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Sport

Meditation mit Koeffizienten

Ob Fußball nun ein einfaches oder fürchterlich kompliziertes Spiel ist, bleibt als philosophische Frage auf immer unbeantwortet. Beim UEFA-Koeffizienten sieht das anders aus. Der ist kompliziert. Und wichtig.

Mark van Bommel

Auch als Schalker sollte man sich freuen, wenn ein Niederländer für Bayern gegen Spanier trifft

Tabellen haben für Fußballfans einen ganz eigenen, annähernd erotischen Reiz. Stundenlang können sie über Zahlenkolonnen meditieren, je nach Grad der Abhängigkeit und aktueller Situation des Herzensklubs. Nicht nur Saisonaktuelles, auch Historisches kann sexy sein. Annährend jeder Fan dürfte sich schon beim Brüten über Ewigen Tabellen erwischt haben. Selbst schwere Fälle befassen sich aber selten mit der Fünfjahreswertung der UEFA. Dabei ist sie entscheidend für die Vergabe der Europapokal-Plätze. Sie ist entscheidend für die Entwicklung der nationalen Ligen. Aus ihr lassen sich langfristige Trends ablesen. Wenn man sie denn verstehen würde.

Das Prinzip

Im Prinzip geht es in der UEFA-Fünfjahreswertung darum, die Plätze in der Champions League und dem UEFA-Cup nach Ländern zu vergeben - ein Aufreger-Thema im europäischen Fußball, wie man wissen muss. Nur wer in den internationalen Wettbewerben dabei ist, verdient wirklich Ruhm und Scheine. Wer also mitspielt, will dabei bleiben. Die anderen, kleineren wollen aber auch ein Stück vom Batzen und der neue UEFA-Chef Michel Platini wurde unlängst vor allem wegen des Versprechens in sein Amt gewählt, die europäischen Vereinswettbewerbe zu Gunsten der kleineren Fußballverbände zu reformieren.

Als alles gut war: Bayern gewinnt die Champions League 2001 in Mailand

Als alles gut war: Bayern gewinnt die Champions League 2001

Je höher ein Land in der UEFA-Fünfjahreswertung steht, desto mehr Vereine aus dessen Liga dürfen international zu spielen. Länderpunkte erspielen die Vereine in der Champions League, dem UEFA-Pokal und den jeweiligen Qualifikationen zu diesen. Ein Sieg gibt zwei Punkte, einen Unentscheiden einen. Einen Punkt gibt es auch für einen Sieg im Qualifikationsspiel, einen halben für ein Unentschieden. Für die Teilnahme an der Champions League gibt es noch mal drei Extrapunkte, für das Erreichen des Achtelfinales und jeder weiteren Runde noch mal einen Bonuspunkt. Im UEFA-Cup gibt es Extrapunkte ab dem Viertelfinale.

Der rumänische Atem im Nacken

Die so erreichten Punkte aus den letzten fünf Jahren werden zusammengezählt, durch die Zahl der teilnehmenden Vereine geteilt - und schon hat man den Länderkoeffizienten. Für Deutschland sieht es momentan gar nicht gut aus. Spanien, England, Italien, selbst Frankreich sind weit enteilt, zu bescheiden waren die internationalen Vorstellungen der deutschen Mannschaften in den letzten Jahren. Deutschland hält sich mit hauchdünnem Vorsprung auf Rang fünf, mit dem heißen Atems Portugals und Rumäniens im Nacken.

Ob die ermittelte Tabelle gerecht ist, kann man durchaus kontrovers diskutieren. "Einen Witz" findet Karl-Heinz Rummenigge in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender von Bayern München, dass Rumänien seine Punkte vor allem im UEFA-Cup sammelt und damit die bayerischen Besitzstände gefährdet. Der rumänische Alt-Internationale Ion Lupescu, heute Generaldirektor des rumänischen Fußballverbandes, glaubt hingegen, dass alles mit rechten Dingen vor sich geht. Rummenigge habe vergessen, "dass mit Hertha BSC und dem Hamburger SV zwei deutsche Vereine gegen rumänische ausgeschieden sind."

Drei von Sieben, Zwei von Drei

Werder Bremen vs. Ajax Amsterdam - BdT

Grün-weiß ist die Hoffnung: Bremen hält im UEFA-Cup die Fahne hoch

In der Tat tun diese Niederlagen natürlich besonders weh. Deutschland hat momentan (21.2.) 41,935, Rumänien 40,165 Punkte. In dieser Saison sind die deutschen Vereine schon wieder nur mäßig erfolgreich: Gerade mal drei von sieben Mannschaften sind mit dem Beginn der K.o.-Runden noch dabei. Ende der Saison wird dann auch noch das gute Ergebnis von 2001/2002, in der Leverkusen das Champions-League-Finale und Dortmund das UEFA-Cup-Endspiel erreichten, durch das der aktuellen Saison ersetzt; ein Abrutschen scheint möglich. Noch zwei von drei rumänischen Mannschaften sammeln Punkte im UEFA-Cup.

Ein Rückfall von Platz fünf auf sechs würde nur die nationale Fußballehre kratzen, ab Rang sieben geht es um mehr: Ein Champions-League-Platz würde wegfallen, die Konsequenzen wären für die ganze Bundesliga spürbar: Nur noch der Meister hätte einen Platz in der Geldvermehrungsmaschine Champions League sicher, der Vize müsste in die Qualifikation, der Dritte in den UEFA-Cup. Es wäre weniger Geld in der Liga, weniger Wettbewerb, weniger Attraktivität, weniger Zuschauer und damit noch weniger Geld.

Gewinnen hilft

Es lohnt sich also für jeden Fan eines deutschen Vereins, den verbleibenden Mannschaften die Daumen zu drücken: Die Bayern den Bremern, die Bremer den Bayern und alle den Leverkusenern. Auch wenn man die UEFA-Fünfjahreswertung nicht ganz verstanden hat: Gewinnen hilft nämlich auf jeden Fall. Und wenn Deutschland dadurch seinen Koeffizienten verbessert, kann man die UEFA-Tabelle auch den Zahlenerotikern empfehlen. Zumindest den harten Fällen.

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