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Fokus Osteuropa

Mazedonien besteht Bewährungsprobe

In Mazedonien ist das Referendum gegen eine Neuordnung der Gemeindegrenzen gescheitert. Der Versöhnungsprozess zwischen den Volksgruppen hat eine wichtige Hürde genommen.

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Der gefürchtete 7. November, der Tag des Referendums in Mazedonien, ist vorbei. Das Gesetz über die Neuordnung der Gemeindegrenzen in Mazedonien kann - wie geplant - in Kraft treten. Das Referendum gegen dieses Gesetz, das durch eine Unterschriften-Aktion veranlasst worden war, ist am Sonntag (7.11.) an zu geringer Wahlbeteiligung gescheitert.

Hier finden Sie politische und geografische Informationen zu Mazedonien

Die Initiatoren der Volksabstimmung hatten vor einer "Albanisierung Mazedoniens" gewarnt, weil sich durch die neuen Gemeindegrenzen die Mehrheiten in einigen Kommunen zugunsten der Albaner verschieben. Die Regierungsparteien hatten ebenso wie die EU und die USA zum Boykott aufgerufen, weil ein Erfolg des Referendums den Friedensprozess in Mazedonien zurückgeworfen hätte.

EU und USA gegen Referendum

Der amerikanischen Diplomatie ist wieder einmal ein Glanzstück gelungen. Nur wenige Tage vor dem Referendum kam die für die Mazedonier sensationelle Nachricht: Die USA erkennen den Namen "Republik Mazedonien" offiziell an. Das war wie Salbe auf eine alte Wunde der Mazedonier. Denn Griechenland sorgte jahrelang mit seinem Veto dafür, dass das Land international als "FYROM" bezeichnet werden musste - "Frühere Jugoslawische Republik Mazedonien".

Die Freude über die amerikanische Anerkennung war groß. Hat man dabei vergessen, was man mit den 180.000 Unterschriften gegen die Neuordnung der Gemeindegrenzen gewollt hat? Oder ist über Nacht ein neues europäisches Bewusstsein in dem kleinen Balkanland gewachsen? Wie dem auch sei - das Referendum gegen Dezentralisierung und kommunale Selbstverwaltung ist gescheitert und Mazedonien kann eine neue Seite seiner Geschichte schreiben.

Aber wie wird es weitergehen? Der in Ohrid begonnene Versöhnungsprozess hat zwar seine Bewährungsprobe bestanden. Es wird aber viel Arbeit erforderlich sein, um das vorhandene Misstrauen und die tiefen Gräben zwischen den Volksgruppen zu beseitigen. Hier müssen zum einen diejenigen harte Arbeit leisten, die aus dem Ausland am lautesten auf die Gefahren eines negativen Ausgangs des Referendums hingewiesen haben. Hier liegt die Verantwortung der Amerikaner und der Europäer, die am Beispiel Mazedonien gerade in den letzten Tagen wieder einmal überraschend zeigten, dass sie an einem Strang in der Balkan-Politik ziehen können.

Argumente liegen auf dem Tisch

Der Frieden in einem Land hängt aber nicht nur vom Bemühen von außen ab. Mazedonien hat entschieden, den Weg zu einem multiethnischen und toleranten Staat zu gehen. Das Lamentieren um das Referendum in den letzten Monaten war nicht umsonst. Die Menschen haben es gewagt, auf ihre Nöte hinzuweisen und damit ein Zeichen gesetzt. Jetzt sind die Argumente auf dem Tisch. Es ist zu hoffen, dass der Dialog zwischen den Volksgruppen jetzt bewusster geführt wird.

Mal gemeinsam - mal getrennt - die Völker in Mazedonien leben nach ihrem inneren Rhythmus, der von Außenstehenden nicht immer nachvollzogen werden kann. Auch wenn manche Töne auf eine Trennung abzielen mögen, so darf man nicht vergessen, dass die mazedonische Gesellschaft seit 1990 sehr schwierige Krisen gemeistert hat - und zwar gemeinsam. Daher die Hoffnung, dass es auch in Zukunft gut gehen wird.

Nada Steinmann, Bonn,

DW-RADIO / Mazedonisch, 8.11.2004

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