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Kultur

Matrose gesteht Schuld an Unfall auf russischem Atom-U-Boot

Ein unvorsichtiger Matrose soll den Unfall auf dem russischen Atom-U-Boot "Nerpa" verursacht haben, bei dem 20 Menschen gestorben sind. Sie erstickten an Feuerlöschgasen. An der Schuld des Matrosen gibt es noch Zweifel.

Ein typgleiches U-Boot wie die 'Nerpa' auf See (Photo ITAR-TASS / Vladimir Sayapin)

Unklarheit über Vorfall auf der 'Nerpa'

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Moskau hat das beschuldigte Crewmitglied gestanden, unerlaubt und grundlos das Feuerlöschsystem aktiviert zu haben. Dem Matrosen drohen bis zu sieben Jahre Haft, sagte ein Justizsprecher am Donnerstag (13.11.2008). Ein Kamerad des Beschuldigten äußerte allerdings Zweifel an dem vorläufigen Untersuchungsergebnis. Er sagte, er glaube nicht, dass der Matrose das System absichtlich oder zufällig ausgelöst habe. "Ich diene seit 2003 mit ihm. Er ist eine sachkundige Fachkraft", sagte der Offizier. "Ich fürchte, auf ihn wurde Druck ausgeübt, damit er gesteht", erklärte der Offizier, der anonym bleiben wollte. "In Russland gibt es immer die Neigung, einen Sündenbock zu suchen", sagte der Verteidigungsexperte Pawel Felgenhauer der Nachrichtenagentur AFP.

Schlechte Ausrüstung, unqualifiziertes Personal

Ursache für die meisten dieser Unglücke sei der Mangel an qualifiziertem Personal seit dem Ende der Sowjetunion. Alexander Golz, Verteidigungsfachmann beim Magazin "Jeschednewni Journal", nannte es "absolut unfair", dass ein einzelner Matrose an dem Drama schuld sein solle. Laut Medienberichten könnten auch defekte Gasmasken viele Menschen das Leben gekostet haben. Die Boulevardzeitung "Twoi Den" zitierte den Offizier Jewgeni Owsjannikow, dessen Maske nur "sieben bis 15 Minuten" funktioniert habe. Ein anderer Überlebender, Dmitri Usachjow, sagte, einige der Toten seien mit aufgesetzten Gasmasken gefunden worden. "Die Masken haben einfach nicht funktioniert", sagte der Offizier.

Fahrlässige Tötung?

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wladimir Markin, sagte, gegen den Matrosen sei ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet worden. Noch am Montag hatte das Verteidigungsministerium in Moskau allerdings von einem „technischen Defekt“ gesprochen und einen Bedienungsfehler ausgeschlossen. Trotz des Geständnisses sind laut Markin die Untersuchungen des Vorfalls nicht abgeschlossen, bei dem auch 21 Passagiere des U-Boots verletzt worden waren. Der Vorfall hatte sich am Samstag (08.11.2008) bei einer Testfahrt des U-Boots im Japanischen Meer ereignet.

Trauerfeier in Russland

Beerdingung von Havarieopfern (Photo ITAR-TASS / Sergei Plotnikov)

Beisetzung von Opfern der Havarie in Komsomolsk-On-Amur

In Bolschoi Kamen nahmen am Donnerstag mehrere tausend Menschen an der Beerdigung von drei Opfern der Havarie teil. Unter den Trauergästen waren zahlreiche "Nerpa"-Matrosen, die kurz zuvor das Krankenhaus verlassen hatten. Trotz des Vorfalls bezeichnete der Generalstabschef die "Nerpa" am Mittwoch (12.11.2008) als "voll einsatzfähig". Das Schiff werde nun endgültig zur Nutzung durch die Marine zugelassen. Russische Medien hatten berichtet, das U-Boot habe ursprünglich an Indien verkauft werden sollen. (chr)

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