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Deutschland

Massive Sprengstoff-Anschläge in Deutschland vereitelt

Kurz vor dem Jahrestag der Anschläge des 11. September 2001 haben die Sicherheitsbehörden nach eigenen Angaben Bombenattentate auf US-Bürger in Deutschland vereitelt. Seit Monaten war ihnen die Polizei auf der Spur.

Vermummte führen einen Vermummten in Handschellen abe (AP Photo/Michael Probst)

Mitarbeiter von BKA und GSG 9 nahmen die Verdächtigen fest

BKA-Chef Ziercke und Generalbundesanwältin Harms bei der Pressekonferenz

BKA-Chef Ziercke und Generalbundesanwältin Harms bei der Pressekonferenz

Drei mutmaßliche islamistische Terroristen wurden gefasst, gegen fünf weitere wird ermittelt, wie Generalbundesanwältin Monika Harms und der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, am Mittwoch (5.9.07) in Karlsruhe mitteilten. Die drei Männer wollten demnach aus Hass auf die USA gleichzeitig Autobomben vor mehreren US-Einrichtungen zünden und so ein möglichst großes Blutbad anrichten.

Bei der Festnahme wurden nach Zierckes Worten zwölf Fässer mit 730 Litern Wasserstoffperoxid-Lösung, militärische Zünder und Elektrobauteile sichergestellt. Damit lasse sich eine Bombe mit der enormen Sprengkraft von 550 Kilogramm TNT bauen. "Das hätte gereicht, um Sprengsätze mit einer höheren Sprengkraft als in Madrid und London herzustellen." Die Attentäter in der Londoner U-Bahn hätten im Sommer 2005 jeweils drei bis fünf Kilogramm Sprengstoff in ihren Rucksäcken gehabt. Der Zugriff von Beamten des BKA und der GSG 9 erfolgte am Dienstag im nordrhein-westfälischen 900-Seelen-Ort Oberschledorn.

Haftbefehle erlassen

Gegen die Verdächtigen - zwei zum Islam konvertierte Deutsche sowie ein Türke - erließ der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs am Mittwoch Haftbefehle wegen des dringenden Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Nach Angaben des saarländischen Innenministeriums wird gegen fünf weitere Verdächtige ermittelt, darunter zwei aus dem Saarland.

Es sei "eine der bislang schwerwiegendsten Anschlagsplanungen" in Deutschland gewesen, sagte Harms. "Heute ist aus unserer Sicht ein guter Tag für die Sicherheit in Deutschland." Zugleich habe sich jedoch gezeigt, dass Deutschland Anschlagziel des internationalen islamistischen Terrorismus und nicht nur Ruheraum für Terroristen sei. Für die deutsche Bevölkerung habe keine Gefahr bestanden, weil die Sicherheitsbehörden rechtzeitig über die Aktivitäten informiert gewesen seien.

Verdächtige an der langen Leine der Polizei

Beschlagnahmte Kanister mit Beschriftung Wasserstoffperoxydloesung sind am Mittwoch, 5.September 2007, auf einer Pressekonferenz in der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe anlaesslich die Verhaftung dreier mutmasslicher Terroristen zu sehen. (AP Photo/Thomas Kienzle)

Zur Illustration ihrer Arbeit schaffte die Polizei sogar eigens die Fässer zur Pressekonferenz

Ziercke zufolge wurden die in Terrorcamps in Nordpakistan ausgebildeten Verdächtigen im Alter zwischen 22 und 29 Jahren seit sechs Monaten von rund 300 Beamten beobachtet. Mitte Juli gelang es der Polizei sogar, den Inhalt der Fässer gegen eine stark verdünnte Lösung auszutauschen. Unklar ist, warum die Polizei die Verdächtigen nicht viel früher verhaftete.

Streit um Online-Durchsuchungen

Der Fahndungserfolg heizte den Streit in der Koalition über Online-Durchsuchungen von Computern weiter an. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) bestand auf solchen Durchsuchungen, um im "Wettlauf mit den Verbrechern" bestehen zu können. Es sei klar, dass Terroristen für ihre "hochkonspirative Arbeit" alle modernen Kommunikationsmittel nutzten und in hohem Maße übers Internet kommunizierten. Vertreter der SPD betonten dagegen, die Fahndungserfolge hätten gezeigt, dass eine Online-Durchsuchung, wie sie Schäuble anstrebe, nicht zwingend sei.

Alle Politiker lobten den großen Erfolg der Sicherheitsbehörden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, ohne die Computer-Durchsuchungen direkt anzusprechen, der Vorgang zeige auch: "Terroristische Gefahren sind nicht abstrakt, sondern real." Den zuständigen Behörden müssten alle Möglichkeiten gegeben werden, Aufklärung zu betreiben.

Kontakt zu El Kaida

Nach Zierckes Worten steht die Islamische Dschihad-Union in engem Kontakt mit dem Terrornetzwerk El Kaida: "Das leitende Motiv der Gruppe in Deutschland ist der Hass gegen amerikanische Staatsbürger." Genaue Anschlagziele gab es dem BKA-Chef zufolge noch nicht, die Terroristen hätten aber sowohl militärische US-Einrichtungen als auch vorwiegend von US-Bürgern genutzte Discotheken und Restaurants im Visier gehabt. Einer der Festgenommenen habe Ende 2006 Kasernen im hessischen Hanau ausgespäht.

Die Islamische Dschihad-Union ist laut Bundesanwaltschaft eine zunächst vorwiegend in Zentralasien aktive sunnitische Gruppierung, die sich von der Islamischen Bewegung Usbekistans abgespalten habe. Unter dem Einfluss von El Kaida habe die Extremistengruppe ihre Aktivitäten auf Europa ausgeweitet. Die deutsche Zelle sei im Winter 2006 gegründet worden.

Von den Beschuldigten oder deren Anwälten war keine Stellungnahme zu erhalten. (mas)

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