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Doping

McLaren: "Warum brauchen sie so lange?"

Der kanadische Jurist Richard McLaren deckt in seinem Bericht ein Dopingsystem von unglaublichem Ausmaß in Russland auf. Im DW-Interview spricht er über das ungeduldige Warten auf die Konsequenzen seines Reports.

Doping Sportpolitik Richard McLaren (picture alliance/dpa/M. Gambarini)

McLaren übt sich in Geduld: "Ich habe meinen Report in kurzer Zeit verfasst, die Konsequenzen lassen auf sich warten"

DW: Sie haben dem Sportausschuss des Bundestages gesagt, dass Sie langsam etwas frustriert von der aktuellen Situation im Anti-Doping-Kampf sind. Was genau frustriert Sie?

Richard McLaren: Im Prinzip das Thema der Anhörung: Warum ist der Prozess so langsam? Warum brauchen sie so lange mit den Reaktionen auf den Bericht? Ein paar Erklärungen dazu wurden heute im Sportausschuss gegeben. Ich habe meinen Report in relativ kurzer Zeit verfasst, die Konsequenzen lassen auf sich warten. Das frustriert mich.

Aber die Sportwelt hat eigentlich gar nicht die Zeit für langes Warten: Die Olympischen Spiele von Pyeongchang beginnen in weniger als zehn Monaten. Welche Reaktion erwarten Sie jetzt von den Institutionen des Sports?

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McLaren: "Das IOC muss jetzt handeln"

Ich denke, dass Sie nun schnell reagieren müssen. Denn es gibt einen massiven Druck, auf die Erkenntnisse zu antworten. Sie können nicht einfach abwarten. Ich bin dabei, dem IOC zu helfen, den Prozess der Aufarbeitung zu beschleunigen. Und ich hoffe, das geschieht am Ende auch. Das IOC ist derzeit langsam in der Aufarbeitung. Dafür gibt es Gründe. Aber sie könnten in einigen Punkten konstruktiver mitwirken.

Was denken Sie über die bisherige Reaktion Russlands auf Ihre Enthüllungen?

Ich denke, dass die Russen nicht den Kern meiner Aussagen anzweifeln. Die beschuldigten Offiziellen sind nicht mehr in den Postionen, in denen sie einmal waren, als ich das russische System untersucht habe. Sie haben meinen Bericht ernstgenommen und auch einige aktive Schritte unternommen. Ich bin neugierig auf die Veränderungen des Anti-Doping-Codes, die sie noch nicht veröffentlicht haben.

Was halten Sie davon, dass einige Funktionäre ihren Bericht angezweifelt haben und Teile davon infrage gestellt wurden?

Doping Sportpolitik Richard McLaren (picture alliance/dpa/M. Gambarini)

McLaren (l.) hofft auf eine baldige Reaktion seines Nachbarn, IOC-Generaldirektor Christophe de Kepper

Ich glaube nicht, dass es viele Personen sind, die daran zweifeln. Aber ich sehe, dass es ein paar Menschen tun. Und jedem steht es frei, dies zu tun. Ich glaube aber, dass die Glaubwürdigkeit und Qualität heute unbestritten sind. Denn der Bericht ist absolut zuverlässig.

Müssen sich die Sportverbände nach den Enthüllungen Ihres Berichts neu strukturieren?

Ich denke nicht, dass mein Bericht viel damit zu tun hat. Das Problem, das wir aufgedeckt haben, ist viel komplizierter. Ich habe bisher auch keine Empfehlungen diesbezüglich ausgesprochen.

Wer ist verantwortlich?

Ich glaube nicht, dass eine einzelne Organisation oder Institution die alleinige Verantwortung in dieser Affäre trägt.

Sie werden in Kürze Thomas Bach treffen. Was erwarten Sie von diesem Gespräch?

Ich gebe Ihnen diese Antwort, wenn ich ihn getroffen habe. Meine Korrespondenz mit ihm hat mir Mut gemacht. Ich denke, es wird ein positives Gespräch und ich freue mich darauf.

Richard McLaren, Jahrgang 1945, ist kanadischer Hochschullehrer und Anwalt. Er studierte an der University of London und lehrt heute an der Western University in Ontario. Als Experte für Sportrecht wirkte er mehrere Jahre auch am Internationalen Sportgerichtshof CAS mit und war Teil von Ad-Hoc-Kommissionen des CAS bei mehreren Olympischen Spielen. Im Juli 2016 veröffentlichte er als Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA den nach ihm benannten McLaren-Bericht und deckte ein staatlich gedecktes Doping-System in Russland auf. Im Dezember 2016 folgte dann der zweite Teil des Berichts, der derzeit vom IOC geprüft wird.

Das Interview führte Joscha Weber.

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