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Kultur

Medizin-Nobelpreis für deutschen Krebsforscher

Der Deutsche Harald zur Hausen bekommt zusammen mit den Aids-Entdeckern Luc Montagnier und Francoise Barré-Sinoussi den Medizin-Nobelpreis. Geehrt wird zur Hausen für die Erforschung von Gebärmutterhalskrebs.

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Der deutsche Krebsforscher Harald zur Hausen

Er sei völlig überrascht gewesen, sagt Professor Harald zur Hausen. Der Anruf des Nobelpreiskomitees kam für den 72-Jährigen ganz und gar unvorbereitet. Und auch die beiden französischen Forscher, Luc Montagnier und Francoise Barré-Sinoussi rechneten, wie sie sagen, überhaupt nicht mit dem Nobelpreis. Alle drei haben eines gemeinsam: Sie sind Virologen. Alle drei haben sie Viren entdeckt, die für weit verbreitete, tödliche Krankheiten verantwortlich sind.

Harald zur Hausen, der 20 Jahre lang (bis 2003) das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg leitete, erkannte schon sehr früh, dass bestimmte Viren Krebs auslösen können. Mit dieser These erntete er bei seinen Kollegen lange Zeit Hohn und Spott.

Zelle in 3D

Gebärmutterhalskrebszelle

Anfang der 80er Jahre gelang es Harald zur Hausen, verschiedene Virus-Typen, so genannte Papillom-Viren, aus einer Gebärmutterhalskrebs-Probe zu isolieren. Gebärmutterhalskrebs gilt als zweithäufigste Krebsart bei Frauen. Dank dieser Entdeckung wurde es möglich, einen Impfstoff gegen die Krankheit zu entwickeln.

In Europa ist der Impfstoff Gardasil seit September 2006 auf dem Markt, genau ein Jahr später folgte Cervarix. Mit diesen beiden Medikamenten soll der Schutz vor Gebärmutterhalskrebs auslösenden Papillomviren fast 100 Prozent betragen. Bedingung ist allerdings, dass junge Mädchen vor dem ersten sexuellen Kontakt geimpft werden.

Krebs ist eine der häufigsten und tödlichsten Krankheiten. Eine andere ist die Immunschwächekrankheit Aids. Weltweit sind über 33 Millionen Menschen infiziert. Die meisten von ihnen in Afrika, südlich der Sahara. Ausgelöst wird Aids durch das HI-Virus. Entdecker dieses Erregers ist Luc Montagnier. 1983 isolierte der heute 76-Jährige als erster Forscher das Virus. Dafür wurde er jetzt mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Luc Montagnier erfuhr davon in der Elfenbeinküste, in der Hauptstadt Abidjan und spricht von einem starken Signal für den Kampf gegen Aids.

Medizin-Nobelpreis an Aidsforscher

Elektronenmikroskopische Aufnahme mehrerer Aidsviren

Luc Montagnier, der auch „Vater des Virus“ genannt wird, musste sich jedoch in den 80er Jahren einen langen und harten Rechtsstreit mit dem amerikanischen Forscher Robert Gallo liefern. Dieser beanspruchte für sich, das Virus als Erster entdeckt zu haben. Der Prozess, der auf höchster politischer Ebene geklärt wurde, endete mit einem Vergleich. Erst Jahre später gab Robert Gallo schließlich zu, dass Montagnier doch der wahre Entdecker des HI-Virus ist. Luc Montagnier widmet sein gesamtes Leben der Aids-Forschung.

Ebenso Francoise Barré-Sinoussi, die gemeinsam mit Luc Montagnier mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird. Die 61-jährige arbeitete lange mit Montagnier am renommierten Institut Pasteur in Paris und war maßgeblich an der Entdeckung des Aids-Virus beteiligt. Dennoch rechnete Barré-Sinoussi mit allem möglichem, wie sie in einer ersten Reaktion sagte - aber niemals mit dem Nobelpreis.

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