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Politik

Medien und Konfliktprävention

Auf einer zweitägigen Konferenz in Bonn, veranstaltet von der Deutschen Welle, haben Journalisten, Mitarbeiter von NGOs, EU- und UN-Vertreter darüber diskutiert, wie Medien in Konfliktgebieten unterstützt werden können.

Zwei Journalisten heben bei ihrem Gang durch Nadschaf die Arme, um nicht beschossen zu werden. Quelle:AP

Zwei Journalisten heben bei ihrem Gang durch Nadschaf im Irak die Arme, um nicht beschossen zu werden

"Eine der wichtigsten tamilischen Tageszeitungen brachte auf Seite eins die Großaufnahme von fünf toten tamilischen Jungen. Allen war in den Kopf geschossen worden. Man konnte die Einschusslöcher sehen. Ich habe den Chefredakteur der Zeitung angerufen und gefragt: Warum haben Sie diese Bilder veröffentlicht? Und er sagte: Wir mussten die Wahrheit sagen", erzählt Johan Romare aus Sri Lanka. Die Wahrheit ließ sich nur mit den Bildern der toten Jungen beweisen. Denn alle anderen Zeitungen hatten berichtet, die fünf seien Terroristen gewesen, die sich selbst aus Versehen in die Luft gesprengt hätten. Die tamilische Zeitung schickte ihre Fotografen in die Leichenhalle, um diese offizielle Darstellung zu widerlegen.

Einer der Fotografen wurde kurz darauf ermordet. Für alle Journalisten in Sri Lanka stand danach fest: "Einer der entscheidenden Punkte für die weitere Entwicklung in Sri Lanka ist die Frage, wie die lokalen Medien darüber berichten. Deshalb wollten die einheimischen Journalisten ein Zentrum für Journalismus gründen", sagt Johan Romare vom Institute for Further Education of Journalists. Seine Organisation half dabei, die erste Journalistenschule Sri Lankas aufzubauen.

Sicherheit der Journalisten muss Priorität haben

Auf einem Bürgersteig liegt Dinks Leichnam, der mit einem weißen Tuch bedeckt wurde. Ein Blutfleck breitet sich darauf aus. Ein Polizist läuft über den Bürgersteig. Quelle:AP

In der Türkei wurde im Januar der Journalist Hrant Dink ermordet

Die Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen und Medien sehen viele Experten als Schlüssel für dauerhaft erfolgreiche Medienarbeit in Konfliktgebieten an. Aber das Beispiel zeigt auch, dass eine gute Ausbildung allein nicht genügt, um unabhängige Berichterstattung zu sichern. Aidan White von der International Federation of Journalists sagt: "Vertrauen in die Medien entsteht in erster Linie, wenn Medien mit einer gewissen Sicherheit und Unabhängigkeit arbeiten können. Die Sicherheit von Medien und Journalisten muss deshalb immer erste Priorität haben."

Doch gerade dies ist häufig Illusion. Stattdessen riskieren Journalisten in vielen Konfliktgebieten ihr Leben oder kämpfen zumindest gegen Einflussnahme von außen. Nicht nur Regierungen, auch Geldgeber aus der Wirtschaft oder anderen Ländern versuchen häufig, Journalisten zu manipulieren. Bedingungen, die von außen oft unterschätzt würden, meint White. "Wir haben in den vergangenen 20 Jahren die Erfahrung gemacht, dass sehr oft der Gedanke vorherrscht, für eine nachhaltige Medienentwicklung genüge es, ein paar Journalistenseminare abzuhalten. Als ob ein paar Tage in einer sicheren und professionellen Umgebung dafür sorgen könnten, dass sich die Medienlandschaft in einem Land nachhaltig verändert." Ein langer Atem und viel Unterstützung von außen seien stattdessen notwendig.

Berichterstattung muss gründlich recherchiert sein

James Miller steht mit einem Militärhelm an seiner Kamera. Quelle: AP

Der britische Journalist James Miller starb bei seiner Arbeit im Gaza-Streifen

Und noch eine Voraussetzung müsse gegeben sein, wenn Medienarbeit zur Lösung von Konflikten beitragen solle: Gründliche Recherche im Vorfeld. Ansonsten können Projekte nicht erfolgreichen laufen. Darcy Christen von der Fondation Hirondelle über Erfahrungen in Timor-Leste: "Wir haben wirklich geglaubt, wir würden unser Projekt in einer Nachkriegssituation starten und hätten Zeit, in Ruhe einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufzubauen. Wir hatten nicht erwartet, wenig später in einen neuen Konflikt gezogen zu werden. Der Krieg hat gerade erst begonnen. Wenn wir das früher erkannt oder genauer analysiert hätten, wären wir vielleicht erfolgreicher gewesen."

Auch die Berichterstattung muss sich auf die wesentlichen Punkte konzentrieren und gründlich recherchiert sein, meint Professor Johan Galtung, Friedensforscher und Gründer des Zentrums Transcend. Um Konflikte zu lösen, sei es notwendig, die Vorgeschichte und damit die eigentliche Ursache zu begreifen. Dann könnten Medien durchaus auch Perspektiven zur Lösung aufzeigen. Sein Appell an die Journalisten lautet daher: "Mehr Vergangenheit bitte, mehr Zukunft bitte. Befreiung vom fieberhaften Gegenwartismus."

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