die nur die Befehle des Verteidigungsministeriums ausführten.

Argumente der Uralärzte

Die Spezialisten des Krankenhauses in Tscheljabinsk erklärten, dass Andrej Sytschow am 6. Januar in einem äußerst lebensbedrohlichen Zustand ins Krankenhaus gebracht worden sei. Es wurden bei ihm sowohl eine Nekrose des linken Beines als auch eine beginnende Nekrose der Genitalien und des rechtes Beines festgestellt. Die von den Ärzten gestellte Diagnose sei eindeutig gewesen: Gangräne und Positionsdrucksymptom. Laut den Tscheljabinsker Ärzten seien Diagnostik und Behandlung fehlerfrei verlaufen: die ärztlichen Visiten seien regelmäßig durchgeführt und alle Beschlüsse im Kollegium gefasst worden. Im Krankenhaus sei bei der Behandlung Sytschows moderne medizinische Technik verwendet worden. Während des Krankenhausaufenthaltes des Soldaten seien zudem ständig Militärärzte zugegen gewesen.

Die Mitarbeiter des Krankenhauses in Tscheljabinsk protestierten gegen die Erklärung der Moskauer Kollegen, die schweren Folgen für Andrej Sytschows Gesundheit seien nicht allein dadurch entstanden, dass der Soldat drei Stunden lang in der Hocke verharren musste, während seine Beine geschlagen wurden. Sie entgegnen, es gäbe keine Beweise für eine angeborene Venenentzündung und Genmutation bei Sytschow. Die Uralärzte konnten allerdings auch nicht die Frage beantworten, was das Positionsdrucksymptom verursachte habe. Sie sind der Meinung, dass dies das Gericht feststellen müsse.

Klärung vor Gericht

Am Mittwoch (23.8.) bestätigte ein unabhängiger Zivilarzt im Gericht die Diagnosen der Ärzte von Tscheljabinsk: Gangräne und Positionsdrucksyndrom. Die Frage, ob Andrej Sytschow eine Nekrose des Gewebes hatte, wurde bejaht. Der Arzt erklärte auch, dass das Positionsdrucksymptom vom langen Verbleib in einer und derselben Lagerung verursacht worden sein könne.

Zuvor waren ein Hämatologe und ein Anästhesist des Moskauer Krankenhaus Burdenko angehört worden. Sie waren der Meinung, dass ein Grund der Invalidität Sytschows eine Venenentzündung gewesen sei. Gleichzeitig seien entsprechend der Expertengutachten aber die schweren Verstümmelungen auch dadurch verursacht worden, dass der Rekrut mehrere Stunde lang in der Hocke verharren musste.

Maxim Berezhnow, Tscheljabinsk
DW-RADIO/Russisch, 23.8.2006, Fokus Ost-Südost

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