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Wirtschaft

Medellín - von der Drogenmetropole zum urbanen Vorbild

Im einst berüchtigten Medellín in Kolumbien findet in diesen Tagen das regionale Weltwirtschaftsforum (WEF) statt. Die Teilnehmer lernen eine Stadt kennen, die sich neu erfindet. Manuela Kasper-Claridge aus Medellín.

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Weltwirtschaftsforum in ehemaliger Drogenmetropole

Ihre rote Weste leuchtet schon von Weitem. Jeaneth Perez Hoguin passt auf, dass in der Comuna 13 alles seine Ordnung hat. Freundlich beantwortet sie Fragen von Touristen, die es nach oben auf 1800 Meter Höhe geschafft haben. Kleine Häuser und Baracken quetschen sich an die Berge über Medellin. Die Comuna 13 ist eine Attraktion. Viele wollen sehen wie das Viertel, das einst durch Mord und Totschlag berühmt wurde, heute aussieht. Jaeneth hat noch die schlechten Zeiten erlebt. Darüber zu sprechen, fällt ihr sichtbar schwer. Ihr Onkel und ihr Bruder wurden ermordet.

"Die Polizei hat sich nicht hier rein getraut. Oft war es so, dass in den Häusern Leichen lagen, wegen der Drogenkriege, aber keiner hat sie rausgeholt." Dann lenkt sie schnell ab. "Schauen Sie mal die schönen Rolltreppen und da die Blumen. Jetzt ist alles anders", sagt die 36-jährige Mutter von vier Kindern.

Kolumbien Weltwirtschaftsforum Lateinamerika in Medellin

Es kann losgehen: Das Weltwirtschaftsforum zu Gast in Medellín/Kolumbien

Rolltreppen beförderten die Wende

Tatsächlich ist der Wandel erstaunlich. Moderne Rolltreppen führen heute in die hoch gelegenen Viertel, die früher Slums waren. Eine Seilbahn bringt die Menschen nach ganz oben. Und eine blitzsaubere U-Bahn durchzieht die Stadt. Dorthin, wo Menschen leben, die früher nur mit Mühe am Leben in Medellin teilhaben konnten. Heute kann jeder die Schule oder seinen Arbeitsplatz mühelos erreichen. Die Investitionen in die Infrastruktur haben die Stadt sichtbar modernisiert und lebenswerter gemacht.

"Medellíns Wandel in den letzten zwei Jahrzehnten ist ein beeindruckendes Beispiel für eine erfolgreiche urbane Innovation im 21. Jahrhundert", erklärt das Genfer Weltwirtschaftsforum (WEF) und setzt den Bürgermeister der Stadt, Frederico Gutierrez Zuluaga, während der Tagung gleich auf mehrere Podien. Der smarte Mittvierziger, ein Ingenieur und Vollblutpolitiker, treibt den Wandel der Stadt seit seinem Amtsantritt im Januar dieses Jahres weiter voran. Die Förderung von Kultur und Bildung steht auf seinem Programm, aber auch der weitere Ausbau der Infrastruktur.

Party auf der Plaza Botero

Am Eröffnungsabend empfängt er die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums in der Innenstadt auf der Plaza Botero, benannt nach dem berühmten kolumbianischen Maler, der für diesen Park in der Altstadt dreiundzwanzig seiner voluminösen Skulpturen gespendet hat. Medellín ist Boteros Heimatstadt.

"Die Wahl von Medellín als Tagungsort für das Weltwirtschaftsforum zu Lateinamerika ist mutig, aber absolut richtig. Es müssen nicht immer die Hauptstädte sein", sagt Francesco Starace, Chef des italienischen Energiekonzerns Enel im Gespräch mit der DW. Er ist extra aus Rom eingeflogen, um hier über die Chancen für die gesamte Region zu diskutieren. Und die seien vielfältig, zeigt sich Starace überzeugt. Über 500 Teilnehmer werden in Medellín zum WEF erwartet: Unternehmenschefs, Vertreter der Zivilgesellschaft und Politiker, darunter zahlreiche Staatschefs.

Schaut auf diese Stadt

"Alle Leute schauen auf Medellin und sagen: Wenn das ganz Land so wäre, würde es uns gut gehen", betont Thomas Voigt, Chef der deutsch-kolumbianischen Handelskammer im Gespräch mit der DW. "Doch eine Stadt allein reicht nicht für die Wende. In den letzten 10 Jahren haben die Kolumbianer gut gelebt. Es wurde viel importiert und wegen der hohen Rohstoffpreise konnte man sich das auch leisten. Jetzt sind die Preise stark gefallen, die Wirtschaft wächst nur noch um 2 bis 3 Prozent. Das ist für Lateinamerika nicht schlecht, aber für Kolumbien zu wenig."

Weitere Investitionen sind nötig

Tatsächlich wurde zu wenig investiert. Die Infrastruktur ist in vielen Regionen des riesigen Landes noch dürftig. Auch in Medellin ist das zu sehen. Noch immer führt vom Flughafen Jose Maria Cordoba eine zum Teil nur zweispurige kurvenreiche Bergstraße in die Stadt. Ein Zubringer für einen Provinzflughafen, aber kaum angemessen für die Zwei-Millionen-Metropole. Das Problem ist aber längst erkannt. Rechts und links von der Straße fressen sich bereits die Bagger ins Gestein. 2018 soll eine neue Verbindungstrasse fertig sein. Spätestens dann wird die Stadt für Besucher und Investoren noch attraktiver.

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