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Wirtschaft

Maxima: "Frauen müssen an der Finanzwelt teilnehmen"

Frauen haben in vielen Ländern kein eigenes Konto. Die UN-Beauftragte für finanzielle Inklusion und niederländische Königin erklärt im DW-Interview, warum sich das schnellstmöglich ändern muss.

Deutsche Welle: Warum ist es so wichtig, das Bewusstsein dafür zu stärken, dass Frauen gleichberechtigt am Finanzsystem teilhaben müssen?

Máxima: Wir wissen, wie wichtig es ist, dass Frauen am Wirtschaftssystem beteiligt sind. Die Studien sagen: Gäbe es eine Gleichberechtigung beim Zugang zum Finanzsystem zwischen Männern und Frauen, könnten wir die Wertschöpfung weltweit steigern. Es existiert also ein klarer makroökonomischer Zusammenhang. Außerdem wissen wir: Wenn wir die Frauen in Beschäftigung bringen, dann fließt deren Einkommen zu 90 Prozent in den Haushalt. Das bedeutet: Gesundheit, Bildung, Ernährung für die Familien. Wer also in Frauen investiert, der investiert auch in die Familie. Wir setzten uns dafür ein, dass Frauen an Finanzinstrumenten teilhaben können. Momentan gehen wir davon aus, dass eine Milliarde Frauen weltweit keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen besitzen. Daran arbeiten wir, denn nur so sind Frauen auch in der Lage, in ihre eigene Möglichkeiten zu investieren und sich wirtschaftlich zu verbessern.

Was sind die wichtigsten Schritte, um diesbezüglich Fortschritte zu machen?

Frauen brauchen einen Ausweis, so können sie überhaupt erst ein Bankkonto eröffnen. Sie benötigen Wissen über die Rahmenbedingungen und die Regeln. Aber jedes Land ist da anders: Die Situation in Kolumbien ist anders als in Pakistan, in Südafrika oder sogar in den Niederlanden. Deshalb ist es wichtig, dass jedes Land eine Strategie für die finanzielle Teilhabe hat und reflektiert, was die spezifischen Bedürfnisse, Hindernisse und Herausforderungen für Frauen sind, die überwunden werden können und so Frauen Schritt für Schritt auch am System teilhaben lassen.

Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?

Eine sehr wichtige: Die Digitalisierung ermöglicht es, Frauen leichter am Finanzsystem teilhaben zu lassen. Zum Beispiel zu Hause mit dem Mobiltelefon in den Händen. Die Kosten dafür sind gering. Das war vorher undenkbar. Frauen passen häufig zuhause auf die Kinder auf oder leben weit weg von einer Bankfiliale - eine einfache Bezahlung könnte sie zwei Tage Reise kosten. Heutzutage geht das von zuhause. Dadurch ist auch die Angst vor Diebstahl gesunken. Das Geld ist auf dem Telefon, weshalb sich das nicht mehr lohnt. Hinzu kommt die Privatsphäre. Niemand schaut ihnen zu und sie können das Geld besser für die Familie zusammenhalten. Sie können zuhause sein und dennoch Geschäfte machen, Geld sparen und selbst in der Nacht noch Bezahlungen vornehmen. Das alles ermöglicht die Digitalisierung. Außerdem haben Frauen generell eine schlechte Bonität. Oft fehlt es ihnen schon bei der Ausgangslage. Wenn wir ihnen die Bonität geben können - sie also nachweisen können, dass sie pünktlich bezahlen, dass sie Einkommen und Besitz haben - dann können sie auch Kredite aufnehmen. Und so können sie in produktive Aktivitäten investieren.

Ist das alles Wunschdenken, oder wie lange wird es dauern?

Es findet in einigen Ländern bereits statt. Seit 2011 sind 20 Prozent Frauen hinzugekommen, die nun Zugang zu Finanzdienstleistungen haben. In den Schwellenländern haben wir noch immer einen Lücke von neun Prozent gegenüber Männern. Es gibt also noch Arbeit - aber es wird besser. Der Anschluss ans Netz ist dabei zentral. Frauen haben eher kein Handy und wenn dann ist es häufig ein einfacheres Gerät, und sie benutzen es seltener. Der Anschluss ist ein wichtiges Thema, das wir angehen müssen, genauso wie digitale Bildung.

Königin Máxima - mit vollem Namen Máxima Zorreguieta Cerruti - setzt sich im Rahmen der Vereinten Nationen für die finanzielle Inklusion in Entwicklungsländern ein. Für diese Rolle wurde sie vom UN-Generalsekretär beauftragt. Máxima ist die Ehefrau von König Willem-Alexander der Niederlande.

Das Interview führte Manuela Kasper-Claridge

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