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Welt

Massenproteste in Nigeria

Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas protestieren Millionen Nigerianer gegen die drastisch gestiegenen Benzinpreise. Sicherheitskräfte feuerten auf Demonstranten. Es gab Tote und Verletzte.

Proteste in Lagos, Nigeria (Foto: dapd)

Der Ölreichtum des Landes geht an den meisten Nigerianern vorbei

Unter den Opfern seien auch zwei Kinder, die bei Demonstrationen in der Stadt Kano im Norden des Landes getötet wurden, berichtete das nigerianische Fernsehen. Außer in Kano habe die Polizei auch in der Wirtschaftsmetropole Lagos das Feuer auf Demonstranten eröffnet. In zahlreichen weiteren Städten des Landes gingen die Sicherheitskräfte mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Demonstranten vor, die Straßen blockierten, Feuer entzündeten und Steine warfen. Augenzeugen und Krankenhausmitarbeiter berichteten von Dutzenden Verletzten.

Millionen Nigerianer sind dem Aufruf der Gewerkschaften zu einem unbefristeten Generalstreik gefolgt. Der Protest richtet sich gegen die Abschaffung der Benzin- Subventionen. Die Regierung von Präsident Goodluck Jonathan hatte die Zuschüsse zu Jahresbeginn abgeschafft, wodurch sich die Spritpreise über Nacht mehr als verdoppelten. Für viele Nigerianer ist damit der einzige Vorteil weggefallen, den sie aus dem Ölreichtum des Landes ziehen konnten. Das Opec-Mitglied gehört zu den größten Förderern des Rohstoffs in Afrika.

Wachsender Frust

Der Streik legt weite Teile des öffentlichen Lebens in Nigeria lahm. Die sonst überfüllten Straßen in der Hauptstadt Abuja waren tagsüber weitgehend leer, der Flughafen wurde geschlossen. Der öffentliche Verkehr kam zum Erliegen, da die Busfahrer ebenfalls die Arbeit niederlegten. An vielen Plätzen der Millionenstadt versammelten sich Demonstranten. An dem Ausstand beteiligen sich dem südafrikanischen Fernsehsender E-News zufolge Arbeitnehmer aller Branchen, angefangen von den Arbeitern der Ölindustrie bis hin zu Beamten und Anwälten.

Demonstranten in Lagos errichten brennende Barrieren (Foto:dapd)

Neben friedlichen Protesten gab es auch Gewalt

Viele Demonstranten beklagten neben den Benzinpreisen auch die seit Jahrzehnten andauernde Korruption. Bei ihnen wächst der Ärger darüber, dass große Teile des Landes trotz des Ölreichtums immer noch ohne Strom und sauberes Trinkwasser auskommen müssen. Präsident Jonathan hatte am Wochenende versucht, den Streik in letzter Minute abzuwenden und eine Kürzung der Gehälter aller hochrangigen Politiker und Spitzenbeamten um 25 Prozent angekündigt. Das nigerianische Unterhaus forderte die Regierung am Sonntag in einer Krisensitzung auf, ihre Entscheidung zu überdenken.

Pulverfass Nigeria

Nigeria mit seinen über 400 Volksgruppen und mehr als 150 Millionen Einwohnern wird in wachsendem Maße zu einem politischen Pulverfass. Bei mehreren Angriffen auf Christen wurden seit den Weihnachtstagen dutzende Menschen getötet. Für den Terror zeichnet die radikalislamische Sekte Boko Haram verantwortlich.

Autor: Rolf Breuch (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Michael Wehling