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Afrika

Mauretanien: Der Kampf gegen Sklaverei geht weiter

Seit einem Jahr sitzt Biram Dah Abeid in Mauretanien im Gefängnis. Der Aktivist kämpft gegen Sklaverei, die in seiner Heimat zwar offiziell abgeschafft, aber noch immer weit verbreitet ist.

Etwa 300 Menschen ziehen vom Rand der Hauptstadt Mauretaniens, Nouakchott, in Richtung Justizministerium. Sie klatschen und fordern lautstark die Freilassung des Anti-Sklaverei-Aktivisten Biram Dah Abeid. Fast jede Woche protestieren sie gegen seine Inhaftierung. Und fast jede Woche drängen Polizisten und Gendarmerie sie mit Tränengas und Knüppeln zurück und nehmen Demonstranten vorübergehend fest.

"Die Behörden erlauben unsere Märsche nicht. Und sie sind zu Gewalt bereit", berichtet Balla Touré von der Anti-Sklaverei-Bewegung IRA (Initiative de Resurgence du Mouvement Abolitionniste en Mauretanie), die der Inhaftierte Biram Dah Abeid gegründet hat. "Ganz früh morgens, lange bevor unsere Märsche überhaupt losgehen, sind die Straßen in Nouakchott schon voll mit Polizisten, die alles beobachten und bereit sind, unseren Marsch gewaltsam niederzuschlagen." Doch die Demonstranten lassen sich davon nicht abschrecken.

Der 26-jährige Hamza Camara kommt regelmäßig zu den Protestmärschen. Seit der Festnahme von Abeid und seinen zwei Mitstreitern Brahim Bilal Ramdane und Djiby Sow vor genau einem Jahr sei er in der Protest- und Anti-Sklaverei-Bewegung aktiv, sagt er. "Ich glaube, das motiviert viele junge Menschen, sich zu engagieren."

Ein Leben für den Kampf gegen die Sklaverei

Der Menschenrechtsaktivist Abeid hat sein Leben dem Kampf gegen die Sklaverei gewidmet. Sein Heimatland Mauretanien hat die zwar offiziell 1981 abgeschafft, Schätzungen zufolge leben aber auch heute noch zwischen 140.000 und 160.000 Mauretanier als Sklaven - etwa vier Prozent der Gesamtbevölkerung von fast vier Millionen Menschen.

befreite Sklavin mit einem Kind, Foto: Robert Asher (DW)

Viele Menschen leben in Mauretanien als Sklaven. Mit Hilfe der IRA erlangte diese Frau ihre Freiheit

Abeids Großmutter war selbst Sklavin, deren Sohn - Abeids Vater - wurde befreit. "In meinem Land gehören noch ganze Familien der ihrer Herren, der sie ihr ganzes Leben lang dienen müssen", schreibt Abeid in einem Brief aus dem Gefängnis, den seine Organisation IRA veröffentlicht hat. Für sein Engagement erhielt er 2011 den Menschenrechtspreis der Stadt Weimar, 2013 eine Auszeichnung der Vereinten Nationen.

Am 11. November 2014 ließ die mauretanische Regierung Abeid gemeinsam mit neun Mitstreitern verhaften, also diese gerade eine Informationskampagne vorbereiteten. Mit der wollten sie die Menschen im Süden Mauretaniens über Sklaverei und Landraub aufklären. Die Regierung warf ihnen vor, zu Gewalt aufzurufen und die öffentliche Ordnung zu stören. Seitdem sitzt Abeid im Gefängnis.
Anfang 2015 fiel das

Urteil

: zwei Jahre Haft wegen Volksverhetzung und Mitgliedschaft in einer nicht zugelassenen Organisation.

Menschenrechtsorganisationen kritisierten das Urteil scharf. Dennoch wurde es im August 2015 von einem Berufungsgericht noch einmal bestätigt. Abeids Bewegung IRA führt den Kampf gegen die Sklaverei derweil weiter. "Auch wenn sie ihn zu tausend Jahren Haft verurteilen - das hindert die IRA nicht daran weiterzumachen. Wir sind bereit, bis zum bitteren Ende zu kämpfen", sagt Abdalla Matala Saleck von der IRA im DW-Interview.

Bildergalerie Sklaverei in Mauretanien, Foto: Robert Asher (DW)

Viele ehemalige Sklaven leben in den Randbezirken der Hauptstadt

Sorge um Abeids Gesundheit

Doch Abeids Mitstreiter machen sich Sorgen um den Aktivisten, denn es geht ihm nicht gut im Gefängnis. Schon vor der Verhaftung war seine Gesundheit nicht auf dem besten Stand. Jetzt klage er über starke Schmerzen, sagt sein Berater Hamady Lehbouss: "Es tut ihm jedes Mal weh, wenn er aufsteht. Er kann sich kaum auf den Beinen halten. Und wenn er sich dann wieder setzen will, tut ihm auch das sehr weh."

Die Beschwerden führt Lehbouss auf die Haftbedingungen zurück: "Biram fehlen Sonne, Tageslicht und Bewegung. Dazu kommt der Stress." Woran genau Abeid leidet, wissen seine Mitstreiter nicht. Zwar haben sie mit dem Arzt gesprochen, der Abeid im Gefängnis untersucht hat, aber: "Er hat gesagt, dass weitere Untersuchungen nötig sind. Die Behörden haben das jedoch abgelehnt", so Lehbouss.

Auch außerhalb Mauretaniens sorgen sich Menschenrechtler um den Anti-Sklaverei-Aktivisten. Die Internationale Liga für Menschenrechte (FIDH) habe sich bereits an die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union, an die Medien und an diplomatische Vertreter gewandt, sagt Florent Geel, der beim FIDH für Afrika zuständig ist: "Wir wollen dafür sorgen, dass der Fall Biram Dah Abeid nicht vergessen wird. Dadurch können wir auch die Aufmerksamkeit auf die Menschen richten, die in Mauretanien noch als Sklaven leben, und auf diejenigen, die sich für deren Rechte und für die Menschenrechte im allgemeinen in Mauretanien einsetzen. Sie alle brauchen Schutz."

Mitarbeit:Sidiki Doumbia, Khalilou Diagana

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