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Reise

Meditation im Thermalbad

In den Aachener Carolus Thermen bieten Seelsorger einen besonderen Service an: Saunabesucher können an einer kostenlosen Meditation teilnehmen. Das Angebot kommt gut an.

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Keine Liege bleibt frei

Hannah Retzlaff hängt ein Schild an die Glastüren des Wintergartens der Carolus Thermen: "Meditation. Bitte nicht stören." Zwölf Saunabesucher ruckeln sich auf ihren gepolsterten Holzliegen zurecht und schließen die Augen. "Willkommen zur Körperentspannung. Ich komme vom Team für Freizeitpastoral im Bistum Aachen." Die Stimme der Meditations-Begleiterin klingt warm und ruhig. "Ich bitte Sie jetzt, eine für Sie angenehme Körperhaltung zu finden. Registrieren Sie, dass sich der Brustkorb sanft hebt und senkt."

Zuständig für Wellness-Pilgerer

Kurbad in Aachen

Aachen ist für sein Kurbad bekannt

Die Idee, Thermal- und Saunabadenden kostenlose Meditationen anzubieten, hatte die Initiatorin Barbara Baumann beim Neubau der Aachener Carolus Thermen vor vier Jahren: "Es gibt zwar Kurseelsorger, aber niemanden, der sich um die Leute kümmert, die in Wellnesstempel pilgern, um körperlich und seelisch wieder ins Gleichgewicht zu kommen", so die damalige Referentin für den Bereich "Kirche in der Gesellschaft" im Bistum Aachen.

Werner Schlösser, Geschäftsführer der Carolus Thermen, war zunächst skeptisch: "Klar steht auch geistige Entspannung in unserem Programm, aber wir hatten da eher an Yoga gedacht." Doch schon bald war bei den Meditationen keine Liege mehr frei. Der Erfolg des Projekts hat alle überrascht: Mittlerweile nehmen mehr als 300 Teilnehmer Woche für Woche an den 24 Meditations-Terminen teil. Geschäftsführer Schlösser ist inzwischen begeistert und würde die Anzahl der Termine am liebsten verdoppeln, wenn es weitere Meditations-Begleiter gäbe.

Jeder hat seine eigene Methode

Statt um Religiöses geht es bei den Thermen-Meditationen um Wasser und Wärme, Licht und Geborgenheit - Themen, die zu einem Wellnessbad passen. Manche der 21 ehrenamtlichen Mitarbeiter sind buddhistisch ausgerichtet, andere naturreligiös, ein evangelischer Pfarrer ist dabei, katholische Theologen, aber auch zwei Konfessionslose.

Jeder hat seine eigene Methode: Manche bieten Fantasiereisen an, andere Körperentspannung, es gibt Klangschalenmeditationen und Experimente mit Mantras. Meditation bedeute, sich wieder auf das zu besinnen, was einem wichtig sei, erklärt die Projekt-Verantwortliche Barbara Baumann den Teilnehmern. Viele von ihnen haben nie zuvor eine Meditation mitgemacht.

Kirche contra Esoterik-Szene

Deutschland Dom in Aachen

Blick auf das Aachener Münster am Domplatz

Kritische Anfragen kommen selten und dann vor allem aus der Kirche. Ausgerechnet in Zeiten, in denen Kirchen sparen müssen, bietet ihr denen, die sich den teuren Thermen-Besuch leisten können, ein zusätzliches Angebot, schimpfen frisch geweihte Priester. "Dank der Ehrenamtlichen entstehen kaum Kosten", kontert Baumann.

Im Bedürfnis nach Wellness stecke auch der Wunsch nach Orientierung, Ruhe und Sinn. "Mit unseren Entspannungsübungen und Fantasiereisen wollen wir diejenigen anregen und begleiten, die Entschleunigung suchen und ihrer Seele etwas Gutes tun wollen", sagt Baumann. Die Kirchen müssten endlich begreifen, dass im Thema Wellness mehr drinstecke als "Wellnepp" wie ayurvedischer Joghurt und dürften diesen Bereich nicht ausschließlich der Esoterik-Szene überlassen.

Nichtstun ist in Ordnung

Hannah Retzlaff hat ihre Reise durch den Körper beendet. Die Teilnehmer räkeln und strecken sich. Eine Frau berührt die Mitarbeiterin leicht am Arm: "Still zu werden, fällt mir leichter, wenn ich Ihre Stimme höre. Ich hör zwar nicht immer genau zu, aber für mich hat Ihre Stimme die Botschaft: Es ist völlig in Ordnung, dass ich jetzt einfach nichts mache und nur daliege. Herrlich." (epd/pg)

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