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Globale Zusammenarbeit

Medien sollen traumatisierten Frauen eine Stimme geben

Weibliche Opfer von Gewalt kommen in den Medien viel zu selten zu Wort. Journalisten müssen mehr tun, um ihnen ihre Stimme zurück zu geben. Doch manchmal ist diese Berichterstattung sogar ein Risiko für die Opfer.

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"Kriegsbeute" Frauen - eine Aktion von medica mondiale

"Ich erwarte von Journalisten, dass sie mich nicht in Gefahr bringen", sagt Esther Mujawayo beim Deutsche Welle Global Media Forum. Die Soziologin und Therapeutin stammt aus Ruanda und hat dort schon viel Ignoranz von Seiten ausländischer Journalisten erlebt. So habe ein bekannter französischer Reporter während des Bürgerkriegs in Ruanda versucht, Leute auf der Straße nach ihrer Situation zu befragen. "Aber das Militär begleitete ihn ständig. Wer ihm eine ehrliche Auskunft gegeben hätte, wäre sofort umgebracht worden", erklärt Esther Mujawayo.

Esther Mujawayo (Foto: GMF)

Esther Mujawayo

Ihr Mann und ihre Eltern fielen dem Genozid in Ruanda zum Opfer. Doch sie hat nicht aufgegeben: Zusammen mit anderen Witwen gründete sie einen Selbsthilfe-Verein, der heute mehr als 25.000 Mitglieder zählt. "Etwa 80 Prozent dieser Witwen wurden vergewaltigt - und viele von ihnen sogar absichtlich mit HIV infiziert", sagt Esther Mujawayo.

Empathie ist unverzichtbar

Wie können Journalisten mit Frauen sprechen, die ein solches Trauma erlebt haben, ohne sie weiter zu traumatisieren? Und sollen sie es überhaupt? "Als Journalist sollte man sich zuerst fragen, ob dieses Interview unbedingt nötig ist", meint Sybille Fezer von der Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale. "Wenn die Informationen auch anderswo zu bekommen sind - zum Beispiel bei einer Nicht-Regierungsorganisation - ist das manchmal der bessere Weg." Wenn es aber um die Geschichte der Frau selbst geht, sei es vor allem wichtig, Empathie zu zeigen, sich sehr viel Zeit zu nehmen und ihr das Gefühl zu vermitteln, dass sie die Kontrolle über das Gespräch hat.

"Und bei der Berichterstattung soll diese Frau nicht nur als Opfer dargestellt werden, sondern in erster Linie als der Mensch, der sie ist, mit Zielen, Träumen und einer ganz persönlichen Lebensgeschichte", sagt die ehemalige Journalistin Sybille Fezer. Das Bild der Frau als typisches Opfer sei immer noch sehr verbreitet - auch in der deutschen Presse.

Verhöhnte Opfer

Amanda Camilo Ibarra (li) und Imelda Marrufo Nava (re) (Foto: DW)

Amanda Camilo Ibarra (li) und Imelda Marrufo Nava (re)

In der mexikanischen Presse komme es sogar zu frauenfeindlichen Falschdarstellungen, die Opfer von brutalen Morden verhöhnen. Darüber spricht die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Imelda Marrufo Nava aus Ciudad Juarez, einer Stadt, in der seit Jahren der Drogenkrieg tobt und Hunderte von Frauen umgebracht wurden.

"In der Lokalpresse wird es so dargestellt, als hätten diese Opfer zu den Drogenkartellen gehört", sagt Imelda Marrufo Nava. In Wirklichkeit gehe es um eine gezielte Tötung von Frauen. "Manche lokalen Medien spiegeln die Mentalität, dass Frauen wertlos seien, und diese Macho-Kultur kostet Menschenleben."

Mit Falschdarstellungen wurde auch Amanda Camilo Ibarra konfrontiert. Einige Medien aus ihrem Heimatland Kolumbien unterstellten, dass ihre Menschenrechtsorganisation mit den Guerilla-Truppen zusammenarbeiten würde: "Dadurch sind Medien zu einem Risiko für Menschenrechtsaktivisten geworden."

Doch überall auf der Welt gibt es auch mutige Journalisten, die den Opfern gerecht werden wollen. Menschenrechtsaktivistin Imelda Marrufo Nava erzählt von Rosa Isela Perez aus Ciudad Juarez, die als Erste Kontakt mit den Familien der ermordeten Frauen aufgenommen hat. Ihren Einsatz für die Menschenrechte musste sie aber mit Morddrohungen und Repressionen bezahlen. Heute lebt sie im Exil.

Autorinnen: Alexandra Scherle / Naomi Conrad
Redaktion: Hans Spross / Wim Abbink