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Afrika

Mauretanien: "Regime der Sklaventreiber und Rassisten"

Mauretanien hat die Sklaverei abgeschafft - ein reines Lippenbekenntnis. Wer sich gegen Sklaverei engagiert, hat mit Haftstrafen zu rechnen - so wie Biram Abeid. Er hat anderthalb Jahre Gefängnis hinter sich.

Biram Dah Abeid ist wieder frei. Anderthalb Jahre hat er in einem Gefängnis in Nouakchott, der Hauptstadt Mauretaniens, verbracht. Der Grund: Seine Organisation IRA, die sich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzt, ist dort verboten. Mauretanien hat zwar 1981 die Sklaverei offiziell abgeschafft - als letztes Land der Welt. Laut einem Gesetz von 2007 drohen Haftstrafen von bis zu zehn Jahren für Menschen, die andere versklaven. Wer solche Praktiken fördert oder verteidigt, kann mit zwei Jahren Haft bestraft werden. Doch für Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International sind das bloße Lippenbekenntnisse. Schätzungen zufolge werden noch heute bis zu 600.000 Menschen in Mauretanien versklavt.

Mauretaniens oberster Gerichtshof hob nun das Urteil gegen Abeid und seinen Vizepräsidenten Brahim Bilal von der IRA auf - eine Entscheidung, die international begrüßt wurde. Die DW traf ihn in seinem Haus am Rande der Hauptstadt.

DW: Herr Abeid, Sie wollen Ihren Kampf gegen Sklaverei fortsetzen. Doch Ihre Regierung stuft Ihre Organisation weiter als illegal ein. Fürchten Sie nicht, wieder im Gefängnis zu landen?

Biram Dah Abeid: Ich habe keine Angst. Ich bin bereit, wieder ins Gefängnis zu gehen. Ich würde sogar mein Leben für diese Sache opfern. Was ich jetzt sage, habe ich immer schon gesagt. Und es ist die Wahrheit: Dass die IRA nicht von der sklaventreibenden und rassistischen Führungsriege Mauretaniens anerkannt wurde, hat uns noch nie davon abgehalten, unsere Arbeit zu tun. Aber ich schätze, dass wir jetzt in eine neue Phase eingetreten sind: Wir werden unseren Kampf jetzt viel energischer und umfassender führen.

Man wirft Ihnen immer wieder vor, dass Sie in ihrem Kampf gegen die Sklaverei eine bestimmte Gemeinschaft stigmatisieren, bloßstellen. Es geht um die Menschen im Land, die Sie als Arabo-Berber bezeichnen.

Sklaven in Mauretanien demonstrieren für Gleichberechtigung (Foto: picture-alliance/Zuma Press/A. Dragaj)

Sklaven und ehemalige Sklaven demonstrieren in Nouakchott für Gleichberechtigung.

Das ist ein Schachzug des Regimes. Mit dieser Kommunikationsstrategie wollen sie unseren Kampf diskreditieren. Sie wollen uns die Schuld geben, aber sie sind wie Diebe, die ausrufen: "Haltet den Dieb!" Damit können sie uns nicht einschüchtern. Die Macht in Mauretanien ist in den Händen einer Minderheit von Arabo-Berbern, die ihren Lebensstil auf die Sklaverei und auf Rassendiskriminierungen aufgebaut haben.

Sie waren mehrfach im Gefängnis. Dieses Mal waren Sie ein Jahr und sechs? Monate in Haft. Wie hat Sie das verändert?

Das hat uns nur noch entschlossener gemacht und unseren Kampfgeist bestärkt, um die Abschaffung dieses rassistischen und sklaventreibenden Systems in Mauretanien voranzutreiben.

Biram Ould Dah Ould Abeid ist Vorsitzender der Initiative für die Wiederbelebung der abolutionistischen Bewegung in Mauretanien. Im November 2014 waren er und sein Vize Brahim Bilal verhaftet worden. Am 18. Mai entschied das Oberste Gericht im Berufungsverfahren auf seine Freilassung.

Das Interview führte Khalilou Diagana

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