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Nordkorea-Konflikt

Mattis warnt Nordkorea: Bei Bedrohung massive militärische Antwort

Kim Jong Un dreht an der Schraube der Eskalation. Der nordkoreanische Machthaber ordnet den bisher stärksten Atomtest an – angeblich die Zündung einer Wasserstoffbombe. Aus Washington kommt eine scharfe Antwort.

James Mattis (Picture-alliance/dpa/J. Martin/AP)

Klare Warnung für Nordkorea: US-Verteidigungsminister James Mattis

Die USA haben Nordkorea nach dem bislang stärksten Atomtest eine "massive militärische Antwort" auf eine Bedrohung der Vereinigten Staaten oder ihrer Verbündeter angedroht. Jeder derartige Schritt gegen die USA oder ihrer Territorien, einschließlich Guam, oder ihrer Verbündeten werde eine massive militärische Antwort nach sich ziehen, eine sowohl effektive als auch überwältigende Antwort, sagte Verteidigungsminister James Mattis. Präsident Donald Trump habe sich über alle zur Verfügung stehenden militärischen Optionen informieren lassen. Die Regierung in Washington strebe nicht die Vernichtung eines Landes an, auch nicht von Nordkorea. "Aber wir haben viele Optionen, dies zu tun", sagte Mattis.

Präsident Trump bekräftigte derweil seine Entschlossenheit, das eigene Land und die Verbündeten zu verteidigen – "mit der vollen Bandbreite der zur Verfügung stehenden diplomatischen, konventionellen und nuklearen Kapazitäten". Dies erklärte er in einem Telefongespräch mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe nach dem jüngsten Atomwaffentest Pjöngjangs. Beide Spitzenpolitiker hätten Nordkoreas "anhaltende destabilisierende und provozierende Aktionen" verurteilt, die "eisenharten" beiderseitigen Verteidigungsverpflichtungen bekräftigt und eine weitere enge Zusammenarbeit vereinbart, wie das Weiße Haus mitteilte.

Zudem hatte Trump ein weltweites Handelsembargo ins Spiel gebracht. Die USA würden erwägen, die Handelsbeziehungen zu allen Staaten einzustellen, die Geschäfte mit Nordkorea machten, teilte Trump über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Wichtigster Handelspartner Nordkoreas ist China.

Als Reaktion auf den jüngsten Atomwaffentest Nordkoreas hat Südkorea inzwischen eine Raketen-Übung gestartet. Die südkoreanische Armee habe einen Angriff auf das Atomgelände des nördlichen Nachbarn simuliert, wobei auf "bestimmte Ziele" im Meer geschossen worden sei, teilte der Generalstab nach Angaben der amtlichen Agentur Yonhap mit. Die Übung sei eine "Antwort auf den sechsten Atomtest des Nordens". Es seien ballistische Hyunmoo-Raketen und Kampfjets vom Typ F-15k zum Einsatz gekommen.

UN-Sicherheitsrat kommt zusammen

Der UN-Sicherheitsrat tritt an diesem Montag zu Beratungen über den jüngsten nordkoreanischen Atomtest zusammen. Die Sitzung sei von den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und Südkorea beantragt worden, teilte die US-Vertretung bei den Vereinten Nationen mit. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Atomtest und sprach von einer schwerwiegenden Destabilisierung der Sicherheit in der Region. Er rief den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un dazu auf, derartige Handlungen einzustellen. Der Sicherheitsrat hatte erst im Juli die Strafmaßnahmen gegen die Regierung in Pjöngjang als Reaktion auf Raketentests verschärft.

Nordkorea hatte am Sonntag seinen bislang stärksten Atomtest vorgenommen und dabei nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe gezündet, die als Sprengkopf für seine Interkontinentalraketen dienen soll. Es gebe keine Zweifel daran, dass Nordkorea ein "fortgeschrittenes nukleares Objekt" getestet habe, hieß es aus Geheimdienstkreisen. Die Erschütterungen waren auch im benachbarten China zu spüren. In der Grenzstadt Yanji heulten die Alarmsirenen.

Erste Hinweise auf den starken Atomtest gab ein Erdbeben der Stärke 6,3 in der Provinz Nord-Hamgyong im Nordosten, wo auch schon frühere Nuklearversuche unternommen worden waren. Das Beben war in Südkorea und in Nordostchina spürbar. Chinas Erdbebenamt meldete ein zweites Erdbeben der Stärke 4,6. Es seien wohl Hohlräume zusammengebrochen. Chinas Umweltbehörden konnten zunächst keine auffällige radioaktive Strahlung in den Grenzprovinzen messen. Die Sprengkraft war um ein Vielfaches stärker als bei den letzten Tests, die bei 15 bis 25 Kilotonnen lagen.

Video ansehen 02:22

Nordkorea meldet Test von Wasserstoffbombe

Der sechste Atomversuch Nordkoreas seit 2006 löste weltweit scharfe Kritik aus. UN-Generalsekretär Guterres warf Pjöngjang eine "weitere schwerwiegende Verletzung" internationaler Abkommen vor. EU-Ratspräsident Donald Tusk drohte mit einer Verschärfung der Sanktionen. Der Atomwaffentest zwinge zu einer raschen und entschlossenen Reaktion: "Die Risiken werden zu groß."

Nordkorea: "Voller Erfolg"

Der von Kim angeordnete Test einer Wasserstoffbombe sei ein "voller Erfolg" gewesen, verkündete das staatliche Fernsehen Nordkoreas. Es habe sich um einen bedeutsamen Schritt zur Vollendung des Atomwaffenprogramms gehandelt. Die Bombe sei für die neuen interkontinentalen Langstreckenraketen (ICBM) entwickelt worden. Eine Wasserstoffbombe beruht auf dem Prinzip der Kernfusion, wie er in der Sonne stattfindet. Sie ist um ein Mehrfaches stärker als eine Atombombe.

Nordkorea hatte im Juli zwei Interkontinentalraketen getestet, die mehr als 10.000 Kilometer fliegen und damit ganz Asien und weite Teile des US-Festlands erreichen könnten. Unter Kim unternimmt das arme Land große Anstrengungen, Atomwaffen zu entwickeln, die mit solchen Raketen verschossen werden können.

Video ansehen 01:54

TV-Duell Merkel / Schulz: Präsident Trump und die Bedrohung durch Nordkorea

Affront gegen Peking und Moskau

Der jüngste Atomtest gilt auch als Affront für die direkten Nachbarn China und Russland. Er erfolgte unmittelbar vor dem Gipfel der BRICS-Staaten in der chinesischen Hafenstadt Xiamen, wo die Staats- und Regierungschefs aus China, Russland, Indien, Brasilien und Südafrika an diesem Montag zusammenkommen. Nach Gesprächen sofort nach ihrer Ankunft forderten Russlands Präsident Wladimir Putin und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, "angemessen" mit dem Atomtest umzugehen. Beide bekräftigten das Ziel einer koreanischen Halbinsel ohne Atomwaffen und wollen ihr Vorgehen koordinieren.

kle/ml (rtr, dpa, afp)

 

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