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Kultur

Medien als Kriegshelfer?

Aufruhr in Hollywood. Robert Redford und Oliver Stone kritisieren öffentlich die Bush-Regierung wegen einer möglichen Einflussnahme auf Film und Fernsehen.

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Studio-Bosse, strammgestanden!

In Hollywood wächst die Sorge, dass sich Washington zu stark in den kreativen Prozess einmischen könnte. Bush schickte kürzlich seinen Berater Karl Rove zu den Studiobossen. Gemeinsam wurde darüber diskutiert, welchen Beitrag die Unterhaltungsindustrie bei der Kriegsführung und Terrorismusbekämpfung leisten könne. Dabei ging es auch um Truppenunterhaltung in Übersee und Bekanntmachungen im Fernsehen, etwa um freiwillige Helfer anzuwerben. Hollywood werde keine Propaganda machen, versicherte Rove anschließend, und es werde den Filmemachern auch niemand in die Inhalte reinreden.

Robert Redford hinterfragt die Absichten Washingtons. "Wenn es ihnen nicht um Inhalte geht, um was dann?" Er vermutet: "Entweder spielt sich hier etwas sehr Heimtückisches oder etwas potenziell Gutes ab". Jerry Bruckheimer, der Produzent des Kriegs-Spektakels "Pearl Harbor", will abwarten. "Wenn sie von Zensur reden, wäre das nicht gut", sagte er. Wenn die Studios allerdings moralischen Auftrieb leisten wollen, dann sei er dafür. Regisseur Oliver Stone wirft der Regierung Zensur vor. Bereits der Wunsch der Politiker, Amerika in positiver Weise zu präsentieren, sei eine Form der Kontrolle.

MTV Arabia

Limp Bizkit

Fred Durst, Sänger von Limp Bizkit, beim MTV Europe Music Award 2001. (AP Photo/Bernd Kammerer)

Einen ähnlichen Wunsch richtet die Regierung an den Musiksender MTV. Ihr Interesse: MTV soll den muslimischen Teenagern ein positives Amerika-Bild vermitteln und das Image der Amerikaner aufpolieren. Für solche Botschaften bietet sich der Sender geradezu an: Sein Programm kann bereits in weiten Teilen des Mittleren Ostens empfangen werden. In Indien und Pakistan hat MTV schon die Herzen der Jugendlichen erobert – jetzt soll das Netz noch weiter gespannt werden. Bislang gibt es nur eine arabische TV-Show namens "Mashawar" – ein Vollprogramm für die arabischen Staaten wäre wünschenswert. Die Internationale Ausgabe von MTV läuft derzeit nämlich nur zensiert.

Es sieht ganz danach aus, als würde der Popkultur-Kanal dem Wunsch der Regierung nachkommen. In einer ersten Konferenz mit den Tochtersendern in aller Welt wurde darüber nachgedacht, wie man den Dialog zwischen MTV-Zuschauern im Osten und den USA fördern könnte. Die Propagandamaschine kommt ins Rollen. Amerika will die jugendlichen Muslimen für sich gewinnen. Ob die Unterhaltungsindustrie dabei helfen wird, ist auch eine Frage des Geldes. Daran soll's nicht liegen. Washington wird den Geldhahn mit Sicherheit aufdrehen.

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