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Pressemappe

Medien in Afghanistan

Kabul – Die Medien in Afghanistan befinden sich zwischen Liberalisierung und erneuter Repression. Nach dem Sturz der Taliban war die Medienlandschaft in Afghanistan zunächst aufgeblüht. Doch der Staat tut sich schwer.

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Träumen von der großen Karriere: "Afghan Star"-Teilnehmerin Lima Sahar in der populären Show von Tolo TV in Kabul

Journalisten hatten zunächst große Freiräume. Aus dem Radio „Sharia“ der „Gotteskrieger“ wurde wieder der staatliche Sender Radio Television Afghanistan (RTA), der neben Nachrichten auch wieder Musikprogramme ausstrahlte. Rund 300 Zeitungen entstanden, 14 erscheinen täglich, sowie sieben Nachrichtenagenturen, darunter die landesweit meist genutzte, unabhängige Nachrichtenagentur „Pajwok“. In den vergangenen Jahren kamen 90 private Radio- und 20 TV-Anbieter hinzu, darunter große Stationen wie Radio Arman und Tolo TV (2004) sowie Ariana Television Network (2005), die westliche TV-Formate für die afghanische Gesellschaft adaptierten und sich großer Beliebtheit erfreuen. In Polit-Sendungen auf Tolo müssen sich die afghanischen Eliten ungewohnt harten Interviewfragen stellen. Shows wie „Afghan Star“ (eine Art afghanisches „Deutschland sucht den Superstar“), orientalische Hitparaden im MTV-Stil und eine Reihe von Bollywood-Serien werden nicht nur als bloße Unterhaltung, sondern als Ausdruck einer neuen Freiheit und Weltläufigkeit empfunden. Private Medien treten selbstbewusst auf, haben sich als Machtfaktor etabliert. Tolo-Chef Saad Mohseni etwa hat mit der „Mobi Capital Group“ ein Medienimperium aufgebaut, zu dem Tolo und Radio Arman gehören, ebenso eine Produktionsfirma. Und die paschtunische Bevölkerung erreicht er mit dem Sender Lemar. Ähnliches gilt für Ariana TV, hinter dem die mächtige Mobilfunkfirma „Afghan Wireless“ und die einflussreiche Bayat-Foundation stehen. Das Mediengesetz ist ein neuralgischer Punkt: Im Spätsommer 2006 ersetzte Karsai den liberalen Informationsminister Said Makhtoom Raheen durch den islamistischen Abdelkarim Khorram. Dadurch kam es zu politischen Auseinandersetzungen zwischen dem Parlament auf der einen, Minister und Präsident auf der anderen Seite um ein neues, restriktiveres Mediengesetz. Khorram wollte die Pressefreiheit wieder beschneiden, die unter Raheen angestrebte Unabhängigkeit von RTA aufheben. Das Parlament entschärfte den Entwurf – das Mediengesetz ist jedoch bis heute nicht in Kraft getreten. Seit wenigen Wochen ist nun der alte Informationsminister wieder der neue: Raheen wurde als Minister vom Parlament bestätigt. Die DW-AKADEMIE beteiligt sich seit 2002 mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des Auswärtigen Amts und mit Hilfe der EU-Kommission am Aufbau freiheitlicher Medienorganisationen in Afghanistan. Ein langfristiges Ziel: der Umbau des staatlichen Senders Radio Television Afghanistan (RTA) in eine öffentlich-rechtliche Anstalt. In einem Großprojekt von Juni 2005 bis Ende 2006 unterstützte die DW den Aufbau einer internationalen TV-Nachrichtenredaktion. DW-TV produzierte zunächst Weltnachrichten für RTA in Dari und Paschtu in Berlin, im August 2006 übernahm RTA dies in Eigenregie. Im Sommer 2007 konzentrierte sich die DW auf Medientrainings im Norden des Landes, schulte Techniker von RTA und Privatstationen, mit denen die DW verstärkt zusammenarbeitet. 2008 wurden junge Redakteurinnen und Redakteure sowie Inlandskorrespondenten von Ariana TV geschult. Medienmanager von Ariana, Tolo und weiteren privaten Fernsehsendern sowie von RTA besuchten ein Management-Seminar in Berlin und Bonn. 2009 hat die DW afghanische Radio- und TV-Journalisten in Wahlberichterstattung trainiert. Die Radioprogramme der DW in den Landessprachen Dari und Paschtu sind seit 40 Jahren in Afghanistan über Kurzwelle zu empfangen, heute auch über einen eigenen UKW-Sender in Kabul, via Satellit und als Teil des ausgeweiteten Internetauftritts. Seit 2007 produziert DW-RADIO täglich ein 30-minütiges Hörfunkmagazin mit Berichten, Reportagen und Interviews zum zivilen Aufbau Afghanistans. Autor: Florian Weigand Redaktion: Berthold Stevens