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Mauern – und mauern

Was tun, wenn man eine stabile Behausung braucht, wenn man sich vor Feinden schützen will, oder wenn die eigenen Gedanken dem Zugriff anderer entzogen werden sollen? Ganz einfach: mauern.

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Mauern – und mauern

Nicht erst, seit Berlin in zwei Teile geteilt war, ist die Mauer Symbol für das Trennende schlechthin. Sie steht für Grenzen, für Macht und für Herrschaft. Die Mauer bietet Schutz vor Angreifern und schlechtem Wetter, und sie zeigt deutlich: Hier geht's nicht weiter.

Mauer der Propaganda

Sprachlich ist die Mauer eine Art Spezialfall einer Wand. Sie besteht aus Steinen und Mörtel oder aus Beton. Eine Mauer kann Teil eines Hauses sein oder frei stehen. Dann ist sie allerdings kein Sonderfall der Wand, sondern eines Walls.

Touristen machen ein Selfie vor der East Side Galley mit dem Bruderkuss-Motiv zwischen Breschnew und Honecker

Früher „antifaschistischer Schutzwall“, heute Touristenattraktion: die Berliner Mauer

Deshalb nannten die Offiziellen der DDR die Berliner Mauer auch „antifaschistischer Schutzwall“. Faschisten waren diejenigen, die im Westen lebten. Und als eine Art Trotzreaktion wurde der Propagandabegriff geschaffen. Denn nach dem Bau der Berliner Mauer hatte der damalige Regierende Bürgermeister im Berliner Westteil, Willy Brandt, von einer „Schandmauer“ gesprochen.

Mauern aller Art

Wenn eine Mauer besonders groß ist und etwa eine Stadt vor Angreifern schützen soll, ist sie eine Wehrmauer oder ein Bollwerk. Als Teil eines Hafenbeckens heißt sie Kai oder Mole. Ein Gemäuer besteht gleich aus mehreren Mauern. Doch die sind alt und ihr Mauerwerk ist verfallen. Gemäuer können historisch, romantisch oder unheimlich sein.

Es gibt aber auch jede Menge anderer Mauern: die Staumauer, die einen Fluss aufstaut, um Energie zu gewinnen, die Stadtmauer, die die Stadt vor Angreifern schützen soll, die Friedhofsmauer, hinter der die Gräber versteckt sind. Die Mauer, hinter der sich Mönche und Nonnen verbergen, ist die Klostermauer. Die Brandmauer sorgt dafür, dass sich ein Feuer nicht über mehrere Häuser hinweg ausbreitet. Ach ja, in Gebirgen spricht man auch schon mal von einer Felsmauer, obwohl die nicht gemauert ist.

Mauern – und mauern

Touristen machen ein Selfie vor der East Side Galley mit dem Bruderkuss-Motiv zwischen Breschnew und Honecker

Früher „antifaschistischer Schutzwall“, heute Touristenattraktion: die Berliner Mauer

Der, der die Mauer baut, heißt Maurer, seine Tätigkeit mauern. Und die findet sich auch im übertragenen Sinne wieder: Wenn sich beim Fußball die Abwehrspieler in einer Reihe aufstellen, bilden sie eine Mauer. Und wenn sie die gegnerischen Spieler überhaupt nicht ins Spiel finden lassen, mauern sie. Auch in einem Gespräch oder bei einer Befragung lässt sich trefflich mauern: Wenn man nämlich einfach nicht bereit ist, Auskunft zu geben.

Wenn dies mehrere Menschen tun, sagen wir mal die Manager bei VW oder die Spitzenfunktionäre des Fußballweltverbandes FIFA, dann bilden sie zusammen eine Mauer des Schweigens. Da nutzt es dann recht wenig, gegen diese Mauer anzurennen, wie früher die Söldner, die eine Stadt erobern wollten.

Menschliche Mauertypen

Nun, Mauern sind eigentlich kein gutes Biotop für Pflanzen. Deshalb wachsen Blumen dort auch eher selten und einsam. Das Zimbelkraut ist so eine Pflanze, die auch schon mal auf einer Mauer wachsen kann. Es ist in gewisser Weise ein

Mauerblümchen

– den Begriff kennt man aber eher in seiner übertragenen Eigenschaft, die in der Regel bestimmten Frauentypen eigen ist.

Fußballer bilden eine Mauer vor dem Tor

Die Mauer steht!

Nicht auf Mauern ist der Mauerläufer zuhause. Aber dieser Vogel, der zu den Sperlingen gehört, klettert gerne an Felswänden und ist demnach im Gebirge beheimatet. Der Mauerläufer wird auch

Mauerspecht

genannt. Auch dieses Wort ist im Deutschen eher in seiner übertragenen Bedeutung bekannt. Die Mauerspechte schlugen Stücke von der Berliner Mauer ab, nachdem sie ihre Funktion als Grenze verloren hatte. Solche Mauerstücke sind heute noch beliebte Berlin-Souvenirs.

Die Mauer ist weg!

Die Berliner Mauer war das Symbol für die Grenze zwischen Ost und West. Und ihre Öffnung, also der symbolische Mauerfall, steht seither für das Ende der DDR – auch wenn die danach noch fast ein Jahr lang bestanden hatte. Eigentlich, also vor 1989, hieß die Grenze zwischen Bundesrepublik und DDR „Eiserner Vorhang“, denn sie war wirklich gut befestigt mit Stacheldraht, Selbstschussanlagen und Wachtürmen.

Fußballer bilden eine Mauer vor dem Tor

Die Mauer steht!

Eine Mauer aber gab es nur in Berlin. Dort trennte sie den Ost- und den Westteil der Stadt. Als nun am 9. November 1989 die Grenzübergänge in Berlin geöffnet wurden, sprach man zunächst von der Maueröffnung, dann – weil es ein so großes und symbolisches Ereignis war – vom Mauerfall. Natürlich ist die Berliner Mauer weder umgefallen, noch hat sie jemand eingerissen. Sie wurde erst später Stein für Stein abgetragen, unter anderem von den oben schon erwähnten Mauerspechten.

Vorsicht vor Mauern in den Köpfen!

Trotz der damaligen Begeisterung und Euphorie: Gegen die Hunderttausende von Flüchtlingen, die im Jahr 2015 ihren Weg hauptsächlich nach Deutschland suchten, schützt sich so mancher Staat wieder mit einer Mauer. Dort mauert man sich im übertragenen Sinn ein. Nun ja, gegen Mauern in den Köpfen von Menschen ist selten ein Kraut gewachsen. Die bilden sich immer wieder – zu jeder Zeit an jedem Ort.




Arbeitsauftrag
Es gibt einige historisch berühmte Mauern. Recherchiert im Internet. Entscheidet euch für eine. Schreibt ein paar Stichpunkte auf und erzählt anschließend der gesamten Lerngruppe in wenigen Sätzen ihre Geschichte.

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